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Segeln : Nichts für Warmduscher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jørgen Svendsen gewinnt die erste internationale deutsch-dänische Meisterschaft der OK-Jollen bei der Regattagemeinschaft Fahrensodde.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Während draußen auf dem Vorplatz beim Flensborg Yacht-Cub Bo Petersen beim Ausziehen der nassen Segelklamotten schimpfte wie ein Rohrspatz, wurde dem Sieger im Regattabüro bereits ein erster Preis angeboten. Die zweite zusätzliche Duschmarke lehnte Jørgen Svendsen allerdings lächelnd ab, Wasserkontakt hätte er die letzten drei Tage ohnehin genug gehabt.

In der Tat, die Wettfahrten der Regattagemeinschaft Fahrensodde um die erste internationale dänische und deutsche Meisterschaft der OK-Jollen waren geprägt von mittleren bis starken Winden, vielen Winddrehern sowie heftigen Regenschauern und brachten manchen Segler der über 80 Teilnehmer mittleren Alters an die Grenze der körperlichen Erschöpfung. „So ist das, wenn alte Männer Sport machen“, meinte Thorsten Schmidt vom Segel-Club Ville in Erftstadt bei Köln. „Das waren drei körperlich und psychisch anstrengende Segeltage.“

Zum entscheidenden zweiten Rennen am Sonntag waren deshalb nur noch knapp 30 Segler auf der Bahn. Das Finale ist schnell erzählt: Jørgen Svendsen vom Hellerup Sejlklub brachte mit einem Tagessieg seinen Titel mit 12 Punkten unter Dach und Fach, Vereinskollege Bo Petersen fuhr mit einem 14. Platz seinen Streicher ein, rettete aber mit 18 Zählern Rang zwei vor dem Neuseeländer Greg Wilcox (18), der für den Potsdamer Segelverein startet. Auch wenn ihm zu Rang zwei am Ende nur eine bessere Platzierung fehlte, war der Neuseeländer zufrieden. „Dritter ist okay, nach vorne gab es ohnehin keine Chance mehr “, meinte der 54-Jährige Segelmacher (Turtlesails) und zweimalige Kieler Woche-Gewinner (J 24).

Schon der Auftakt am Freitag war mit zwei Wettfahrten bei böigen westlichen Winden um fünf bis sechs Beaufort nichts für Warmduscher, sondern nasse Action pur auf der Dreiecksbahn. Für die Könner kein Problem. Die weniger Erfahrenen gingen reihenweise mit der schnittigen Einmann-Jolle vor oder während der Halse an der Wendetonne zu Bach. Viele Segler verhinderten mit einer sogenannten Q-Wende eine mögliche Kenterung. Bei der Q-Wende wird gegen den Wind gewendet, das Manöver beschreibt quasi ein Q auf dem Wasser, kostet nur ein wenig mehr Zeit. „Bei der Halse ist der Druck auf das Segel einfach zu hoch. Selbst mit unserer X-332 sind wir bei der ORC-WM bei 30 Konten Wind Q-Wenden gefahren“, beschreibt Thorben Wulff von der „Chinook“ das durchaus angebrachte Manöver.

Bei den Wettfahrten am Sonnabend blieben bei mittleren Winden Kenterungen aus, dafür wurde der Start mehrfach geübt. Mit dem Motto „Crossing Borders is OK“ hatten die Veranstalter vom Flensborg Yacht Club (FYC) und der Segler-Vereinigung Flensburg (SVF) in grenzüberschreitender Zusammenarbeit auch dem Düppeljahr 2014 Rechnung getragen und den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig als Schirmherren gewonnen. Albig ließ es sich auch nicht nehmen, die erste Wettfahrt von der „Pepe“ (Dehler 38) aus zu starten. Das offensichtlich nervöse Feld der OK-Jollen brauchte drei Versuche, um das Rennen aufzunehmen, ehe der Ministerpräsident auf dem gelb-schwarzen Schlauchboot „Biene Maya“ wieder an Land gebracht werden konnte.

Bester deutscher Teilnehmer hinter den drei dänischen Medaillengewinnern war Günter Arndt, der für den FYC startet, aber seit zwei Jahren in Kopenhagen lebt. Mit seiner konstanten Serie, bis auf den Streicher (15) im Finale, war der 1,95-Mann sehr zufrieden. „Das ist völlig in Ordnung“, sagte Arndt, der nach der Startkreuz meist ganz vorne mitmischte, aber dann Plätze liegen ließ. „Was ich nicht so gerne mag, sind die spitzen Raumschotkurse.“

Rang sechs in der Gesamtwertung belegte Christian Frederik Olesen, der sich bei der Siegerehrung für die gelungene Meisterschaft bei den Veranstaltern bedankte. „Ein tolles Event “, meinte der Chef der dänischen Klassenvereinigung der OK-Jollen. „Eine sportlich hochwertige Regatta, die fairen Segelsport geboten hat“, lobte Jesper Wilkens, Leiter der internationalen Jury.

Und auch „Rohrspatz“ Bo Petersen hatte bei der Siegerehrung sein Lachen wiedergefunden. „Be happy“, meinte Petersen als er mit Auto und Trailer den Vorplatz beim Flensborg Yacht-Club Richtung Dänemark verließ.

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