Der SC Weiche Flensburg 08 ist Meister : Zusammenhalt als Erfolgsrezept

Da ist das Ding! Kapitän Christian Jürgensen und seine Mitspieler freuen sich über die Meisterschale.
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Da ist das Ding! Kapitän Christian Jürgensen und seine Mitspieler freuen sich über die Meisterschale.

Kontinuierliche Verbesserung über Jahre – jetzt sind die Fußballer des SC Weiche Flensburg 08 am Ziel angelangt.

shz.de von
17. Mai 2018, 20:00 Uhr

Vorbereitet war nichts. Keine Sektduschen, keine Meister-T-Shirts, selbst die ersten beiden Kisten Bier fanden erst eine Viertelstunde nach der Siegerehrung den Weg auf den Platz. „Und das ist auch noch warm, weil es direkt aus dem Bus kommt“, lachte Geschäftsführer Harald Uhr.

Gefeiert wurde die Regionalliga-Meisterschaft beim SC Weiche Flensburg 08 dennoch. Doch wie Spieler, Trainer und Funktionäre auf dem Platz des Wilhelm-Langrehr-Stadions in Havelse noch lange nach dem Abpfiff schweigend oder in Gespräche vertieft, aber keineswegs ausgelassen den ersten Titel genossen, fühlte sich noch eher an wie ungläubiges Staunen bei allen Beteiligten über den größten jemals erreichten Erfolg eines Fußballteams aus der Fördestadt.

„Nach dem Spiel gegen Wolfsburg habe ich das erste Mal daran gedacht, dass wir es wirklich schaffen können“, sagte Patrick Thomsen, neben Jonas Walter dienstälteste Spieler im Kader. „Wir haben uns eigentlich immer nur mit dem nächsten Spiel beschäftigt“, erklärte der 27-Jährige. „Dann sind wir einfach gut durch die englischen Wochen gekommen“, machte er einen wichtigen Grund für den Titelgewinn aus, „und das hat damit zu tun, dass wir einen großen Kader haben und der Trainer auch allen vertraut hat.“

Alle 25 Spieler des Kaders bekamen ihre Einsatzzeiten, keiner bestritt alle 34 Saisonspiele. „Vor dem Spiel in Eutin hat Fiete Sykora die gesamte Mannschaft vor dem Spiel zusammen geholt“, beschrieb Co-Trainer Marc Peetz einen symbolischen Moment. Als Nervosität angesichts des erreichbaren Ziels aufzukommen drohte, beschwor der Routinier, der selbst an diesem Tag gar nicht spielte, die Gemeinschaft und betonte, man könne in den verbleibenden Spielen nur noch gewinnen.

Die Geschlossenheit des Kaders, der Zusammenhalt und die damit von allen akzeptierte Rotation ist eines der Prinzipien, die nicht aus der Not heraus entstanden, und als eine Grundlage des Erfolgs angesehen werden können. „Das haben wir ja schon vor ein paar Jahren so gemacht“, erklärte Peetz und benannte auch den immer nur punktuell veränderten Kader als Basis.

In Flensburg kennen sich die meisten Spieler seit Jahren. „Und den Neuen zeigen wir dann erstmal den C-Platz, damit sie wissen, wo sie im Winter trainieren müssen. Das wird auch von allen akzeptiert. Wir haben nun mal nicht Bedingungen wie in Wolfsburg“, schmunzelte Peetz, der gemeinsam mit Kapitän Christian Jürgensen die Fahne der gebürtigen Flensburger im jedoch durchweg regional geprägten Team hochhält. „Wenn man uns das vor ein paar Jahren gesagt hätte, wir hätten uns mit dem Finger an die Stirn getippt“, gestand er.

Neben Harald Uhr als entscheidenden Macher im Hintergrund hob Peetz Trainer Daniel Jurgeleit als den Baumeister des sportlichen Erfolgs heraus. „Manchmal haben wir auch gelächelt, wenn er sich an irgendeinem kleinen Detail festhielt, um es zu verbessern. Aber es hat immer funktioniert.“

Acht Jahre ist Jurgeleit nun Trainer in Weiche. Und Jahr für Jahr ging es mindestens einen Platz nach oben – eine im höherklassigen Fußball unerreichte Kontinuität. „Es waren nicht immer die großen Ziele“, erklärte Peetz. „Aber Daniel hat immer wieder etwas anderes in den Mittelpunkt gestellt: Weniger Gegentore, weniger Niederlagen, weniger Karten.“

Entsprechend werden diese vermeintlichen Kleinigkeiten auch registriert. „25 Gegentore, so wenige hatten wir noch nie“, rechnete Jonas Walter vor. „Nur drei Niederlagen, die beste Tordifferenz – da kann man schon davon sprechen, dass wir auch verdient Meister geworden sind.“

Kapitän Jürgensen hatte sich schon vor einigen Wochen erinnert, wie schwer es gewesen war, bis er 2013 als Kapitän von Holstein Kiel die Meisterschale des NFV in Empfang nehmen durfte. „Da haben wir drei Jahre lang mit ganz anderen Möglichkeiten darauf hingearbeitet“, erinnerte er sich. Als er am Mittwoch zum zweiten Mal die silber funkelnde Trophäe überreicht bekam, blieb das im ersten Moment ein surreales Gefühl für den 33-Jährigen: „Dass wir das geschafft haben, bei uns in Flensburg, mit den Möglichkeiten – das ist einfach unglaublich!“

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