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Fussball : Vier Tore für das Selbstvertrauen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Regionalliga: ETSV Weiche nach dem 4:0 über Aufsteiger Norderstedt gut gerüstet für das Pokalfinale gegen Holstein Kiel. Kirschke und Meyer verlängern.

Das große Pokalfinale am Freitag in Kiel kann kommen. Zumindest eine Halbzeit lang drehte der ETSV Weiche bei der Generalprobe groß auf und besiegte den Tabellenzehnten Eintracht Norderstedt in der Fußball-Regionalliga mit 4:0 (4:0). Damit war der Aufsteiger aus dem Hamburger Speckgürtel, der den Klassenerhalt nach einer starken Rückrunde bereits in der Tasche hat, noch gut bedient. Denn hätten die Flensburger nach dem Wechsel nicht einen Gang zurückgeschaltet, hätte es für die Gäste ein Debakel geben können. ETSV-Trainer Daniel Jurgeleit, der in der Woche noch einmal das Training forciert hatte, sah sich in seiner Arbeit bestätigt. „Es war wichtig, dass wir mit unserer Form weiter vorankommen. Und heute waren wir spritziger und explosiver.“

Weiche ist für den Showdown in Kiel gerüstet, obwohl der Trainer am Sonnabend wieder improvisieren musste. Abwehrspieler Micha Dehner stand schon auf dem Spielberichtsbogen, klagte aber über Beschwerden im Oberarm. Die medizinische Abteilung der Flensburger vermutete eine Blutvergiftung und schickte den Innenverteidiger, begleitet vom gesperrten Christian Jürgensen (5. Gelbe Karte), eine halbe Stunde vor Anpfiff ins Krankenhaus. Die Diagnose bestätigte sich. Aber Jürgensen gab Entwarnung: „Gegen Kiel wird Micha wieder dabei sein können.“

Aber gegen Norderstedt musste sich Jurgeleit schnell etwas anderes einfallen lassen. Er brachte den Brasilianer Ilidio im Sturm und beorderte Timo Carstensen in die Abwehr. Der 23-jährige ehemalige 08-Stürmer, in der Vorsaison noch Torschützenkönig in der SH-Liga, war die Entdeckung des Spiels. Er zählte bei seiner Premiere auf der rechten Verteidigerposition zu den besten Flensburgern. „Timo hat das sehr ordentlich gemacht“, lobte Jurgeleit, der allerdings angesichts der Personalsituation besorgt feststellte: „Es wird immer schwieriger, es fallen immer mehr Spieler aus.“

Die, die auf dem grünen Rasen standen, entfachten in den ersten 45 Minuten ein Feuerwerk. Die frühen Tore spielten Weiche in die Karten. Aber auch die offensive Ausrichtung mit drei Spitzen zahlte sich aus. Schon nach sechs Minuten eröffnete Jonas Walter den Torreigen. Einen Angriff, an dem die beiden Außenverteidiger Marc Böhnke und Timo Carstensen beteiligt waren, schloss Jonas Walter mit einem von Marin Mandic unhaltbar abgefälschten Schuss aus 20 Metern zum 1:0 ab. Schön herausgespielt war das 2:0 (14.) von Elmedin Kasumovic. Ilidio bediente Torjäger Tim Wulff, der uneigennützig zurückpasste. Im Gefühl, das Spiel sicher im Griff zu haben, spielte die Flensburger Defensive einige leichtfertige Pässe, die Jürgen Tunjic (13.) und Jan Lüneburg (15.) aber nicht zu nutzten wussten. „Da waren wir im Spielaufbau zu schlampig“, befand Kapitän Marc Böhnke. Dann köpfte Lüneburg (16.) über das leere ETSV-Tor, Keeper Florian Kirschke hatte sich bei der Flanke verschätzt.

