Fussball B-Jugend-Oberliga : Knapp am Spielabbruch vorbei

Leichtfüßig läuft Emir-Han Bayraktaroglu von der B-Jugend des TSV Uetersen (links) hier Marten John Franke (rechts) und Yavuz Kadir Sen (hinten) vom TuS Holstein Quickborn davon.
Leichtfüßig läuft Emir-Han Bayraktaroglu von der B-Jugend des TSV Uetersen (links) hier Marten John Franke (rechts) und Yavuz Kadir Sen (hinten) vom TuS Holstein Quickborn davon.

2:1-Sieg der Tornescher B-Jugend bei Concordia wird von Tätlichkeiten überschattet. TSV-B-Junioren schlagen Quickborn mit 3:0.

shz.de von
31. Januar 2018, 11:30 Uhr

Uetersen | Als der Puls von Martin Schwabe am vergangenen Sonnabend langsam, aber sicher wieder normal schlug, zeigte Fabian Hlede einen ungewohnt starken Gefühlsausbruch. Hlede, der die 1. Fußball-B-Jugend des TSV Uetersen coacht, erfuhr zu diesem Zeitpunkt nämlich davon, was seinem Trainerkollegen Schwabe und dessen B-Junioren des FC Union Tornesch im U17-Oberliga-Spiel beim Wandsbeker TSV Concordia widerfahren war.

„Einige Spieler der Concorden haben sich schon in der Partie gegen uns asozial verhalten − gegen die Tornescher scheint es nun genauso gewesen zu sein“, so Hlede, der forderte: „Es wird wirklich Zeit, dass der Hamburger Fußball-Verband hier etwas unternimmt und lange Sperren verhängt.“

Martin Schwabe: "Es war furchbar"

Was aber war zuvor auf dem Kunstrasenplatz am Osterkamp geschehen? „Es war furchtbar“, sagte Schwabe, der nicht dafür bekannt ist, Dinge zu dramatisieren: „Die Mannschaft von Concordia hat sich zwar sportlich im Verlauf dieser Saison stabilisiert − aber einige der Spieler haben sich einfach nicht im Griff.“

Die Sorge, dass die Situation eskalieren könnte, hatte Schwabe schon im Verlauf der ersten Halbzeit: „Ich habe den jungen Schiedsrichter, der sehr schüchtern war und keine Gelben Karten verteilte, davor gewarnt, dass die Partie entgleiten könnte“, so Schwabe, dessen Worte bei Referee Jonathan Schramm (SC Eilbek) kein Gehör fanden.

Nachdem zahlreiche unschöne Aktionen nicht geahndet worden waren, gab es nach rund einer Stunde laut Schwabe „die erste Tätlichkeit“, als ein Concordia-Akteur einen Tornescher „einfach von hinten umtrat“. Da dies direkt vor der Union-Bank geschah, beschwerte sich Schwabe vehement, woraufhin ihn Concordias Amar Nadzakovic aufforderte, leise zu sein. Nadzakovic sah kurz darauf wegen Meckerns die Gelbe Karte; dass er laut Schwabe danach „noch dreimal den Ball wegschlug“, wurde jedoch nicht bestraft.

Mit großer Sorge sah der FCU-Coach, dass „einige Concordia-Spieler immer wütender wurden“. Dies gipfelte laut Schwabe darin, dass, nachdem auch der Tornescher Hannes Junge umgetreten worden war, „alle auf den Platz liefen und es mehrere Schubser gab“. Da dieser Tritt, wie die erste Tätlichkeit, im Rücken des Unparteiischen stattfand, gab es auch hierfür keine Sanktionen.

Mutter wurde ihr Handy aus der Hand gerissen

Der Mutter eines Union-Spielers, die unter den Zuschauern weilte und die Rudelbildung mit ihrem Mobiltelefon filmen wollte, wurde laut Schwabe „ihr Handy aus der Hand gerissen“. Schließlich gelang es Schwabe, seine Spieler vom „Tatort“ wegzuführen. „Ich bin nur froh, dass wir heil aus der Sache herausgekommen sind“, sagte Schwabe einen Satz, der nach einem Fußballspiel nicht alltäglich ist.

Da es keinen Spielabbruch gab, konnten sich die Tornescher, allen unschönen Erlebnissen zum Trotz, über einen 2:1-Sieg freuen. Nachdem die Gäste zunächst Pech bei einem Lattenschuss hatten (6. Minute), brachte Nadzakovic die Hausherren in Front (12.). „In der ersten Halbzeit haben wir auf dem relativ kleinen Platz zu zurückhaltend agiert“, befand Schwabe, der deshalb in der Kabine klare Worte fand und erfreut registrierte, dass seine Elf „im zweiten Durchgang eine Schippe drauflegte“.

Freistoßtrick geht auf

So gelang zügig der Ausgleich: Der eingewechselte Tim Mooren fand mit einem feinen Schnittstellenpass Patrice Meyer, der den Ball direkt nahm und an Concordias Keeper Claudiu Alexandru Stoian vorbei zum 1:1 einschob (53.). Ein Freistoßtrick, der im vergangenen Sommer einstudiert worden war, brachte den Torneschern den Siegtreffer: Janko Behrs führte von halblinks kurz aus und Mooren passte in den Lauf von Morris von Winkelmann, der an der Abwehrmauer von „Cordi“ vorbeigelaufen war und zum 2:1 traf. „Da schlägt das Herz des Trainers höher“, strahlte Schwabe.

Auch die Uetersener B-Junioren hatten Grund zum Feiern: Sie schlugen den Tabellenletzten TuS Holstein Quickborn mit 3:0. Auf dem Jugendplatz in der Rosenstadt machte die Heim-Elf schnell Nägel mit Köpfen: Leon Müller traf in der achten und in der 22. Minute, wobei Patrick Jordao Valadares das 2:0 mustergültig vorbereitete.

Dann wurde Tobias Röhl im Gäste-Strafraum gefoult und Jordao Valadares nutzte den Elfmeter zum 3:0-Pausenstand (32.). „Das einzige, was wir uns vorwerfen können, ist, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr so leidenschaftlich und druckvoll nach vorne gespielt haben wie vor der Pause“, befand Hlede, der aber auch so von einem „wichtigen und verdienten Erfolgserlebnis“ sprach.

Abschließend kündigte Hlede an, telefonisch Kontakt zu Schwabe aufzunehmen − mit dem Ziel, „gemeinsam etwas dafür zu unternehmen, dass sich Geschehnisse wie die vom Sonnabend nicht wiederholen“.

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