Fussball-Regionalliga : „Wir sind unberechenbar“

Valérien Ismaël will mit der U23 des VfL Wolfsburg in die 3. Liga aufsteigen.
Valérien Ismaël will mit der U23 des VfL Wolfsburg in die 3. Liga aufsteigen.

Trainer Valérien Ismaël schwärmt vor dem Spitzenspiel in Flensburg von den professionellen Bedingungen beim VfL Wolfsburg.

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20. März 2014, 08:00 Uhr

Gut vier Jahre ist es her, dass Valérien Ismaël seine Fußball-Karriere bei Hannover 96 aufgrund anhaltender Knieprobleme beenden musste. Über 100 Bundesliga-Spiele absolvierte der Franzose unter anderem für den FC Bayern München. Mit Werder Bremen wurde er 2004 Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. Aber der Fußball lässt den heute 38-Jährigen nicht los. Nachdem er die A-Lizenz erworben hatte, übernahm er in Hannover die U23. Von dort wechselte er vor dieser Saison zum Bundesliga-Nachbarn VfL Wolfsburg. In der Volkswagen-Stadt soll er die Nachwuchskicker reif für die 3. Liga machen. Am Sonnabend gastiert der Regionalliga-Spitzenreiter mit Trainer Ismaël beim ETSV Weiche in Flensburg (Anstoß: 14 Uhr). „Meine Jungs wissen, was auf sie zukommt. Wir werden eine sehr gute Leistung abrufen müssen, wenn wir gewinnen wollen“, sagt der frühere Innenverteidiger in einem Interview mit unserer Zeitung.

Sie stehen mit der U23 des VfL an der Tabellenspitze. Sind Sie in Wolfsburg angetreten, um mit der Mannschaft den Titel zu holen und in die 3. Liga aufzusteigen?

Mein Ziel und das des Vereins ist, mittelfristig in die 3. Liga aufzusteigen. Aber schon in dieser Saison wollten wir ganz oben mitmischen. Und wenn es am Ende zu Platz eins reicht, werden wir natürlich in die Relegation gehen und versuchen, jetzt schon aufzurücken.

Wie häufig trainieren Sie mit den Nachwuchs-Profis in Wolfsburg, um das große Ziel zu erreichen?

Wir trainieren jeden Tag. Manchmal auch zweimal pro Tag. Wir haben hier in Wolfsburg absolute Profibedingungen.

Worin lagen die Gründe für ihren Wechsel von Hannover nach Wolfsburg?

Ich kenne Manager Klaus Allofs noch aus meiner Bremer Zeit. Und auch zu Trainer Dieter Hecking habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Da gibt es schon eine Vertrauensbasis – das war der Hauptgrund für meinen Wechsel. Ich weiß, wie die Leute arbeiten, und ich weiß, was ich habe. Das sind beste Grundvoraussetzungen. Zudem kann ich hier zu perfekten Profibedingungen mit der zweiten Mannschaft trainieren.

Sie sind in zweiter Ehe mit einer deutschen Frau verheiratet und besitzen seit einem Jahr auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Was würde Sie mehr reizen, wenn Sie wählen dürfte: Bundesliga oder französische Liga?

Für mich wäre es schon eine Zehn, im Profibereich zu arbeiten. Aber ob nun in der Bundesliga oder in Frankreich – das spielt keine große Rolle. In dem Beruf muss man flexibel sein. Jetzt versuche ich erst einmal, mir in Deutschland einen Namen als Fußballtrainer zu machen.

Sie haben mal gesagt, vor Spielen haben Sie immer erst den linken Fußballstiefel geschnürt, dann den rechten. Haben Sie auch als Trainer ein Ritual?

Mein Aberglaube als Spieler war schon extrem. Aber ich habe versucht, ihn mir abzugewöhnen. Natürlich macht man die eine oder andere Sache weiter, wenn man erfolgreich ist. Aber es sollte kein Ritual werden, denn das ist gefährlich.

Ihre Mannschaft hat mit Abstand den besten Angriff und die beste Abwehr der Liga. Die Tordifferenz von plus 43 ist herausragend. Wo sehen Sie die Stärken? Und hat ihr Team überhaupt Schwächen?

Das werde ich hier natürlich nicht alles verraten. Aber wir haben eine gute Qualität, auch in der Breite. Es gibt nicht nur zwölf, 13 gute Spieler. Wir haben 20 Leute mit dem gleichen Niveau und sind deshalb unberechenbar. Meine Mannschaft ist nicht abhängig von dem einen oder anderen Spieler. Bei uns ist das nicht so wie in einer normalen zweiten Mannschaft. Zu den Schwächen: Ich merke manchmal, dass ich es mit ganz jungen Spielern zu tun habe.

Das Hinspiel gegen Weiche hat ihre Mannschaft knapp mit 2:1 gewonnen. Aus Flensburger Sicht war es eine unnötige Niederlage. Wie haben Sie das Spiel gesehen?

Wir haben nach dem Rückstand Ruhe bewahrt und das Spiel noch gedreht. Da hat meine Mannschaft Reife gezeigt und bewiesen, dass sie sich von einem 0:1 nicht aus der Bahn werfen lässt. Es war nicht einfach, weil Weiche sehr robust und kompakt gespielt hat.

Kommen am Sonnabend auch Bundesliga-Profis mit nach Flensburg?

Das wird immer ganz kurzfristig entschieden. Es kann gut sein.


Was sagen Sie zur Entwicklung es ETSV Weiche? Hätten Sie es den Flensburgern zugetraut, in der zweiten Regionalliga-Saison im oberen Drittel mitzumischen?

Man hat schon letztes Jahr gemerkt, dass die Mannschaft als Aufsteiger präsent ist. Und in die zweite Saison, die ja eigentlich immer schwerer ist, sind die Flensburger super gestartet. Sie haben wieder einen Schritt nach vorn gemacht. Weiche ist ein solider Regionalliga-Verein, der versucht, mit Kontinuität zu arbeiten. Meine Jungs wissen, was auf sie zukommt. Wir werden eine sehr gute Leistung abrufen müssen, wenn wir gewinnen wollen.

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