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Segeln : Punktlandung und Bauchlandung am Badetag

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei der 49er & 49erFX Junioren-Weltmeisterschaft auf der Flensburger Förde geht der Titel an die Österreicher Benjamin Bildstein/Hussl. Die Kieler Zwillingsschwestern Jule und Lotta Görge vergeben Gold im Medalrace und werden Zweite.

Als die besten zehn Crews der Goldflotte bei der 49er  &  49erFX Junioren-Weltmeisterschaft im Clubhaus des Flensburger Segel Club (FSC) auf weniger Wind und auf den Start zum abschließenden Medalrace warteten, hatten die Flensburger Lokalmatadore Nils Carstensen und Jan Frigge bereits den Mast ihres Skiffs heruntergenommen. Aus der erhofften Top Ten-Platzierung war nichts geworden, zu schlecht lief es für das Team am letzten WM-Tag – Platz 16. „Das ist schon ärgerlich, besonders auf dem Heimatrevier“, meinte Steuermann Carstensen, während er die Fock einrollte.

Mit ganz anderen Gefühlen beendeten Benjamin Bildstein und David Hussl die WM im Jubiläumsjahr des FSC. Mit 25 Punkten holten sich die beiden Österreicher den Titel vor den Italienern
Tita Rugeron und Giacomo Cavalli sowie dem britischen Team Chris Taylor/Sam Batten.

Bei den 49erFX triumphierten überraschend die Niederländerinnen Jeske Kisters/Josca Hummel (37). Die bis zum Medalrace führenden Jule und Lotta Görge (Kiel) rutschten auf den zweiten Platz ab (46), Rang drei ging an Ragna und Maia Agerup aus Norwegen (49).

Der WM-Abschlusstag war geprägt von stetig stärker werdendem Wind, der erst im Medalrace der 49erFX wieder abflaute. Was im ersten Rennen mit drei bis vier Beaufort begann, steigerte sich Mitte der zweiten Wettfahrt auf in Böen sieben Windstärken – Tonnenmanöver wurden zum Drahtseilakt, Crews gingen reihenweise baden. Die Wettfahrtleiter Claus Otto Hansen und Claudia Langenhan schickten die Felder danach in den Hafen, das letzte Rennen vor den Medalraces wurde nicht mehr gestartet. „Im zweiten Rennen sind wir verdammt oft baden gegangen“, kommentierte Carstensen den Kampf mit Wind und Welle. „Nach der dritten, vierten Kenterung fehlte auch die Kraft, das Boot schnell aufzurichten.“ Seine mögliche Top Ten-Platzierung hatte das Team aber schon in der ersten Wettfahrt mit Platz 17 verspielt. Ohne das Risiko, sich auf der Kreuz für eine Seite des Kurses zu entscheiden, versuchten Carstensen/Frigge durch die Mitte zur Luv-Tonne zu kommen – das ging schief. „Das ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben“, meinte Carstensen. „Auch der Start schien schon etwas zu verhalten“, meinte Nacra17-Segler Jan Hauke Erichsen, der vom Tonnenleger aus besten Einblick auf das Renngeschehen hatte. „Wenn man beim Start nicht gut wegkommt, ist es schwer, sich in so einem Klassefeld frei zu segeln.“

Das funktionierte bei den Lokalmatadoren also nicht, ist aber kein Beinbruch. „Davon geht die Welt nicht unter. Wir haben noch zwei Junioren-Weltmeisterschaften, die wir mitsegeln können“, sagt Carstensen. „Wir lassen uns von unserem Kurs nicht abbringen.“

Bei ihrer letzten Junioren-WM legten die Österreicher Bildstein/David Hussl eine Punktlandung hin. Vor zwei Jahren noch Zweite, 2014 Dritte und jetzt Weltmeister. „Besser kann es nicht laufen“, strahlte der Steuermann, der mit seinem Vorschoter das Medalrace kontrolliert hatte. Ihr Erfolg ist noch höher einzuschätzen, weil Bildstein erst vor vier Monaten an der Schulter operiert worden war. Jetzt geht es für die beiden im Männerbereich weiter – Ziel sind die Olympischen Spiele Tokio 2020.

Tief enttäuscht waren hingegen die Kieler Zwillingsschwestern. Ihre fünf Punkte Vorsprung vermochten Jule und Lotta Görge als Neunte des Medalrace nicht zu verteidigen. „Das war ein schlimmes Rennen, auch von den Bedingungen“, sagte die Vorschoterin.

Total überrascht vom WM-Titel waren dagegen die Niederländerinnen. Der Hammer: „Wir segeln erst eineinhalb Monate zusammen“, erklärte Jeske Kisters strahlend.

Auf gutem Kurs mit der Junioren-WM als zweites Highlight im Jubiläumsjahr befand sich auch der Flensburger Segel Club. „Das war ein wirklich tolles Event, das richtig Spaß gemacht hat“, lautete das Resümee von Claus-Otto Hansen. „Das war eine junge, dynamische und problemlose Flotte.“

Alle Ergebnisse: www. FSC. de

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erstellt am 28.Aug.2015 | 11:14 Uhr

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