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Schüler organisieren Sportprojekt : „Normal, dass man verschieden ist“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Schüler-Club der Comenius-Schule hat mit Hilfe von „Sport spricht alle Sprachen“ ein Ferienprogramm organisiert - auch junge Flüchtlinge waren dabei, absolvierten eine Woche lang ein abwechslungsreiches Programm.

Stimmengewirr und Fußgetrappel. Ein Mädchen hängt kopfüber an den Ringen und schaukelt hin und her, ein Junge erklimmt die Kletterwand am Ende der Halle. Celina (14) ist mit einem Klettergurt gesichert und besteigt einen Turm aus leeren Wasserkästen. Sie hat mit zwei Kästen angefangen, jetzt ist sie beim sechsten.

Etwa 15 Kinder spielen und klettern ausgelassen in der Flensburger SBV-Halle. Sie sind Teilnehmer eines Projekts der Comenius-Schule für Kinder und Jugendliche, auch für Flüchtlingskinder. Fünf Tage lang kochen, klettern und spielen die 28 Kinder zwischen zehn und 16 Jahren miteinander.

„Was machst Du in den Ferien?“ Mit dieser Frage haben Schüler an der Comenius-Schule ihre Mitschüler animiert, am Ferienprogramm teilzunehmen. „Das ist effektiver, als wenn ich als Lehrer hingehe“, sagt Jens Koll, Koordinator für die Offene Ganztags-Schule an der Comenius-Schule. „Ein paar Schüler haben sich überlegt, ein Ferienprojekt zu organisieren, unter anderem, um Flüchtlingskinder näher kennen zu lernen“, erzählt Koll.

Die Comenius-Schule mit eigenem DAZ (Deutsch als Zweitsprache)-Zentrum hat mittlerweile etwa 20 Flüchtlinge in den Schulalltag integriert. „Für uns ist es normal, dass man verschieden ist“, sagt Koll und spielt dabei auf das Motto der Schule – die den höchsten Anteil an Migranten in Flensburg aufweist – an, das da lautet: „Wir leben Vielfalt.“ „Unsere Aufgabe ist es auch, Schüler für die Flüchtlingssituation zu sensibilisieren, sodass Vorurteile von vornherein vermieden werden“, sagt Koll.

Zurück in der Sporthalle: Der Erlebnispädagoge Jonas Geisau erklärt Angela (13) gerade, wie sie den Klettergurt anlegen muss. „Die große Herausforderung liegt in der Vielsprachigkeit“, sagt der Lehramtsstudent, der das Feriencamp leitet.

Nicht alle Flüchtlingskinder (die meisten stammen aus Syrien) sprechen Deutsch und verstehen alles. Aber gerade beim Klettern sei es aus Sicherheitsgründen wichtig, dass die Kinder genau verstehen, was der Trainer sagt. Comenius-Schülerin Angela spricht Deutsch und Arabisch und fungiert als Dolmetscherin.

Um die Pläne der Schüler umsetzen zu können, ließ Jens Koll seine Kontakte als Kletter-Trainer beim TSB Flensburg und Projektkoordinator von „Sport gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz“ für Flensburg spielen. Er setzte sich mit den Schülern, FSJ-lern und Sportfunktionären verschiedener Flensburger Vereine zusammen und entwickelte einen Plan.

Der Lehrer stellte das Projekt Gerd Pontius, Organisator von „Sport spricht alle Sprachen“, vor – eine übergeordnete Aktion, die ins Leben gerufen wurde, um einzelne Flüchtlingsprojekte zu unterstützen. Das Ferienprojekt der Comenius-Schule wird durch den Transport der Kinder zwischen der Schule und der Sport- und Kletterhalle unterstützt.

Eine Woche vor den Herbstferien hat das Projekt begonnen. Die Flensburger Vereine 08, TSB und LK Weiche sowie die zwei Grundschulen Ramsharde und Fruerlund, die Schule in Harrislee und die Comenius-Schule sind mit ihren DAZ-Zentren an Bord. „Integration gelingt durch Sport“, sagt Koll, der dieses Motto seit Jahren an der Comeniusschule praktiziert. Das Projekt soll in den nächsten Ferien weitergeführt werden.

„Anfangs gab es noch Grüppchen. Aber man merkt, wie die Grenzen abgebaut werden. Sport muss schließlich nicht gesprochen werden“, sagt Rebecca Dirck, die die neue Stelle als „Intergrationsbegleitung“ an der Comenius-Schule inne hat. Völkerball, Geo-Caching, Ausflüge in die Stadt, Hip-Hop-Kurs – das Programm war vielfältig. „Ich zähle immer gleich: Und fünf, sechs, sieben und acht. Das merken die Kinder auch irgendwann. Wenn ich mal Fehler sehe, korrigiere ich sie mit Händen und Füßen“, erklärt Jennifer Bohnert, Leiterin des Hip-Hop-Workshops. „Das Gute ist: Musik und Sport versteht jeder.“

Celina hat die Spitze des zehnten Wasserkastens erreicht. Ganz vorsichtig balanciert sie ihr Gewicht aus. „Ich hab’ Dich“, versichert Geisau und prüft die Sicherung. „Wenn Du so weit bist, stößt du die Kisten kräftig in diese Richtung.“ Celina gehorcht. In Zeitlupe kippt der Turm und die Kisten schlagen mit lautem Gepolter auf dem Boden auf. Celina hängt gelassen am Sicherungsseil in der Luft.

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erstellt am 05.Nov.2015 | 06:00 Uhr

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