DFB Stützpunktschule : Adel Daquri sticht heraus

Zusammenarbeit trägt erste Früchte: (von links) Fußball-AG-Leiter Norbert Carnhof, Talent Adel Daquri (12) und der Schulleiter der Gudewerdt Gesamtsschule Johann-Christoph Alsen.
Zusammenarbeit trägt erste Früchte: (von links) Fußball-AG-Leiter Norbert Carnhof, Talent Adel Daquri (12) und der Schulleiter der Gudewerdt Gesamtsschule Johann-Christoph Alsen.

Ein zwölfjähriger Syrer hinterlässt mit seinen technischen Fertigkeiten Eindruck beim AG-Leiter Norbert Carnhof.

shz.de von
08. Februar 2018, 06:00 Uhr

Als eine von nur sechs Schulen in Schleswig-Holstein bietet die Gudewerdt Gemeinschaftsschule in Eckernförde in Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Fußball-AG an. Diese trägt langsam erste Früchte. Aus dem Kurs, in dem Spieler aus fünf Nationen miteinander unter Anleitung von Lehrer/Trainer Norbert Carnhof das ABC des Fußballs erlernen, hat jetzt ein junger Syrer auf sich aufmerksam gemacht. Der zwölfjährige Adel Daquri macht Carnhof mit seinen technischen Fertigkeiten besonders viel Spaß.

„Die Fußball-AG ist ein freiwilliges Angebot einmal pro Woche an die Schüler nach der normalen Unterrichtszeit“, erklärt Schulleiter Johann-Christoph Alsen. Sie ist andererseits auch eine gute Option für die unterschiedlichen Vereine, interessierte Talente für sich zu gewinnen. Momentan greift erstaunlicherweise aber nur der Eckernförder SV darauf zurück. Zusätzlich werden in der Ausbildung zum Junior-Coach der Neunt- und Zehntklässler auch die Grundlagen zum Erwerb der Trainer-C-Lizenz angeboten, wobei 40 Stunden auf den üblichen Kurs gutgeschrieben werden. Dies hat die Schule bereits mehrfach in Anspruch genommen.

„Ziel der AG ist, dass sie so interessant ist, dass möglichst viele daran teilnehmen“, sagt Alsen. Carnhof, dessen Arbeitgeber die Stadt Eckernförde ist, ergänzt: „Sie ist so aufgebaut, dass wir viel im technischen und taktischen Bereich arbeiten. 70 Prozent der Übungen machen wir dabei mit dem Ball. Auch das Teambuilding wird bei uns groß geschrieben. Zum Abschluss gibt es dann das allseits beliebte Abschlussspiel. Im Grunde unterscheidet sich die Arbeit nicht viel von der eines Vereinstrainers. Lediglich die Konditionsarbeit entfällt in unserer AG. Durch die vielen unterschiedlichen Nationen leisten wir auch eine wichtige Integrationsarbeit. Da bei uns aktuell auch ein Mädchen dabei ist, lernen die Jungs auch den Umgang unter den Geschlechtern. Hierbei würde ich mir wünschen, dass noch mehr Mädchen das Angebot annehmen. Ich lege dabei auch Wert darauf, dass bei uns ausschließlich Deutsch gesprochen wird.“ Anhand des Verhaltens der Kinder gibt es auch einen Austausch zwischen Carnhof und der Schulleitung – sowohl bei negativen als auch bei positiven Verhaltensweisen.

Adel Daquri, dessen Vater in seiner Heimat selbst Fußballtrainer in Amodi war, ist seit 2016 in der Fußball-AG. Bisher stach er bei den 10 bis 14 Fünft- und Sechstklässlern, von denen rund 70 Prozent im Verein spielen, mit seinem Können deutlich heraus. Neuerdings sind nun auch Siebtklässler dabei, was für den jungen Syrer eine neue Herausforderung darstellt, die B-Lizenz-Inhaber Carnhof nicht ungelegen kommt: „Adel ist extrem geschmeidig. Außerdem stechen seine Technik und sein Durchsetzungsvermögen hervor. Er liebt das Dribbling und das Toreschießen. Verbessern muss er sich aber noch in seiner Beidfüßigkeit. Er hat aber begriffen, dass dies wichtig ist, um sich gegen andere zu behaupten. Gegen die Siebtklässler tut er sich momentan noch schwer. Er lernt dabei aber, nicht aufzugeben und den Ball zu behaupten oder zu erobern.

Klassenlehrerin Britta Jessen beschreibt Adel als „freundlichen und lebhaften Schüler, der sehr bemüht und ein zuverlässiger Klassenbuchführer ist. Er beherrscht die deutsche Sprache schon gut. Nachhilfe muss er allerdings noch in Mathe nehmen.“ Gemeinsam mit seinem Freund Abdal, den er in Deutschland kennen gelernt hat, profitiert Adel von der kleinen Klassengröße von nur 16 Schülern.

Ins Leben gerufen wurde die DFB-Stützpunktschule vor drei Jahren vom ehemaligen Konrektor und stellvertretenden SHFV-Vorsitzenden Gerd Schröder. „Er hat sich sehr stark für dieses Angebot eingesetzt“, sagt Johann-Christoph Alsen.

Als großes Vorbild nennt Adel Daquiri, der zum beschwerlichen Weg von Syrien nach Deutschland nichts sagen möchte, den brasilianischen Nationalspieler Neymar, der vor der Saison für die neue Rekord-Ablöse von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain gewechselt ist. Warum bewundert der Syrer gerade Neymar? „Er dribbelt und schießt gut.“ So wie Adel selbst, wenn auch noch nicht in dieser Perfektion. Aber was nicht ist kann ja vielleicht in einigen Jahren so weit sein.

Als Lieblingsverein in Deutschland nennt Adel Daquri den FC Bayern München. Sein Traum wäre es, direkt vom Eckernförder SV, für den er in der Rückrunde die Fußballschuhe schnüren wird, in die bayrische Metropole zu wechseln. Und wie wäre es mit einer Zwischenstation bei Holstein Kiel? „Das muss nicht sein, denn die haben wir gerade mit dem ESV geschlagen“, sagt er. Genug Selbstbewusstsein hat der junge Mann also.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen