Fussball : Zufriedene Gesichter beim Verlierer

Gemeinsam  versuchen die Flensburger Thomas Carstensen und Lasse Jannsen den Neumünsteraner  Abdel Abou Khalil (von links) zu stoppen.
Gemeinsam versuchen die Flensburger Thomas Carstensen und Lasse Jannsen den Neumünsteraner Abdel Abou Khalil (von links) zu stoppen.

Achtelfinale im Landespokal: Flensburg 08 unterliegt dem VfR Neumünster mit 1:2. Mergim Kuci trifft in der 90. Minute zum 1:2.

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21. Juli 2014, 08:00 Uhr

Das Achtelfinale war Endstation für Flensburg 08. Allerdings verkaufte sich der Schleswig-Holstein-Ligist im Landespokal gegen den Fußball-Regionalligisten VfR Neumünster beim 1:2 (0:0) sehr gut. „Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, sie hat Neumünster alles abverlangt“, meinte 08-Coach Torsten Böker nach der Hitzeschlacht im Flensburger Stadion. VfR-Coach Uwe Erkenbrecher war im Großen und Ganzen eine Woche vor dem Punktspielstart ebenfalls zufrieden. „Wir hatten nur 14 Spieler im Kader, die Mannschaft muss sich erst neu zusammenfinden. Dafür war das ganz in Ordnung“, erklärte der Ex-Profi.

Für Torsten Böker begann das Spiel überhaupt nicht nach Wunsch. Gleich zwei Kicker, die bereits auf dem Spielplan standen, musste er noch vor dem Anpfiff ersetzen. Gianluca Siefert hatte am Knöchel Probleme, und Ihab Hathat sei aufgrund des Ramadan bei 30 Grad schwarz vor Augen geworden, so Böker. Er brachte Asmir Ramadanoski, ebenfalls Moslem. „Auch bei ihm hat man gemerkt, dass er nicht voll da ist“, meinte der 08-Trainer. Nach 30 Spielminuten kam der nächste Zwangswechsel: Clay Woitschätzke, auch durch das Fasten geschwächt, musste Fleming Barth weichen. Böker machte seinen Spielern keinen Vorwurf: „Aber bei diesen Bedingungen ist das tödlich.“

Die ersten Minuten des Pokalspiels gehörten dem Favoriten. Patrick Nagels Freistoß (2.) parierte der starke Nick Schmidt im 08-Tor, ein Kopfball von Bodo Bönigk (8.) flog über das Tor. Als Ramadanoski (12.) nach Flanke von Idris Alioua vor Kevin Zschimmer kläre, platzte Erkenbrecher die Hutschnur. „Der Ball muss genauer kommen“, rief er auf den Platz und ließ seinen Frust an einem Hütchen, das zur Begrenzung der Coachingzone diente, aus. Die nächste Chance hatte Kevin Ingreso, der mit einem Weitschuss an Schmidt scheiterte.

Nach 20 Minuten hatten sich die Flensburger gefangen. Lasse Jannsen organisierte die Abwehr hervorragend. Torsten Böker fand sogar ein Superlativ für seinen Abwehrchef: „Überragend.“ Jannsen hatte auch die erste Flensburger Möglichkeit. Sein Kopfball (23.) nach Ecke von Vadim Galinger flog auf das Tornetz. Anschießend folgte die erste von zwei Trinkpausen. Spannung kam noch einmal in der letzten Minute der ersten Halbzeit auf. Zunächst wurde ein Galinger-Schuss zur Ecke abgefälscht, dann konterte Neumünster, aber Thomas Carstensen klärte vor Emanuel Bento.

Nach dem Wechsel hielt 08 die Partie lange offen. Mergim Kuci, auffälligster Flensburger in der Offensive deutete seine Torgefahr mit einem Distanzschuss an, aber Ole Springer parierte(69.). Der schönste Spielzug der Partie brachte dann den VfR in Führung. Eingeleitet von Kapitän Nagel kam der Ball zu Bento, dessen maßgenaue Flanke Abdel Abou Khalil (77.) ins Netz köpfte. 08 schien kräftemäßig am Ende, Neumünster hatte freie Bahn zum Kontern. In der 88. Minute war es passiert: Zunächst scheiterte Christopher Kramer an Schmidt, im Nachsetzen traf Ingreso die Latte und blieb ebenfalls am 08-Keeper hängen. Aber im vierten Versuch traf Bento ins Tor. Doch die Gastgeber waren noch nicht geschlagen. Mergim Kuci ließ Jakob Olthoff stehen und hämmerte das Leder aus 15 Metern in die Maschen zum 1:2 (90.). In den vier Nachspielminuten wankte der Favorit, brachte das Ergebnis aber über die Zeit.

„In der ersten Hälfte haben wir sehr gut gespielt und hätten 2:0 führen müssen“, meinte Erkenbrecher, der noch auf seine Esten Siim Tenno und Reio Laabus verzichten musste. Aber der VfR-Coach sah auch, dass sein Team nach dem Wechsel den Faden verloren hätte. „Es gibt noch einiges zu tun.“ 08-Kapitän Robin Schmidt erkannte den verdienten Sieg des VfR an: „Die haben etwas zwingender gespielt. Aber wir haben Neumünster einen großen Kampf geliefert und alles gegeben.“

Lob gab es auch von Frank Papenberg. Allerdings befand der Sportliche Leiter: „Für uns kam der Vergleich mit dem Regionalligisten noch etwas zu früh.“ Wenn in der Offensive Sebastian Kiesbye (noch rot-gesperrt aus seiner Husumer Zeit), Nicolas Holtze (Urlaub) und Florian Neumann (vom Verband gesperrt wegen der ungewissen Rechtslage des insolventen VfB Nordmark) dabei gewesen wären, „wäre das Spiel ganz anders gelaufen“.

Flensburg 08: N. Schmidt - Ramadanoski, Bierig, Jannsen, Carstensen - R. Schmidt, Woitschätzke (29. Barth) - R. Kuci, Galinger, Dikun - M. Kuci.

VfR Neumünster: Springer - Zekjiri, Bönigk, Olthoff, Nagel - Ingreso, Alioua - Bento, Abou Khalil (85. Grothe), Zschimmer (74. Schlagelambers) - Kramer.

Schiedsrichter: Röpke (Altenholz).

Zuschauer: 150 zahlende.

Tore: 0:1 Abou Khalil (77.), 0:2 Bento (88.), 1:2 M. Kuci (90.).

Beste Spieler: Jannsen, Carstensen, N. Schmidt / Nagel, Ingreso, Bento. – Gelbe Karten: M. Kuci (55., Foulspiel), Jannsen (87., Foulspiel) - Kramer (89., Foulspiel), Grothe (90./+4, Foulspiel).

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