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Segeln : Quali-Stress bremst Nacra-Crews

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach der zweiten deutschen Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hat das Flensburger Team Erichsen/Spitzmann mit einem Punkt nur wenig Boden gut gemacht. Die Kieler Paul Kohlhoff/Carolina Werner führen mit acht Zählern.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 06:27 Uhr

Der Container mit dem Boot und dem gesamten Equipment ist gepackt, verschlossen und wartet abholbereit auf den Transport nach Deutschland. Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann haben mittlerweile den Rückflug aus Florida hinter sich, das Reisegepäck ist ausgepackt. Mit im Seesack der eine Punkt, den das Nacra 17-Duo den Kieler Konkurrenten Paul Kohlhoff und Carolina Werner im Qualifikationswettkampf um den Startplatz bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro abgeknöpft hat. Gerne hätte die Crew des Flensburger Segel-Club (FSC) am Check-in Schalter im Flughafen von Tampa für Übergepäck bezahlt, denn das eine Pünktchen ist möglicherweise zu wenig in Hinblick auf die letzte Qualifikation beim World Cup vor Hyeres in Südfrankreich. Noch liegt das Kieler Duo auf der „Road nach Rio“ mit satten acht Zählern in Führung.

„Nur ein Punkt ist schon eine Enttäuschung, zumal wir das Zeug dazu gehabt haben, mehr zu holen“, sagte Steuermann Jan Hauke Erichsen einen Tag vor dem Abflug aus Florida. Auch Trainer Jörg Rothert bestätigte seinem Team, „einige gute Resultate abgeliefert“ zu haben. „Aber in der Gesamtheit waren es zu wenig davon.“ Der Flensburg-Kieler Zweikampf hat die Teams stark unter Druck gesetzt. „Im Qualifikations-Stress sind beide unter ihren Möglichkeiten gesegelt“, beschrieb Rothert seine Eindrücke, die auch Paul Kohlhoff bestätigt. „Wir haben uns selbst unheimlich viel Stress gemacht. Aber es ist ja nichts passiert. Wir haben immer noch ein gutes Polster“, sagte der Steuermann aus der großen Segler-Familie Kohlhoff.

Mit einem Crash nach einem Steuerbordbug-Start in der 13. Wettfahrt fand nach anfänglich gutem Auftakt die Reihe der schlechten Ergebnisse ihren Höhepunkt. „Die Lücke zum anderen Boot war da, aber eine schwere Welle hat uns ausgebremst“, beschrieb Kohlhoff die dann unausweichliche Kollision. Drei Rennen gestrichen. Erst in der letzten Wettfahrt der ab Rang zehn platzierten Crews – die Top Ten segelten im Medalrace um die Medaillen – trafen die Rio-Kontrahenten wieder aufeinander. Erichsen/Spitzmann lagen auf Rang 21, mit der Option noch unter die Top 20 zu kommen. Für Platz 20 gibt es einen Quali-Punkt, für den 19. zwei, für den 18. drei, usw. Podestplätze werden mit einem Bonus versehen. Und es ging ab mit Schmackes. „Die haben nur versucht, uns nach hinten zu segeln. Es kam sogar zu einer kritischen Situation, als die beiden bewusst ruckartig abgefallen sind“, erzählte Jan Hauke Erichsen. „Das ist Quatsch. Vielleicht waren wir mal zufällig in der Nähe. So unerfahren wie wir sind, hätten wir uns auf sehr dünnes Eis begeben“, entgegnete Paul Kohlhoff. Schließlich beendete das Flensburger Duo das letzte Rennen als 13. und die WM als 20., auch weil das vor ihnen platzierte niederländische Duo Mandy Mulder/Coen de Koning verletzungsbedingt nicht mehr an den Start ging – der Quali-Punkt war im Seesack.

Weltmeister wurde das französische Ausnahme-Duo Billy Besson/Marie Riou, das mit großem Vorsprung Gold holte. „Die sind massiv schnell und segeln bei allen Bedingungen fehlerfrei“, beschrieb Rothert die Extraklasse der Franzosen.

Schnell sind die beiden deutschen Crews auch, aber eben nicht fehlerfrei. Beispiel: Nach einer Luvtonnen-Rundung hatten Erichsen/Spitzmann den kompletten Ablauf der Halse vergeigt. „Das hat uns in dem Rennen bestimmt 15 Punkte gekostet“, meinte Erichsen. Auch seien laut Rothert von seinen Schützlingen nicht immer alle taktischen Absprachen ungesetzt worden. Für ihn ist das Projekt „Road to Rio“ weiter aktuell. „Wir haben schon einige Sachen sehr gut in den Griff bekommen. Wenn Jan und Lea den Kopf frei bekommen, sind sie in der Lage, in der Weltspitze mitzusegeln.“

„Wir wollen unbedingt weiter machen“, sagte Erichsen. Am Montag werden der FSC-Ausschuss Leistungssegeln mit Hans-Peter Kjer, Jochen Frank, Claus-Otto Hansen und Norbert Erichsen sowie das Team und der Trainer Bilanz des Florida-Showdown ziehen. Eine offizielle Einschätzung des FSC gibt es laut Hansen noch nicht. „Aber ich denke, es müssten genug Sponsoring-Mittel eingetrieben worden sein, dass es an den Finanzen nicht scheitern wird“, meinte Hansen.

Also Seesack packen – aber Platz für Punkte lassen.

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