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endgültiger rückzug aus der 2. bundesliga : „Schlimmer geht es nicht“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Riesenenttäuschung bei Kapitän Matthias Hinrichsen und seinen Mitspielern: Handball-Zweitligist HSG Tarp-Wanderup stellt den Spielbetrieb ein.

Das Kapitel 2. Bundesliga ist für die Handballer der HSG Tarp-Wanderup beendet. Eine Woche, nachdem Geschäftsführer Florian Korte beim Amtsgericht Flensburg wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Antrag auf Insolvenz gestellt hatte, zog der Verein sein Team mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb zurück. „Es ist für alle Beteiligten ein ganz trauriger Moment. Aber wir waren nicht in der Lage, den Fehlbetrag von 100 000 Euro aufzubringen, um die Saison zu Ende zu spielen“, erklärte der HSG-Vorsitzende Gerhardt Görrissen, der auch noch einmal deutlich machte, dass der Rückzug keine direkten Auswirkungen auf die anderen Mannschaften der HSG habe.

Bis zum Schluss hatten die Wölfe gehofft, das es weiter geht. Nun ist es traurige Gewissheit: Auch das für heute angesetzte Heimspiel gegen die SG Leutershausen findet nicht mehr statt. „Es macht keinen Sinn, noch ein Spiel auszutragen. Dadurch wird das Loch noch größer, als es jetzt schon ist“, meinte Görrissen, nachdem der Hamburger Insolvenzverwalter Peter-A. Borchardt am Donnerstagabend Spieler, Trainer und Betreuerstab über die aktuelle finanzielle Lage informiert hatte.

Seit dem schweren Gang zum Amtsgericht waren die Verantwortlichen der Wölfe bemüht gewesen, ein tragfähiges Konzept für den Rest der Saison auf die Beine zu stellen – vergeblich. „Die intensiven Gespräche mit potenziellen Geldgebern in den letzten Tagen verliefen leider ergebnislos. Weitere Sponsoren kurzfristig zu akquirieren, war auch nicht möglich. So blieb uns keine andere Wahl, als den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen“, erklärte Wölfe-Geschäftsführer Florian Korte.

Die Enttäuschung ist riesig. „Schlimmer geht es nicht“, sagte Kapitän Matthias Hinrichsen. „Wir Spieler sind die Gelackmeierten, können jetzt nicht mehr das machen, was uns Spaß bringt. Auch vom finanziellen Aspekt her ist das für viele Spieler eine Katastrophe.“ Was jetzt kommt, weiß der Routinier noch nicht. Dafür ist alles noch zu frisch. Unter seinen Teamkollegen hat Hinrichsen eine „unglaubliche Betroffenheit“ ausgemacht. Die Spieler können den Verein sofort verlassen und sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Dafür haben sie nach den HBL-Statuten bis zum 15. Februar Zeit. Ob der Mannschaftskapitän oder andere diesen Schritt gehen, muss sich zeigen. Hinrichsen: „Ich muss das alles erst einmal sacken lassen.“

Vorsitzender Görrissen weiß, dass in der Mannschaft sehr viel Unruhe und Unsicherheit herrscht. „Es ist jetzt unsere Aufgabe, den Spielern diese zu nehmen. Dafür haben wir nur 14 Tage Zeit“, sagte der HSG-Chef und betonte noch einmal: „Auch mir tun die Spieler leid. Aber wir haben nun mal das Geld nicht, weil der Hauptsponsor abspringt und seine Zusagen nicht einhält.“ Mehr wollte Görrissen zu dem Thema nicht sagen. „Wir wollen keine schmutzige Wäsche waschen.“ Aber er wolle zu gegebener Zeit die Sachlage noch einmal aus seiner Sicht darstellen.

Der Vereinsvorsitzende ist nach dem Zwangsabstieg zuversichtlich, in der kommenden Saison ein schlagkräftiges Team für die 3. Liga zusammen zu bekommen. „Wir werden in einem vernünftigen und soliden finanziellen Rahmen die Grundlage schaffen und nicht nur unser Startrecht in der 3. Liga wahrzunehmen, sondern auch sportlich eine konkurrenzfähige Mannschaft präsentieren“, erklärte Görrissen. Er habe sehr positive Signale empfangen nach ersten Gesprächen mit den Spielern, ob sie dem Verein treu bleiben.

Diese Gespräche fanden aber vor dem sofortigen Rückzug statt. Und bislang liegt noch nicht eine Zusage vor. Trotzdem steht für Gerhardt Görrissen fest: „Es wird keinen Absturz ins Bodenlose geben.“ Matthias Hinrichsen scheint davon noch nicht überzeugt zu sein: „Ich hoffe, dass der Imageverlust für den Verein nicht zu groß ist.“

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erstellt am 01.Feb.2014 | 06:30 Uhr

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