zur Navigation springen

Fussball : Mit jeder Faser Schiedsrichter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das 17-jährige Talent Jannik Schneider hat Markus Merk als Vorbild und will bald SH-Liga-Spiele der Herren pfeifen.

von
erstellt am 05.Feb.2014 | 10:53 Uhr

Er hat keine Angst vor Pfiffen oder Pöbeleien von den Rängen. „Ich blende die Reaktionen von außen komplett aus“, verrät Nachwuchs-Schiedsrichter Jannik Schneider. Wie kürzlich in Lübeck, da wurde der 17-Jährige als Idiot und Hurensohn beschimpft. Für wutschnaubende Spieler, die mit seinen Entscheidungen nicht einverstanden sind, hat er ebenfalls ein Rezept: Erst agiere er mit einem mahnenden Gespräch von Auge zu Auge und mit entsprechenden Handbewegungen. „Wenn das nichts hilft, muss ich Karten ziehen – bis zum Feldverweis“, betont der Gammellunder, der für den TSV Eintracht Eggebek pfeift.

Am vergangenen Wochenende wurde der 17-Jährige aus dem Kreis Schleswig-Flensburg nach Nordrhein-Westfalen eingeladen. Beim „Girls Snow Cup“ in die Sporthalle Lübbecke leitete er unter anderem Spiele der U15-Juniorinnen des Hamburger SV, VfL Wolfsburg, Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und 1.FC Köln. „Erstmals durfte ich sogar einen Tag vorher anreisen“, erzählt der Gymnasiast der Lornsenschule in Schleswig, der später mal ein Sportstudium ins Auge gefasst hat.

Schon in der Jübeker Grundschule stand 2003 in seinem Zeugnis: Er habe sich mehrmals als Schiedsrichter bei Sportveranstaltungen ausgezeichnet. Entscheidungen in offiziellen Meisterschaftsspielen traf Jannik Schneider erstmals vor knapp sechs Jahren. Nie vergessen wird er sein erstes Spiel als Schiedsrichter-Assistent in der Herren-Verbandsliga. Dort assistierte er dem Kappelner Olaf Sulimma beim Spiel Flensburg 08 II – TSV Rantrum. Obwohl die Schiri-Prüfung erst mit zwölf abgenommen wird, durfte er als Elfjähriger schon an der Linie stehen, da Sulimma „mich persönlich eingeladen hatte“. Mit 13 Jahren pfiff Jannik Schneider dann sein erstes Spiel als Schiedsrichter in der Verbandsliga der B-Mädchen.

Sein Vater Ralph infizierte den Jung-Schiedsrichter damals mit dem Fan-Gen des 1. FC Kaiserslautern. Sein Vorbild wurde aber Dr. Markus Merk. Zu Weihnachten bekam Jannik Schneider das Buch „Bewegend“ vom pfeifenden Zahnarzt aus Kaiserslautern geschenkt, in dem der ehemalige Unparteiische über seinen Weg zum Weltschiedsrichter erzählt. Das Besondere: Vater Ralph Schneider hatte seine Beziehungen spielen lassen, so dass Merk eine Widmung notierte. „Basiswerte: Begeisterung, Identifikation, Mut, Verantwortung und Wille“ – sechs Worte, die der zweifache WM-Schiri als Leitfaden sieht. Sechs Worte, die sich der Gammelunder zu Herzen nimmt.

Schon mit 16 Jahren legte Jannik Schneider seine DFB-Prüfung ab, um im Herrenbereich bis zur Kreisliga pfeifen zu dürfen. Für den ambitionierten Referee keine große Hürde: „Den Cooper-Test habe ich locker geschafft.“ Die ebenso bestandene Folgeprüfung „LK 3“ beinhaltete seines Wissens hingegen aber schon Anforderungen auf „Fifa-Niveau“. Dieser Test befähigt ihn, seitdem Jugendspiele bis zur Schleswig-Holstein-Liga zu leiten.

Nicht immer läuft es ohne Komplikationen. Gerade im Kreis Schleswig-Flensburg gab es zu Beginn dieser Saison einige handgreifliche Übergriffe auf Schiedsrichter. Betroffene Kollegen haben bereits aufgegeben – aus Angst. Die kennt Jannik Schneider nicht: „Ich bin mit jeder Faser Schiri.“

Das Positive überwiegt. Anerkennende Worte gibt es zwar auf dem Platz fast nie, aber später vom Beobachter. „Das Lob ist für mich wie der gehaltene Elfmeter in der 90. Minute“, sagt der 17-Jährige. Ihm ist es wichtig, später zu hören, dass er mit kniffeligen Situation und dessen Bewertung auf dem Platz richtig lag, „weil mich das als Person stärkt“. Sein Gerechtigkeitssinn ist ausgeprägt. Vielleicht durch seinen Vater – der ist Polizist. Jannik Schneider charakterisiert sich grundsätzlich als „sozial eingestellt und fair“. „Er ist selbstbewusst geworden durch die Schiedsrichterei“, hat Mutter Dunja bemerkt. Sein Ziel sei es, so stressfrei und fair zu pfeifen wie möglich. „Für mich steht ein guter Schiedsrichter nie im Vordergrund, sondern arbeitet im Hintergrund.“

Das gelang dem Youngster an der Seitenlinie bei seinen bislang größten Einsätzen: 2012 in Streichmühle assistierte er Olaf Sulimma beim Spiel TV Grundhof – FC St. Pauli (0:14) vor 3100 Zuschauern. 2013 gehörte zum Gespann um Dennis Lübker (Jübek) beim Freundschaftsspiel ETSV Weiche – Hannover 96 (0:4) vor 2300 Besuchern. Lübker begleitet er seitdem auch an der Linie bei Herrenspielen in der SH-Liga.

Akribisch arbeitet Jannik Schneider auf seinen nächsten Aufstieg hin – die „LK 2“. Die Auslosung der Kandidaten ist im April. „Ich hoffe, dass es klappt“, sagt er. Dann kann er hauptverantwortlich Herrenspiele bis zur SH-Liga pfeifen. Vergangene Saison leitete er rund 100 Spiele. Aber er hat noch Kapazitäten frei. „Wenn man mich fragt, pfeife ich auch freitags, sonnabends und sonntags.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen