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Flensburger Segler kämpfen um Olympia : „So schnell lassen wir die nicht nach Rio“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Paul Kohlhoff und Carolina Werner vom Kieler Yacht-Club starten als EM-Siebte in die interne Olympiaqualifikation – doch das Flensburger Nacra17-Team Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann hat den Kampf noch lange nicht aufgegeben.

Die Pressestelle der Segel-Nationalmannschaft (Sailing Team Germany) geizt nicht mit Superlativen: „Nationalmannschaftssegler Kohlhoff/Werner rocken die EM...“ und spricht schon von den „German Wonder Kids“.

Fakt ist: Mit der jetzt zu Ende gegangenen EM vor Barcelona startete offiziell die dreiteilige Olympiaqualifikation für die deutschen Nacra-Teams. Mit dem siebten Platz liegen Paul Kohlhoff und Carolina Werner (Kieler Yacht Club) mit neun Punkten vor Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann (Flensburger Segel-Club) in Führung, die den 15. Platz (offene Wertung Rang 17) erreichten.

Doch das sportliche Rennen um das Olympia-Ticket für Rio de Janeiro 2016 ist noch lange nicht entschieden, auch wenn die Kieler Woche-Sieger Kohlhoff/Werner mit dem fünften Platz bei der WM vor Aarhus (Nationenplatz für Deutschland) und dem Coup von Barcelona einen weiteren großen Schritt auf dem Weg nach Rio gemacht haben.

Aber das Flensburger Team hat seinen Traum von den Spielen noch lange nicht aufgegeben. „Wir haben gesehen, dass wir mit unserer Leistung an den Top Ten dran sind. Wir sind in Schlagdistanz und neun Punkte bedeuten im Segeln gar nichts“, sagt der 24-jährige Steuermann Jan Erichsen. Auch seine Vorschoterin ist für einen weiteren Qualifikationskampf hochmotiviert. „Jetzt gibt es nur noch Vollgas“, sagt Lea Spitzmann selbstbewusst.

Die Kieler Konkurrenten indes freuen sich über die EM-Platzierung, bleiben aber trotz des ersten Qualifikationserfolges fest geerdet. „Entschieden ist zwischen uns noch überhaupt nichts. Auch wenn wir noch viele Punkte liegen gelassen haben, hat sich doch gezeigt, dass wir unter den Top Ten segeln können“, sagt Carolina Werner und ergänzt mit dem gleichen Selbstbewusstsein: „In diesem Jahr haben wir allen bewiesen, dass wir für Rio 2016 bereit sind.“

Die EM-Analyse aus Flensburger Sicht ist – lässt man die technischen Detailfragen außer acht – im Grunde genommen recht einfach. Einem schlechten Regatta-Auftakt mit Platz 21 (Erichsen: „Da waren wir zu defensiv“) folgten eine Reihe guter Platzierungen (21, 11, 14, (22), 9, 11, 6, 21, 10, (33)) um die Top Ten, eingestreut allerdings mit drei 20er-Rängen und einem Katastrophen-Streicher mit Platz 33. „Bei zwei Situationen haben wir eine Top Ten-Platzierung verschenkt“, erklärt Erichsen. Die Fehler passierten jeweils bei der Annäherung an die Luv-Tonne, als falsche Entscheidungen getroffen wurden. „Manchmal ist es besser, den ersten Gedanken auch umzusetzen“, räumt Erichsen ein. In der letzten Wettfahrt kam das Duo als Sechste an die Tonne, wurde danach 15 Plätze durchgereicht und kam nach dem Vorwindkurs als 33. ins Ziel. „Das waren schmerzhafte Momente“, gibt Lea Spitzmann preis. Ihren sportlichen Ehrgeiz und Optimismus hat die 23-Jährige nicht verloren. Sie möchte unbedingt zur WM in die USA, „selbst wenn uns das Geld ausgehen sollte.“

Teil zwei und drei der Olympiaqualifikation folgen mit der WM im Februar 2016 vor Clearwater/Florida und dem Weltcup in Hyères/Frankreich im April 2016. Ein zweites Boot wäre dafür das Optimum. Der jetzige Nacra müsste zeitnah auf die Reise in die Staaten geschickt werden, ein gebrauchtes Boot hätten die englischen Trainingspartner im Angebot. Jan Erichsen ist deshalb Klinken putzen. Auch weil er der Katamaran-Konkurrenz aus Kiel „nicht kampflos den Platz in Rio räumen will“, weil die Superlative für die Rivalen auf der Regattabahn vielleicht zu dick aufgetragen sind und weil seine Vorschoterin das genau so sieht: „So schnell lassen wir die nicht nach Rio.“

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erstellt am 14.Okt.2015 | 10:00 Uhr

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