Nach dem Aus im DFB-Pokal : Zwischen Ärger und Stolz

Ernste Gesichter: Spieler und Betreuer des SC Weiche Flensburg 08 beim Gang in die Fankurve in Lübeck.
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Ernste Gesichter: Spieler und Betreuer des SC Weiche Flensburg 08 beim Gang in die Fankurve in Lübeck.

Die Regionalliga-Fußballer des SC Weiche Flensburg 08 analysieren das Pokal-Aus gegen Bremen mit Selbstkritik.

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01. November 2018, 19:15 Uhr

Komplimente? Schulterklopfen? Das war den Regionalliga-Fußballern des SC Weiche Flensburg 08 am Mittwochabend gar nicht recht. Sie wollten nicht hören, dass sie sich beim 1:5 im DFB-Pokal gegen den SV Werder Bremen gut verkauft hatten – sie blickten ernst drein. „Die Gegentore sind zu leicht gefallen“, sagte Kapitän Christian Jürgensen, „besonders der Fernschuss und der Elfmeter ärgern mich.“

Kevin Schulz, der sich als einzige Spitze 90 Minuten lang aufgerieben hatte, befand: „Wenn wir mit 1:1 oder 1:2 in die Pause gehen, ist noch was drin. Aber beim 1:3, 1:4 fällt dir jeder Weg schwer. Dann bist du froh, wenn das Spiel zu Ende ist und du nicht mehr hinterher laufen musst.“

Der beste Flensburger an diesem denkwürdigen Abend, Florian Meyer, stellte fest: „1:5 – das war einen Tick zu hoch.“ Zum „Spieler des Spiels“ wurde Werders Doppel-Torschütze Martin Harnik gekürt – Meyer oder sein österreichischer Vornamens-Vetter Kainz auf Bremer Seite hätten es eher verdient gehabt. Auch Kevin Schulz, gegen Bochum in der 1. Runde „Man of the Match“, wäre ein Kandidat gewesen.

Erst allmählich wich die Trauer dem Stolz. „Es war eine tolle Erfahrung und für den Verein eine schöne Geschichte“, sagte Kevin Schulz. „Wir sind zufrieden, dass wir die zweite Runde erreicht haben“, bekräftigte Florian Meyer. „Jetzt darf sich Werder auf die Pokal-Auslosung freuen – das hätten wir auch gern getan“, so Trainer Daniel Jurgeleit, der eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Aufstellung gewählt hatte.

Die ehemaligen Lübecker Gary Noel und Gökay Isitan standen nicht einmal im Kader, Stammkräfte wie Dominic Hartmann saßen auf der Bank. Und als in der 66. Minute ein Stürmer für Finn Wirlmann eingewechselt wurde, kam Routinier Tim Wulff und nicht der junge Nico Empen. Damit wollte Jurgeleit Spieler belohnen, die schon lange dabei sind und sich immer in den Dienst der Mannschaft stellen – eines von vielen Beispielen sind die Ostermann-Zwillinge Hendrik und Jannick, seit 2012 im Verein.

Hendrik hätte in der 43. Minute vielleicht einen Elfmeter bekommen können, wenn er sich nach dem Schubser von Bremens Marco Friedl fallen gelassen hätte. Im Gegenzug brachte er Johannes Eggestein im eigenen Strafraum zu Fall – der Strafstoß führte zum 1:3.

„Wenn wir mit einem positiven Ergebnis in die Halbzeit gehen, ist noch was möglich. Aber ein 3:1 – das lässt sich eine Bundesliga-Mannschaft nicht mehr nehmen“, analysierte Daniel Jurgeleit. Und dann kam doch ein bisschen Ärger durch. „Zwei Fehler vor den Toren haben wir selbst gemacht, ohne dass Werder das erzwungen hätte“, sagte Co-Trainer Marc Peetz. Der Rückblick wich aber schnell der Vorausschau – am Sonntag (14 Uhr) kommt der VfB Oldenburg zum Punktspiel ins Manfred-Werner-Stadion. „Da wollen wir drei Punkte holen, wir haben ja genug ausgeruhte Spieler“, sagte Jurgeleit. Nicht alle Flensburger Spieler hätten im Pokalspiel ihre Topform erreicht. „Aber es waren schon mehr als gegen Lübeck am Freitag.“ Die Partie gegen die Niedersachsen ist bereits das 22. (!) Pflichtspiel seit Anfang Juli.

Die Reaktionen von Fans, Förderern und vom Gegner waren durchweg positiv – dem schloss sich auch Liga-Geschäftsführer Harald Uhr an. „Leider sind wir unserer Favoritenrolle nicht gerecht geworden“, sagte er lächelnd und fügte ernst hinzu: „Ich bin stolz auf die Jungs.“

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