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Flensburger Gunnar Asmussen : Schneller als der Rest der Welt

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Asmussen feiert Titelgewinn bei der Slalom-Weltmeisterschaft. Dreimonatiges Training in Australien zahlt sich aus.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 07:35 Uhr

Flensburg | Er schwebt auf Wolke sieben. "Das war schon ein wahnsinniges Gefühl. Ich wusste genau, wenn ich gleich über die Ziellinie fahre, bin ich Weltmeister", erzählt Gunnar Asmussen. Zu jubeln traute sich der Flensburger Windsurfer aber erst, als er das vierte und letzte WM-Ausscheidungsrennen am Sonntag auf Sylt auch wirklich gewonnen hatte. "Man weiß ja nie, es hätte noch irgend etwas auf den letzten Metern kaputt gehen können." Aber das Material hielt, und der 34-jährige Segelmacher feierte den größten Erfolg seiner Karriere. "Ich freue mich riesig. Endlich ist mal alles so gelaufen, wie es sollte", sagt der neue Slalom-Weltmeister der International Funboard Class Association (IFCA).

Der schnelle Flensburger ließ bereits vor drei Jahren aufhorchen. 2010 wurde Asmussen Deutscher Meister im Speedsurfen und Slalom. Seit fast 20 Jahren mischt er schon in der Regatta-Szene mit. Ein Ende ist nicht in Sicht. Gerade in seiner Spezialdisziplin Slalom fühlt er sich im besten Alter. "Die Erfahrung ist ganz wichtig. Da reicht es nicht, einfach nur schnell auf dem Brett zu sein", sagt der 34-Jährige. Eigentlich wollte er vor Westerland gar nicht starten. Denn der zweite Weltverband, die Professional Windsurfers Association (PWA), hatte zeitgleich in Südkorea zum Weltcup eingeladen. "Aber dann habe ich die Meldeliste für Sylt gesehen und gedacht, da kann ich etwas reißen."

Die PWA-Tour hat er aber nicht abgeschrieben. Hier wird ein zweiter Weltmeister nach mehreren Rennen ermittelt. Korea ist sein Streichergebnis. Die nächsten Regatten - unter anderem auf Gran Canaria und Teneriffa bis zum Finale Ende September auf Sylt - will Gunnar Asmussen bestreiten und richtig angreifen. "Der WM-Titel der PWA ist noch etwas höher einzustufen", meint er. In den vergangenen Jahren fuhr er im Slalom um die Plätze 15 bis 20 mit. "Aber jetzt schätze ich mich deutlich stärker ein." Das Selbstvertrauen hat er sich in Australien geholt. Drei Monate testete der Flensburger Anfang des Jahres sein neues Material auf Einladung seines Sponsors am anderen Ende der Welt und ist begeistert von seinen "Super-Board".

Der erste WM-Titel ist eingefahren. Die Bedingungen auf Sylt waren anspruchsvoll. "Es war saukalt und ordentlich windig", erzählt er. "Am Ende war ich ganz schön kaputt." Es begann perfekt. Die ersten beiden Rennen gewann Gunnar Asmussen souverän. Da habe er schon ein wenig gehofft, dass es an den nächsten Tagen keinen Wind mehr gebe. "Aber das geht jedem so. In einer solchen Situation ist es besser, man liegt auf Platz zwei oder drei und ist in der Verfolgerposition." Dann wolle man, dass es weiter geht. "Aber wenn du in Führung bist, und der Wind am Limit ist, wirst du von Minute zu Minute angespannter und denkst, ich will nach Hause."

Am dritten Tag lief es dann auch nicht nach Wunsch. Asmussen schied vorzeitig aus. "Ich wurde einfach über den Haufen gefahren", sagt er. Sein Protest hatte aufgrund eines Formfehlers keinen Erfolg, "obwohl ich in der Sache Recht hatte". Die WM-Entscheidung war wieder völlig offen. "Aber diesmal war ich die Ruhe selbst", so Asmussen. "Ich glaube, außer mir hat niemand damit gerechnet, dass ich das Rennen gewinnen würde. Schon an der ersten Tonne habe ich im Finale geführt und gewusst, dass ich mir das heute nicht nehmen lasse." Mit dem dritten Sieg in vier Rennen holte sich der Flensburger am Ende souverän den mit 3000 Euro dotierten WM-Titel vor Vincent Langer aus Kiel und dem Holländer Jordy Vonk. "Diese Regatta war die beste, die ich je gefahren bin. Ich war fast fehlerfrei", lautet sein Fazit der WM, an der insgesamt 63 Windsurfer aus 14 Nationen teilnahmen.

Gunnar Asmussen war aber nicht immer obenauf. Vor seinen DM-Siegen 2010 war er gut zwei Jahre von der Bildfläche verschwunden. "Ich hatte eine leichte Lebenskrise", sagt er. Dann habe er aber gemerkt, dass ihm etwas fehle. "Ich bastelte aus einem Haufen alter Schrottteile ein Board zusammen, weil für eine vernünftige Ausrüstung das Geld fehlte." Und als er ein paar Mal wieder auf dem Wasser gewesen war, stand für Gunnar Asmussen fest: "Das ist es." Und er fügt hinzu: "Jetzt bin ich motivierter als je zuvor."

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