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Charlotte Passaus goldenes WM-Erlebnis

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Pferdesport: 17-jährige Eckernförderin holt auf Uni vom Kronshof überraschend den Titel bei den jungen Reitern in der Töltprüfung T2

Eckernförde | Das Ostseebad freut sich über eine neue Weltmeisterin. Charlotte Passau hat in Berlin-Lichtenberg mit ihrem Islandwallach Uni vom Kronshof in der Töltprüfung T2 den Titel gewonnen.

Gestern morgen um 2 Uhr ist Charlotte mit Mutter Annette Künne wieder im Ostseebad angekommen. Viel Zeit ihren großen Erfolg gebührend zu feiern und zu genießen bleibt allerdings nicht. Während Annette Künne "erst mal das größte Chaos hier wieder auf Vordermann bringen muss", geht es für Charlotte Passau wieder in die zwölfte Klasse der Peter-Ustinov-Gesamtschule. Außerdem soll die Führerscheinprüfung erfolgreich gemeistert werden. Uni vom Kronshof kann sich dagegen in den kommenden Monaten voll entspannen. "Er kommt wieder in seine alte Herde, die er ja nun auch schon lange nicht mehr gesehen hat. Da kann er sich erholen, weil ich meinen nächsten Wettkampf erst im kommenden Jahr habe."

Eine Woche vor ihrem ersten Start bei den Weltmeisterschaften reiste Charlotte mit dem 16-köpfigen Deutschen Nationalteam an. "Untergebracht waren wir auf einem großen Platz am Veranstaltungsgelände, wo wir im Wohnwagen bei den Pferdeanhängern übernachtet haben. Wer wollte, konnte sich aber auch ein Hotelzimmer buchen."

Positiv überrascht war Charlotte Passau vom starken Miteinander im Deutschen Team, "schließlich waren einige ja auch Konkurrenten, aber davon war nichts zu spüren. Es wurde sich vielmehr gegenseitig unterstützt. Gerade die Jugendlichen waren alle sehr nett." Dabei wurde auch viel gemeinsam unternommen, wie etwa ein Spreefahrt oder ein Essen beim Thailänder. Charlotte Passau versuchte auch im Stadion, die deutschen Athleten zu unterstützen, "nur meine anderen Konkurrenten in der Töltprüfung T2 habe ich mir vorher nicht angesehen."

Im Vorfeld konnten alle Teilnehmer die Wettkampfstätte auch schon einmal unter Augenschein nehmen. Dabei fielen Passau vor allem die ungewohnt engen Kurven auf. Etwas unsicher war sie, wie ihr Uni vom Kronshof auf das ungewohnte Ambiente mit 12 000 Fans reagieren würde. "Es war wahnsinnig laut, doch das hat er ganz cool gemeistert", lobt die Eckernförderin. Sie selbst hat im Wettkampf von dem ganzen Drumherum gar nicht so viel mitbekommen. "Ich habe mich selbst gefragt, wie mir das gelungen ist. Da habe ich mich aber voll auf meine Aufgaben konzentriert", erklärt sie. Nach den ersten beiden Prüfungen sah alles noch einem WM-Triumph des isländischen Favoriten Gústaf Ásgeir Hinriksson aus. "In der dritten Prüfung war er dann aber zu nervös", hat Passau erkannt. Und prompt leistete er sich auch einen Fehler beim Zügelüberstreichen. Nach dem Vorentscheid lag die Eckernförderin auf Platz zwei, "womit ich schon superglücklich war". Doch es sollte noch besser kommen. Im Finale der Young Riders trumpfte Charlotte Passau ganz groß auf. Die Gesamtnote von 6.92 setzte sich aus einer 6,67 im langsamen Tölt und der 7,00 im Zügelüberstreichen zusammen. Unmittelbar nach ihrer Prüfung war ihr der Gewinn der Goldmedaille noch gar nicht bewusst. "Ich habe es erst von Organisator Fritz Finke erfahren - und da war der Jubel natürlich groß." Als kurz darauf auch die Zuschauer vom Endergebnis erfuhren, verwandelte sich die Arena in einen ohrenbetäubenden Hexenkessel und ein Fahnenmeer in Schwarz-Rot-Gold. Den deutschen Erfolg machte Christopher Weiß (Baden-Württemberg) mit der Silbermedaille perfekt. Statt eines Preisgelds gab es für die neue Weltmeisterin eine Steinskulptur mit einer Gravur. "Wo ich die hinstellen werde, weiß ich aber noch nicht, schließlich ist er ungefähr so groß wie mein Unterarm."

All die Strapazen der vergangenen Monate waren nicht umsonst gewesen. Das viermalige Training pro Woche auf dem Gestüt Störtal im 60 Kilometer entfernten Ehndorf (bei Neumünster) unter Anleitung von Trainerin Inga von Trottenberg wurde in diesem Moment vom Erfolg gekrönt. Nach dem Abitur möchte Charlotte Passau ein Jahr komplett abschalten und "in der Gegend herumreiten und mir auch andere Höfe anschauen." In zwei Jahren will sie dann bei der WM in Dänemark ihren Titel möglichst verteidigen. Bis dahin werden sicherlich auch noch einige Angebote von Sponsoren und Kauf-Interessierten für Uni vom Kronshof in Eckernförde eingehen. Erstere wird sie genau studieren, letztere dagegen gleich in den Papierkorb schmeißen. Denn von ihrem Gold-Pferd will und wird sie sich auf keinen Fall trennen. Die beiden gehören zusammen wie Baum und Borke, schließlich hat Passau ihren zehnjährigen Isländer selbst ausgebildet. Das schweißt zusammen - und hat darüber auch noch großen Erfolg, sozusagen mit einer "goldenen Legierung".

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erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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