Aber Weiche meldete sich zurück. Wulff entwischte dem in der Norderstedter Innenverteidigung überforderten Clifford Aniteye und schickte Ilidio. Mit einer Notbremse holte Eintracht-Torhüter Mirko Oest den schnellen Brasilianer von den Beinen. Schiri Lars Thiemann ließ Gnade vor Recht ergehen, zeigte nur eine Gelbe Karte. Den Elfmeter verwandelte Walter (31.) eiskalt. Als Florian Meyer, der auf dem linken Flügel nicht zu halten war, nach einem Kopfball von Patrick Thomsen zum 4:0 (40.) abstaubte, war der Drops endgültig gelutscht. „Ich bin schon sehr enttäuscht“, meinte Norderstedts Trainer Thomas Seeliger, der in der Pause laut wurde. „Da war keine Laufbereitschaft, wir gingen nicht in die Zweikämpfe. Da darf man sich nicht wundern, wenn man so hoch zurückliegt.“

Nach der Pause war die Partie ausgeglichener. Trotzdem hatte Weiche die klar besseren Chancen. Ein reguläres Kopfball-Tor von Wulff (61.) wurde nicht gegeben. Dann vertändelte Thomsen (71.) den Ball nach einem herrlichen Konter, als er zusammen mit Wulff allein auf das Gästetor zulief. „Der kann auch reingehen“, meinte Jurgeleit. „Der muss reingehen“, korrigierte Seeliger. Der eingewechselte Marcello Meyer (85.) scheiterte danach am stark reagierenden Oest, und Wulff (90.) schob den Ball knapp am Tor vorbei. „Das waren noch drei ordentliche Chancen nach der Pause. Aber vielleicht ist ein 4:0 vor dem Holstein-Spiel besser als ein 7:1“, meinte ein zufriedener Jurgeleit. Seine Mannschaft hatte bei der Generalprobe für das Pokalfinale beim geretteten Drittligisten Holstein Kiel zum sechsten Mal in Folge nicht verloren, den sechsten Regionalliga-Platz eindrucksvoll verteidigt und vier Tore für das Selbstvertrauen geschossen.

ETSV Weiche: Kirschke - T. Carstensen, Hummel, H. Ostermann, Böhnke - Thomsen - Kasumovic (62. M. Meyer), Walter (56. J. Ostermann) - Ilidio, Wulff, F. Meyer (72. Hasanbegovic).

Eintracht Norderstedt: Oest - Marxen (63. Heinemann), Aniteye, Ma. Mandic, D. Kummerfeld - Koch - Güner (11. Lüneburg), Browarczyk, Toksöz (81. Cengiz), Schneider - Tunjic.
Schiedsrichter: Lars Thiemann (Diepholz).
Tore: 1:0 Walter (6.), 2:0 Kasumovic (14.), 3:0 Walter (31., Foulelfmeter), 4:0 F. Meyer (40.).

Zuschauer: 302 zahlende.

Beste Spieler: Walter, F. Meyer, T. Carstensen / Koch, Lüneburg.

Florian Kirschke und Florian Meyer verlängern


Positive Töne waren am Sonnabend aus dem Lazarett des ETSV Weiche zu hören. Auf Krücken und mit dick verbundenem Fuß erklärte Marcel Cornils nach seinem zweiten Bruch im Mittelfuß, er werde in der nächsten Saison wieder angreifen. Etwas länger wird es wohl noch dauern, bis Christian Dammann ins Training zurückkehrt. Aber immerhin: „Die Operation nach dem Kreuzbandriss am vergangenen Donnerstag ist gut verlaufen“, berichtete Ligamanager Henning Natusch. Besonders die Abwehrspieler gehen den Flensburger Regionalliga-Fußballern langsam aus. Karl-Christian Melfsen musste ebenso passen, wie Micha Dehner, bei dem am Sonnabend eine Blutvergiftung diagnostiziert worden war. Ebenfalls nur zuschauen durfte Christian Jürgensen, der nach fünf Gelben Karten gesperrt war. „Ich hätte schon gerne gespielt. Es wäre wichtig gewesen, im letzten Test vor dem Spiel gegen Kiel dabei zu sein“, sagte der ehemalige Holstein-Kapitän.

Gut gelaunt zeigte sich Liga-Chef und Mäzen Harald Uhr. Vor dem Spiel hatte er die Verträge mit Florian Kirschke und Florian Meyer verlängert. Der Torhüter, der eine neue Stelle als Immobilienkaufmann in Husum annimmt, verlängerte um drei Jahre. „Ich bin sehr froh, dass er bleibt. Florian hatte vom FC Carl Zeiss Jena ein sehr gutes Angebot. Aber er erfühlt sich bei uns sehr wohl“, so Uhr. Florian Meyer unterschieb für zwei weitere Jahre in Flensburg. „Damit haben wir alle Stammspieler längerfristig an uns gebunden“, sagt der Mäzen. „Jetzt wollen wir uns mit kleinen Schritten an die Spitze in der Regionalliga herantasten.“

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