ETSV Weiche gegen FC St. Pauli II : Regionalliga-Auftakt: Noch viel Luft nach oben

Kapitän Marc Böhnke (re.) wird von Andrej Startsev  unfair gebremst. Für das Foul sieht der Hamburger die Gelbe Karte.
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Kapitän Marc Böhnke (re.) wird von Andrej Startsev unfair gebremst. Für das Foul sieht der Hamburger die Gelbe Karte.

Weiche zum Regionalliga-Auftakt nur 0:0 gegen FC St. Pauli II. Wulff-Tor nicht anerkannt. Meyer verschießt Elfmeter.

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28. Juli 2014, 08:00 Uhr

Es war noch nicht der Fußball, den sich Daniel Jurgeleit vorstellt. 0:0 trennten sich der ETSV Weiche und die U23 des FC St. Pauli zum Saisonauftakt in der Regionalliga. „Uns hat die Frische gefehlt. Wir haben zu langsam gespielt und uns zu wenig bewegt“, meinte der Flensburger Trainer und rätselte, woran es gelegen haben könnte: Vielleicht sei es die Hitze gewesen oder die anstrengende letzte Trainingswoche? Sein Kontrahent Thomas Meggle glaubt trotzdem, dass Weiche in diesem Jahr eine sehr gute Rolle in der vierten Liga spielen wird. „Darum sind wir mit viel Respekt hierher gefahren. Aber ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Die Jungs haben es gegen eines der Topteams der Liga sehr gut gemacht.“

Obwohl keine regulären Tore fielen, war es für die Zuschauer ein unterhaltsames Spiel. Großen Anteil daran hatte das Schiedsrichtergespann, das viele Fehlentscheidungen traf. Andre Schönheit (Lüneburg) war schon zuvor aufgefallen. In seinen zehn ersten Regionalliga-Einsätzen gab er sechs Elfmeter, zeigte 44 Gelbe, zwei Gelb-Rote und zwei Rote Karten. Nach der ersten Hälfte musste der 26-jährige Schiri aber verletzt ausscheiden. Deshalb dauerte die Pause 25 Minuten. Assistent Timo Röntsch (Fleestedt) übernahm, Smajil Kurtovic vom PSV Flensburg sprang an der Linie ein. Der Ersatzmann blieb ohne Fehler, aber auf seiner Seite passierte auch fast gar nichts mehr. In der anderen Hälfte schon. Am Ende hatte das Gespann ein nicht gegebenes Tor, einen unberechtigten Elfer, eine unberechtigte Gelb-Rote Karte und zwei berechtigte Gelbe Karten mehr in seiner Bilanz. Die St.-Pauli-Youngster hatten schon vorher ihre negativen Erfahrungen mit dem Gespann gemacht. Für Meggle, der selbst einen Schiedsrichter-Schein besitzt, stand fest: „Daniel und ich hätten besser gepfiffen.“

Zum Spiel: In der ersten Viertelstunde fand Weiche gegen die defensiven Hamburger - bei denen vier Spieler ihr Debüt bei den Herren gaben - keine Lücken. Dann flankte Matthias Hummel aus dem Halbfeld, Tim Wulff (16.) kam frei zum Kopfball, doch Mitja Marius Bieren klärte zur Ecke. „Tim Wulff steht ganz frei. Da muss er mehr draus machen“, meinte Liga-Chef Harald Uhr. Den anschließenden Eckstoß verteidigten elf St. Paulianer im eigenen Strafraum. Hendrik Ostermann (17.) und erneut Wulff (18.) per Kopfball vergaben die nächsten Chancen. Die beste Gäste-Möglichkeit im ersten Abschnitt hatte Finn Tiedemann (33.), der eine Flanke von Routinier Christian Rahn nicht richtig erwischte. Auf der anderen Seite zielte Florian Meyer (44.) mit einem 16-Meter-Schuss zu hoch.

In der zweiten Hälfte wechselte Jurgeleit nach knapp einer Stunde Patrick Thomsen und Ilidio ein. Beide brachten neuen Schwung, das Spiel verlagerte sich immer mehr in die Hamburger Hälfte. Nach einem Meyer-Freistoß köpfte Wulff das vermeintliche 1:0 (62.). Die Flensburger drehten schon jubelnd ab, aber der Schiri sah es anders. Der ETSV-Torjäger sollte sich aufgestützt haben. „Das muss man nicht pfeifen“, meinte Innenverteidiger Christian Jürgensen, der nach seinem Nasenbeinbruch im HSV-Spiel noch mit Maske spielte.

Die Flensburger waren noch unsortiert, als Erdogan Pini (64.) Hummel entwischte, aber zu schwach schoss, sodass Florian Kirschke klärte. Aber danach spielte nur noch Flensburg. Und als der gerade eingewechselte Lukas Linhardt bei seinem ersten Ballkontakt im Strafraum von Rahn zu Fall gebracht wurde, rechneten alle mit einem Elfmeterpfiff. Aber wieder hatte Röntsch seine eigene Sichtweise: Freistoß für St. Pauli. Linhardt verletzte sich dabei am Knöchel und humpelte bis zum Schluss, weil Weiche nicht mehr tauschen konnte. „Ich hätte mir einen besseren Einstand gewünscht“, sagte der Neuzugang.

Nach einem Wulff-Schuss (82.) neben das Tor gab es den nächsten Aufreger: Böhnke passte von der Grundlinie im Strafraum zurück, dabei sprang Andrej Startsev der Ball an die Hand. Elfmeter und Gelb-Rot für den bereits zuvor verwarnten Hamburger. „Das war ein Elfmeter-Geschenk“, so Jurgeleit. Aber Meyer nahm es nicht an. Sein Schuss prallte von der Unterkante der Latte ins Feld zurück. So blieb die Partie torlos.

„Ich bin mit dem Unentschieden nicht zufrieden“, befand Daniel Jurgeleit, ergänzte aber gleich: „Wir können mit dem Punkt gut leben.“ Harald Uhr resümiert: „Man muss auch mal das Positive sehen. Es war kein Fehlstart. Wir haben nicht verloren. Und wir hatten auf 700 Zuschauer gehofft, über 800 waren da.“

ETSV Weiche Flensburg: Kirschke – Böhnke, Hummel, Jürgensen, Melfsen - Schulz (73. Linhardt) - Kasumovic, H. Ostermann (59. Thomsen), Walter (59. Ilidio) - Meyer, Wulff.
FC St. Pauli U23: Bieren – Startsev, Ambrosius, Rogowski, Rahn – Kurt, Deichmann – Choi, Tiedemann (73. Bastek), Stegmann (52. Litka) – Pini (85. Uphoff).
Schiedsrichter: Schönheit (Lüneburg), ab 45. Röntsch (Fleestedt) mit einer schwachen Leistung. Smajil Kurtovic (PSV Flensburg) sprang für den verletzten Schönheit an der Außenlinie ein und machte seine Sache gut.
Tore: Fehlanzeige
Gelbe Karten: Meyer (88., Foulspiel) - Startsev (62. Foulspiel).
Gelb-Rote Karte: Startsev (84. Handspiel).
Zuschauer: 812 zahlende.
Beste Spieler: Böhnke, Hummel, Wulff - Rahn, Ambrosius.

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