Tartanbahn wird zur Chefsache

Nach der Innenbahn soll nun das gesamte Rund erneuert werden.  Foto: sh:z
Nach der Innenbahn soll nun das gesamte Rund erneuert werden. Foto: sh:z

Neue Zahlen für die Komplettsanierung: Kosten von rund 55 000 statt 250 000 Euro / Michael Draeger sagt Unterstützung zu

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20. Juli 2013, 04:59 Uhr

flensburg | Der Kampf hat sich gelohnt. Jan Dreier wollte sich mit dem Ist-Zustand der Tartanbahn im Flensburger Stadion nicht abfinden und zeigte Eigeninitiative. Der Vorsitzende des LK Weiche rief kurzerhand die Baufirma an, die die Innenbahn saniert hat, um einen ungefähren Preis für die Erneuerung der kompletten Laufanlage zu bekommen. Das "Angebot" war überraschend günstig. "Danach würden sich die Kosten für die restlichen Bahnen grob geschätzt auf 45 000 bis 55 000 Euro belaufen", erklärte er. Wobei die Mehrwertsteuer noch dazu kommt. Bislang ging die Flensburger Verwaltung nach einem eigenen Kostenvoranschlag für die ganze Anlage von anderen Summen aus: Rund 250000 Euro - zu viel für die klamme Stadt. Aber die neuen Zahlen fanden schnell den Weg ins Rathaus. "Es sieht relativ positiv aus", sagte der städtische Chefplaner Michael Draeger, dem nach einem Telefonat mit der Baufirma ähnliche Kosten wie bei Dreier bestätigt wurden. Und der Fachbereichsleiter Vermögen versprach den Leichtathleten: "Wenn wir die zugesagten Zuschüsse bekommen, müssten wir auch kurzfristig etwas machen können."

Die Baufirma steht in Flensburg in der Pflicht. "Ich war schockiert, als ich gesehen habe, was die hier abgeliefert haben. Das war richtig schlechte Arbeit", so Draeger nach einer Ortsbegehung im Stadion. "Das sind gravierende Mängel, die Kanten zwischen alter und neuer Bahn dürfen nicht sein", stieß Hans-Joachim Schröter, Vorsitzender des Trägervereins Flensburger Stadion (TFS), ins gleiche Horn. Nach der Erneuerung der Innenbahn und der Geraden beim Aufgang für rund 50 000 Euro herrscht Stolpergefahr. Der Höhenunterschied zwischen alt und neu beträgt bis zu 0,8 Zentimeter (wir berichteten). Wettkämpfe sind in diesem Zustand aufgrund der Verletzungsgefahr nicht mehr möglich. Nach dem Pfusch bei der Sanierung der Innenbahn zogen LK Weiche und Trägerverein Flensburger Stadion an einem Strang. "Am besten wäre es, wenn die Tartanbahn komplett erneuert wird", sagte der TFS-Vorsitzende, bevor die Stadt einlenkte. "Alles andere wäre nur Flickschusterei." Dreier wird genauer. Erstens sei die neue Bahn dicker und damit langsamer. Das führe zu Wettbewerbsverzerrungen. Zweitens gibt es weitere Löcher auf anderen Bahnen. "Auch hier sind bereits Risse wie auf der abgelaufenen Geraden, die ähnliche Dringlichkeit haben."

Dreier und Schröter waren zunächst davon ausgegangen, dass diese Löcher ebenfalls beseitigt werden sollten. Doch diese Arbeiten tauchten im Bauauftrag nicht mehr auf. Sie waren von der Stadt gestrichen worden, obwohl Draeger zugab: "Ich weiß, dass die anderen Bahnen auch nicht schön aussehen. Wenn wir das Geld hätten, wäre eine Sanierung der ganzen Anlage kein Problem." Und er ergänzte: Die Stadt habe nur ein begrenztes Budget. Bei diesen Kosten - ausgehend von 250 000 Euro - hätten dringende Arbeiten in Schulen und Kindertagesstätten zurückgestellt werden müssen.

Nach der Ortsbegehung waren sich zunächst alle einig. "Die fatalen Kanten müssen vor der Bauabnahme von der Firma durch Anschleifen angeglichen werden", so Dreier. Damit wäre der Vorsitzende des LK Weiche seine größte Sorge los, dass die Flensburger Leichtathleten künftig nicht mehr wettkampffähig sein würden. Schröter äußerte sich eher skeptisch, ob die Kanten überhaupt so angeschliffen werden können, dass keine gefährlichen Stufen mehr vorhanden sind.

Das Thema könnte sich jetzt erübrigen, wenn die große Lösung greift und die fünf äußeren Bahnen auch erhöht werden. Finanziell müsste die Spezialfirma für Sanierung von Tartananlagen der Stadt sogar entgegenkommen. Der Trägerverein würde zudem, so Schröter, von seinem Etat Gelder abzweigen, um die Stadt weiter zu entlasten. Auch der LK Weiche sagt Unterstützung zu. "Wir wollen uns bei der Sanierung der Tartananlage einbringen, wenn man uns bei Entscheidungen vorher fragt und einbezieht", erklärte Dreier. Insgesamt könnte die Stadt mit Zuschüssen in Höhe von rund 35 000 Euro rechnen.

Verwunderlich ist allerdings, warum die Kosten für die Komplettsanierung so unterschiedlich ausfallen. Draeger, der den Fall Tartanbahn inzwischen zur Chefsache erklärt hat, vermutete zunächst ein Missverständnis, glaubte, dass die Summe, die Jan Dreier in Erfahrung gebracht hatte, pro Laufbahn gelte. Diese Rechnung machte nach seinem Wissensstand mehr Sinn. Schließlich hatte die Erneuerung der Innenbahn allein schon 50 000 Euro gekostet.

Draeger vor seinem Anruf bei der Baufirma: "Wenn die Zahlen stimmen, erteile ich persönlich morgen noch den Auftrag. Egal ob netto oder brutto. Da bin ich Kaufmann genug."

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