Triathlon : OstseeMan: Viel Wirbel um Startgeld-Erstattung

Keine Triathlon-Party am Strand: Der OstseeMan-Triathlon hat mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.
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Keine Triathlon-Party am Strand: Der OstseeMan-Triathlon hat mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Nach der Absage des Glücksburger Triathlons gibt es Kritik - Renndirektor Reinhard Husen räumt Fehler ein.

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18. Mai 2020, 18:00 Uhr

Glücksburg | „18 Jahre lang hat alles wunderbar geklappt. Aber dann kam Corona“, sagt Renndirektor Reinhard Husen leise. Am ersten Sonntag im August hätte in Glücksburg und der Region der OstseeMan-Triathlon stattfinden sollen, doch der Ausdauer-Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen ist abgesagt – Großveranstaltungen im Land sind bis zum 31. August untersagt.

Als Non-Profit-Organisation mit einem großen Anteil ehrenamtlicher Arbeit ruft der „OstseeMan“ vergleichsweise niedrige Startgebühren auf. Schon zu Beginn der Pandemie flatterten die ersten Stornierungen ins Haus. Die Rechtslage wurde geprüft und Kassensturz gemacht. Zwar habe jeder Teilnehmer einen Haftungsausschluss unterschrieben, nachdem bei unvorhersehbaren Ereignissen kein Anspruch auf eine Erstattung bestehe, trotzdem wollen die Veranstalter „keinen im Regen stehen lassen“.

Renndirektor Reinhard Husen.
sh:z
Renndirektor Reinhard Husen.
 

„Wir haben schon im Vorfeld eine Summe im sechsstelligen Bereich investiert“, sagt Husen. Wegen der laufenden Kosten – und einer nicht unerheblichen Restschuld aus dem gescheiterten Versuch, eine Mitteldistanz-Veranstaltung in Damp zu etablieren – sei eine Umbuchung auf die Veranstaltung im kommenden Jahr nicht möglich.

In einer E-Mail an die Athletinnen und Athleten schreiben die Macher: „Um eine faire Behandlung aller Teilnehmer zu gewährleisten, können wir einzelnen Aufforderungen, das Startgeld vollständig zurückzuzahlen, nicht nachkommen. Unser Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten gleichermaßen gerecht wird und keinen bevorzugt oder benachteiligt.“ Und weiter: „Wir bieten euch an, einen Teil eures Startgeldes (abzüglich einer Bearbeitungspauschale) zurückzuerstatten, verbunden mit der Bitte, freiwillig auf eine weitere Rückzahlung zu verzichten. Nur diese strikte Maßnahme kann das Überleben unserer Veranstaltung sichern.“

Das Angebot: 30 Prozent des Startgeldes, abzüglich einer Verwaltungsgebühr in Höhe von 60 Euro (30 Euro für die Mitteldistanz), werden erstattet. Drei Optionen wurden angeboten: Angebot annehmen, Angebot nicht annehmen, oder ganz auf die Rückzahlung der Startgebühr verzichten. Laut Husen haben etwa 75 Prozent der Teilnehmer das Angebot angenommen oder verzichtet. „Ein befriedigendes Ergebnis“, sagt der Renndirektor. Für die 25 Prozent, die abgelehnt haben, wird ein neuer Vorschlag erarbeitet, Details liegen noch nicht vor.

Wir wollen niemanden im Regen stehen lassen. Aber wir können nur das ausgeben, was wir haben. Reinhard Husen
 

Diese Art der Rückabwicklung kommt längst nicht überall gut an, besonders in den sozialen Medien kochen die Gemüter hoch. „Wie hier mit Athleten umgegangen wird“ ist schlichtweg eine Frechheit“, schimpft ein Teilnehmer auf Facebook. Rechenbeispiel für einen Starter auf der Langdistanz: 360 Euro Startgebühr, 30 Prozent Erstattung abzüglich 60 Euro Verwaltungsgebühr – bleiben lediglich 48 Euro. Angesichts dieser geringen Summe winkten etliche Teilnehmer von vornherein enttäuscht ab. „Natürlich ist das wenig“, sagt Husen, der die Reaktionen kommentiert: „Ein ziemlicher Shitstorm.“

Auch das Angebot, auf die Gebühr für einen Startplatz bei der Neuauflage 2021 3,5 Prozent Rabatt einzuräumen, erwies sich eher als Bumerang. Husen räumt Pannen ein, auch in der Kommunikation. „Das hätten wir anders formulieren und mehr anbieten können“, sagt er. Doch er unterstreicht: „Wir sind nicht schuld an der Absage und können nicht mehr ausgeben, als wir haben.“ Ansonsten drohe das Aus für den „OstseeMan“ – und die Insolvenz.

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