3. Handball-Liga : „Der Angriff ist die Schwachstelle“

OKT-Trainer Sebastian Schräbler (li.) sieht bei seiner Mannschaft noch viel Steigerungspotenzial.
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OKT-Trainer Sebastian Schräbler (li.) sieht bei seiner Mannschaft noch viel Steigerungspotenzial.

Interview mit Sebastian Schräbler über sein erstes halbes Jahr als Cheftrainer der HG OKT in der 3. Handball-Liga Nord der Frauen.

shz.de von
10. Januar 2018, 06:00 Uhr

Owschlag | Herr Schräbler, Sie haben zu Saisonbeginn das Amt des Cheftrainers bei der HG OKT übernommen. Wie fällt Ihre Bilanz nach dem ersten halben Jahr aus?

Mit dem fünften Tabellenplatz bin ich nicht zufrieden. Andererseits liegen wir aber auch nur drei Punkte hinter der Tabellenspitze. Die Liga ist schon sehr ausgeglichen. Unser Ziel war es, schnell einen ausreichenden Abstand nach unten herzustellen. Das ist uns gelungen. Danach haben wir uns sukzessive gesteigert. Unsere letzten zwei, drei Spiele vor der Winterpause waren schon richtig gut.

Sie sind vom Liga-Rivalen SV Henstedt-Ulzburg gekommen. Was sind für Sie die Hauptunterschiede zwischen den beiden Vereinen?

Negativ aufgefallen war mir in erster Linie das niedrige Niveau im athletischen Bereich. Da bestand ein großer Nachholbedarf. Von daher war es für uns auch nicht ganz so tragisch, dass wir aufgrund der Renovierungsarbeiten in der Kropper Halle nur wenig drinnen trainieren konnten. Da haben wir zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen. Die Mädels haben extrem mitgezogen. Da wir in der Vorbereitung den Schwerpunkt auf den physischen Bereich legen mussten, hatten wir am Saisonstart noch Mängel im spielerischen Bereich, die wir aber inzwischen aufgeholt haben.

Ihre Mannschaft hatte in der Saisonvorbereitung gleich mit Erfolgen über den SV Henstedt-Ulzburg, den TSV Nord Harrislee und die HSG Jörl/DE-Viöl aufhorchen lassen. Dennoch gab es im ersten Saisonspiel gleich eine deftige 17:26-Packung beim TSV Wattenbek. Hatten sich da einige vielleicht schon zu sicher gefühlt? Oder wie erklären Sie sich das im Nachhinein?

Wir waren alle extrem nervös vor dem Saisonstart. Außerdem war Wattenbek noch eine unbekannte Größe für uns. Im Nachhinein möchte ich aber nicht mit ihnen tauschen, den im weiteren Saisonverlauf konnte der TSV nur noch zwei weitere Spiele gewinnen – und wir sieben. Es war aber wichtig, dass wir nach der Auftaktniederlage dort schnell zu unserem Spiel gefunden haben.

Nach dem Heim-Remis gegen Frankfurt wurde am 3. Spieltag mit dem deutlichen 29:15-Erfolg in Travemünde der erste Saisonsieg eingefahren. Von da an lief es gut für die HG OKT. In welchen Bereichen muss sich die Mannschaft dennoch in erster Linie weiter verbessern?

Es ist schwierig für mich, da einzelne Punkte aufzuführen. Wir haben in allen Bereichen noch Luft nach oben, sei es in der Abwehr oder im Angriff. Wir hatten immer mal wieder 15 Minuten drin, wo es bei uns nicht lief und wir eine 0:8-Tore-Phase hatten. Diese müssen wir auf jeden Fall deutlich verkürzen.

Gehen wir einmal die einzelnen Mannschaftsteile durch. Wie zufrieden waren Sie mit Ihren Torhüterinnen?

„Soph“ (Sophie Fasold; die Redaktion) war in den ersten Spielen ja noch nicht dabei, da sie mit den USA in der WM-Qualifikation aktiv war und dort knapp an Paraguay scheiterte. Femke Lobstaedt hat in dieser Phase aber eine gute Form gezeigt. Auch auf Katja Burmeister war immer Verlass. Auf dieser Position kann ich nicht klagen.

Was sagen Sie zur Deckungsarbeit?

Mit den zweitwenigsten Gegentoren haben wir hinten bisher eine sehr gute Runde gespielt. Nach der Niederlage gegen Henstedt-Ulzburg haben wir etwas verändert. Das hat gefruchtet. Die Mädels wissen, dass alles über die Abwehr geht. Dennoch haben wir noch 20 bis 30 Prozent Steigerungspotenzial.

Kommen wir zum Angriff. Was sagen Sie zu dessen Leistung?

Der Angriff ist nach wie vor noch unsere Schwachstelle. Wir schließen hier häufig noch zu früh ab. Auf der anderen Seite ist es aber auch gut, dass alle treffen können. Von daher sind wir für unsere Gegner schwer auszurechnen. Hier haben wir sicherlich noch 70 bis 80 Prozent Luft nach oben.

Wer war für Sie die OKT-Spielerin der Hinrunde?

Hier möchte ich Imke Seidel nennen, die enorm konstant auf hohem Niveau gespielt hat. Aber auch Sophie Fasold war mit ihren starken Paraden sehr wertvoll für uns, und Anita Ewert hat ihre ganze Erfahrung ausspielen können.

Und wer hat den größten Sprung nach vorne gemacht?

Ich bin wirklich positiv überrascht, wie schnell Josefine Lüthje den Sprung aus der SH-Liga (kam von der HSG Holstein Kiel/Kronshagen, d. Red.) zu uns geschafft hat und sofort den Anschluss knüpfen konnte. Trotz ihren starken Leistungen hat sie dennoch weiterhin großes Entwicklungspotenzial.

Sie haben die Mannschaft jetzt ein halbes Jahr unter ihren Fittichen. Wo gibt es noch personellen Handlungsbedarf?

Im Grunde genommen sind wir gut aufgestellt, zumal auch Caja Lübker aus dem Ausland zurück ist. Außerdem wollen wir vermehrt Wert darauf legen, dass wir unsere Talente aus der A-Jugend und der 2. Damenmannschaft noch weiter zu integrieren. Eine Viveka Romeyke bräuchte eigentlich mehr Einsatzzeiten, genauso wie zwei, drei andere auch.

Am 13. Januar steht bereits das nächste Punktspiel um 17.30 Uhr zu Hause gegen den TSV Wattenbek an. Was ist von der Mannschaft in der Rückrunde zu erwarten?

Wir müssen davon wegkommen, dass es ähnlich erfolgreich wird wie bisher. Wir kennen nun aber den Weg. Wir sind nicht mehr die Mannschaft, die überraschen kann. So will beispielsweise der TV Oyten sicherlich Revanche nehmen für seine 31:32-Niederlage bei uns.

Die HG OKT war seit ihrer Gründung bislang kein Verein, bei dem es Trainer länger als eine Saison ausgehalten haben. Haben Sie dafür eine Erklärung, und wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie diese schwarze Serie durchbrechen können?

Ich möchte mich nicht dazu äußern, was vor meiner Zeit hier vorgefallen ist. Ich bin aber durchaus sehr zuversichtlich, dass es eine lange und hoffentlich auch erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der HG OKT und mir geben wird.

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