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Fussball-Regionalliga : Sechs Gegentore: Weiche schiebt Frust

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unnötige 2:6-Heimniederlage gegen die U23 des Hamburger SV. Flensburger lassen beste Chancen in starker Anfangsphase aus

Es war ein verrücktes Fußballspiel. Und ein Musterbeispiel dafür, wie man einen verunsicherten Gegner stark macht. Nach einer furiosen Auftakt-Viertelstunde verlor der ETSV Weiche in der Regionalliga gegen den Hamburger SV II hoch mit 2:6 (1:3). Damit verließ die Mannschaft von HSV-Trainer Rodolfo Cardoso, die mit den Profis Robert Tesche und Michael Mancienne nach Flensburg gekommen war, die Abstiegsränge, während die Gastgeber ihren guten Chancen aus der Anfangsphase nachtrauerten. „Bei acht Toren fällt die Analyse schwer“, meinte ETSV-Coach Daniel Jurgeleit. Fest stand für ihn aber: „Wir haben drei Punkte verloren, die wir nicht verlieren durften.“

0:5 im Vorjahr, jetzt sogar sechs Gegentreffer im Manfred-Werner-Stadion für eine Abwehr, die zuvor in elf Spielen nur zehn Tore kassiert hatte. Man könnte meinen, die U23 des HSV wäre ein Angstgegner der Flensburger. Dabei hätte es diesmal ganz anders kommen können. „Wenn das 2:0 oder sogar 3:0 fällt, passiert gar nichts mehr“, meinte Harald Uhr. Für den Geschäftsführer der Liga-GmbH war es unverständlich, dass die Partie so kippte. „Nach 15 Minuten war doch nur noch die Frage, wie hoch schießen wir den HSV ab? Tesche und Mancienne hatten schon gar keine Lust mehr. Und dann bauen wir die Hamburger auf und laden sie zum Toreschießen ein.“

Der ETSV Weiche startete mit einem Feuerwerk. Es ging nur in eine Richtung – auf das HSV-Tor. Die Mühen wurden belohnt. Jannick Ostermann bedrängte HSV-Keeper Tino Dehmelt, der den Ball genau in die Füße von Patrick Thomsen schlug. Der ETSV-Sechser marschierte an der Mittellinie los, spielte mit Ostermann Doppelpass und zog dann von 16 Metern unbedrängt zum 1:0 (7.) in die rechte untere Ecke ab. Ein herrlicher Treffer. Die Flensburger setzten nach, wollten den frühen K.o. Mit einem schönen Pass in die Spitze bediente Elmedin Kasumovic Tim Wulff. Der ETSV-Toräger (10.) lief allein auf Dehmelt zu, schoss den Hamburger Torhüter aber an. „Der muss rein“, zürnte Uhr, der den Flensburger Stürmer trotz seiner bereits sieben Saisontreffer kritisierte: „Es ist jetzt das achte, neunte Mal, dass er in Eins-gegen-Eins-Situationen scheitert.“

Es folgten noch zwei weitere Großchancen für die Flensburger. Zunächst zielte Marcello Meyer (13.) aus spitzem Winkel nach einem weiten Einwurf von Nedim Hasanbegovic und Kopfballverlängerung von Jannick Ostermann über das Tor. Dann prüfte Ostermann (14.) mit einem strammen 20-Meter-Schuss Dehmelt, der mit einer Glanzparade zur Ecke klärte. Danach hatte der ETSV Weiche sein Pulver verschossen. Ausgerechnet eine besondere Stärke wurde der Mannschaft von Daniel Jurgeleit zum Verhängnis. Mit zwei Standardsituationen drehten die Hamburger das Spiel. „Da müssen wir einfach besser verteidigen bei der Größe unserer Spieler“, meinte der Coach. Nach einem Freistoß von Matias Petteri Ojala achtete kein Flensburger auf Tesche, der sich hinter der Abwehr nach vorn mogelte und freistehend zum 1:1 (17.) ausglich. Ein Schönheitsfehler, dachten die meisten der 749 zahlenden Zuschauer. Doch dann schlug Ojala einen Eckball, HSV-Routinier Fabio Daniel Morena war mit dem Kopf zur Stelle - es stand 1:2 (23.).

„Wir sind trotz des frühen Rückstands ruhig geblieben und haben zur richtigen Zeit die Tore gemacht“, freute sich Cardoso über seine Spätstarter. Nach der 2:1-Führung fing seine Mannschaft an, Fußball zu spielen. Plötzlich wurde kombiniert. Und immer, wenn es über die Flügel ging, wurde es brandgefährlich. Vor allem Josef Shirdel, mit dem Hasanbegovic seine liebe Not hatte, und Dennis Bergmann, dem ETSV-Kapitän Marc Böhne viel zu viel Raum ließ, sorgten für Gefahr. Bergmann, auffälligster Spieler auf dem Platz, war auch der Wegbereiter des 3:1 (37.). Nach seinem Slalomlauf durch den Weicher Strafraum bediente er Shirdel, der keine Mühe hatte, den Ball ins Netz zu schieben.

Zur Pause hatte Jurgeleit das Gefühl, es geht noch was. „Ich habe den Jungs gesagt, geht raus und macht so weiter, wie ihr in den ersten 15 Minuten gespielt habt.“ Für den verletzten Florian Meyer schickte der Trainer Marcel Cornils in die vorderste Front. Doch der Offensivdrang der Gastgeber wurde jäh gestoppt. Nach einem schönen Konter über drei Stationen war Bergmann zur Stelle und erhöhte auf 4:1 (49.) für die Hamburger. Zwar verkürzte der eingewechselte Jonas Walter per Elfmeter (Hasanbegovic war umgestoßen worden) auf 2:4 (63.), doch schon im Gegenzug traf Nils Brüning nach einer Bergmann-Flanke zum 2:5 (64.) – die endgültige Entscheidung. Der Rest war Schaulaufen des HSV mit dem 2:6 (77.) durch Shirdel.

„Die Jungs waren gewillt, das hat man gesehen“, meinte ein frustrierter Jurgeleit. „Aber wir waren einfach nicht richtig dran an den Leuten und haben sechs Dinger gekriegt – das waren einfach zu viele.“ Auch Uhr war bedient: „Die Mannschaft belohnt sich einfach nicht, weil sie beste Chancen auslässt. Das darf nicht passieren.“

ETSV Weiche: Kirschke - Hasanbegovic, Hummel, Jürgensen, Böhnke - Thomsen - Kasumovic (55. Walter), J. Ostermann - M. Meyer, F. Meyer (46. Cornils), Wulff (75. T. Carstensen).
Hamburger SV II: Dehmelt - Götz, Morena (75. Brauer), Mancienne, Jordan - Bergmann (75. Akyere), Tesche, Steinmann, Shirdel - Ojala, Brüning (82. Maggio). – Schiedsrichter: Brauer (SV BW Neuhof). – Zuschauer: 749 zahlende.
Beste Spieler: - / Bergmann, Shirdel, Morena.


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erstellt am 21.Okt.2013 | 08:00 Uhr

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