Fussball-Regionalliga : Wo bleiben Flensburgs Fußballfans ?

Spärliche Kulisse: Nur 344 Zuschauer wollten das Spiel des ETSV Weiche (Jannick Ostermann im Vordergrund) gegen Goslar sehen.
Spärliche Kulisse: Nur 344 Zuschauer wollten das Spiel des ETSV Weiche (Jannick Ostermann im Vordergrund) gegen Goslar sehen.

Der Regionalliga-Verein ETSV Weiche beklagt einen Rückgang der Zuschauerzahlen von fast 30 Prozen. Ab dem kommenden Jahr wird sonntags gespielt.

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07. November 2013, 08:00 Uhr

Sportlich läuft es blendend. Zu Saisonbeginn hatte der ETSV Weiche sogar drei Spieltage lang die Tabellenführung in der Fußball-Regionalliga inne. Nach 14 Spielen liegen die Flensburger auf Platz fünf, nur vier Punkte hinter Spitzenreiter VfL Wolfsburg II. Jetzt wurde der Verein vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgefordert, die wirtschaftlichen und sportlichen Unterlagen für einen möglichen Drittliga-Aufstieg einzureichen. „Wir melden nicht“, sagt Harald Uhr trocken. Der ETSV-Mäzen und Geschäftsführer der Liga GmbH ist frustriert. „Wenn man ein Produkt hat, muss man wissen, ob es angenommen wird oder nicht. Und Fußball wird in Flensburg nicht so angenommen, wie wir uns das vorstellten“, erklärt er und schiebt hinterher: „Wie sollen wir die DFB-Voraussetzungen erfüllen, wenn in der Regionalliga schon keine Zuschauer kommen?“

Zum Vergleich: In der Hinrunde des ersten Regionalliga-Jahres lag der Zuschauerschnitt im Manfred-Werner-Stadion bei rund 900. In den ersten acht Heimspielen in dieser Serie kamen insgesamt nur 4840 Besucher (Durchschnitt 605). „Das ist ein Einbruch von fast 30 Prozent. Da muss man sich Gedanken machen“, sagt Uhr. Er lässt die schwachen Spiele gegen BV Cloppenburg (0:1) und Hamburger SV II (2:6) nicht gelten, denn „in der vergangenen Saison haben wir zu Hause fast alles verloren“. Negativer Höhepunkt für den Mäzen war die Partie am vergangenen Sonnabend gegen Goslar (3:2). „Traurig, nicht einmal 350 Zuschauer wollen dieses rassige Spiel sehen.“ Auch das schlechte Wetter zählt für den Weiche-Macher nicht: „Das ist einem richtigen Fußballfan egal.“ Für Uhr enttäuschend, wenn man bedenke, wie viel Arbeit es bedeute, eine Spitzenmannschaft in der Regionalliga zu halten.

Der Geschäftsführer sieht die 4. Liga sogar als Champions League der Amateure. „Da wird hochklassiger Sport geboten, und es gibt zum Teil Aufwendungen wie in der Bundesliga.“ Ein Beispiel: Als die Schiedsrichter am Sonnabend mit dem Zug nicht weiter kamen als Neumünster, stiegen sie kurzerhand ins Taxi, um rechtzeitig zum Spiel gegen Goslar in Flensburg zu sein. „Ich will mir gar nicht vorstellen, was da noch an Kosten auf uns zukommt.“

Der ETSV-Mäzen würde gerne in Weiche noch mehr aufbauen. Schon jetzt gibt es einen Wirtschaftsrat mit vielen Flensburger Geschäftsleuten. „Wir stehen wirtschaftlich auf ordentlichen Beinen. Wir haben eine starke Mannschaft zusammen, die Spieler längerfristig an uns gebunden. Aber man hat den Eindruck, Flensburg will das gar nicht.“ Darum schließt Harald Uhr ein Ende seines Engagements nicht mehr aus, sagt aber: „Es wäre schade, wenn die Regionalliga scheitern würde. Dann würde Flensburg mit Sicherheit in den nächsten zehn Jahren keinen viertklassigen Fußball mehr stellen können.“

So weit ist es noch nicht. „Wir machen uns rund um die Uhr Gedanken, was wir noch anstellen können.“ Selbst die Senkung der Eintrittspreise auf 7 Euro (Tiefstpreis in der 4. Liga) brachte nicht den erwünschten Erfolg. Inzwischen sind Marketing-Fachleute damit beschäftigt, auszuloten, wie die Zuschauerzahlen zu steigern sind. Eine erste Aktion ist bereits geplant: Die Ankündigungsplakate für die Heimspiele werden künftig auch in Nordfriesland (Husum, Bredstedt, Niebüll), im Kappelner und Schleswiger Raum sowie nördlich der Grenze in Dänemark aufgehängt.

Zweite Neuerung: In der Rückrunde werden alle Heimspiele sonntags ausgetragen, weil die Konkurrenz auf anderen Plätzen in der Fördestadt sonnabends größer ist. „Wir müssen einfach etwas ausprobieren“, sagt Harald Uhr. Ideal wäre für ihn der Freitagabend. „Aber das wird erst in der kommenden Saison möglich sein, wenn die Flutlichtanlage fertig ist.“ Pläne für eine Sitztribüne hat der ETSV auch schon in der Schublade. Ob sie bald herausgeholt werden, steht noch in den Sternen. Sportlich dürfte nichts im Wege stehen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir am Ende dieser Saison unter den ersten Drei stehen werden“, erklärt Uhr. „Aber wenn wir keine 400 Zuschauer haben, wird der Wirtschaftsrat fragen: Wofür brauchen wir eine Tribüne?“

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