Talent des Jahres : Milena Natusch wählt den harten Weg

Zielstrebig: Milena Natuschs Ziel heißt Handball-Bundesliga.
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Zielstrebig: Milena Natuschs Ziel heißt Handball-Bundesliga.

16-jährige Handballerin aus Harrislee fühlt sich beim Buxtehuder SV und in der Elite-Schule des Sports in Hamburg sehr wohl.

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05. Januar 2015, 08:42 Uhr

Das Sportler-Gen wurde ihr in die Wiege gelegt. Schon im Kinderwagen war Milena Natusch Woche für Woche mit ihren Eltern Nicole und Henning unterwegs und lernte die Fußballplätze in Schleswig-Holstein kennen. Klar, welchen Sport sie als erstes in einer Fußballer-Familie versuchte. Aber das Spiel mit den Jungs „war nicht so mein Ding“, erzählt die inzwischen 16-Jährige. „Damals hatte ich noch geflochtene Zöpfe, und die Jungs zogen immer daran. Das mochte ich nicht.“

Handball lag ihr mehr. Dass sie zum Talent des Jahres in und um Flensburg gewählt wurde, überrascht Milena Natusch sehr. Aber es macht sie auch stolz. „Es ist schön zu sehen, dass viele Leute hinter mir stehen. Das motiviert mich, noch weiter zu kommen.“ Selbst ihre ehemaligen Teamkolleginnen aus SønderjyskE hatten verfolgt, dass die 16-Jährige als Talent des Jahres vorgeschlagen worden war, und sie gleich informiert.

Inzwischen spielt die Harrisleerin nicht mehr in Dänemark. Sie ist im Sommer 2014 zum Bundesliga-Nachwuchs des Buxtehuder SV gewechselt. Als 98er-Jahrgang spielt sie B-Jugend, wird aber auch in der A-Jugend-Oberliga und in der A-Jugend-Bundesliga-Runde von Trainer Dirk Leun eingesetzt. „Die Mischung im Verein stimmt. Es geht sehr professionell, aber auch sehr familiär zu“, sagt Mutter Nicole Natusch, die in den 90er-Jahren selbst die Fußball-A-Jugend des TSV Nord Harrislee in der Schleswig-Holstein-Liga trainiert hat und den Werdegang ihrer Tochter akribisch verfolgt.

Im Sommer gab es einen tiefen Einschnitt im Leben der damals noch 15-Jährigen, die zum Stützpunkt-Kader des Deutschen Handball-Bundes zählt. Sie wechselte auch von der Auguste Viktoria Schule in Flensburg auf die Elite-Schule des Sports in Hamburg und wohnt unter der Woche bei ihrem Opa Harald Uhr, dem Liga-Geschäftsführer des ETSV Weiche Flensburg. „Ich bewundere, wie diszipliniert sie ist“, sagt der Großvater.

Bis jetzt hat das Handball-Talent den Umzug nicht bereut. „Ich bin total zufrieden“, sagt sie. „Auch wenn es ganz schön hart ist.“ Ihr Tagesablauf: Um 6 Uhr aufstehen, um 7 Uhr auf den Weg zu Schule machen, 8 bis 16 Uhr Schule mit zwei Stunden Sport täglich, um 17 Uhr ist sie wieder zu Hause, dann geht es zum Training, manchmal bis 21.30 Uhr, manchmal bis 22.30 Uhr. Da bleibt nicht mal Zeit für die Hausaufgaben. „Aber wir bekommen auch keine auf, die Lehrer wissen, dass das nicht geht.“ Freie Wochenenden gibt es auch kaum. Da Milena Natusch in drei BSV-Mannschaften auf Linksaußen spielt, sind meist Sonnabend und Sonntag verplant. Da wird sie dann von ihren Eltern zu Spielen in ganz Norddeutschland kutschiert. Auch Freizeit und Freunde kommen zu kurz. Selbst am Dienstag, dem einzigen trainingsfreien Tag, ist die 16-Jährige froh, mal ihre Ruhe zu haben. „Ich bin kaputt“, gibt sie unumwunden zu. Und nach anstrengenden Tagen merkt sie die Müdigkeit auch in der Schule. „Je später es wird, desto anstrengender ist es.“

Trotzdem – die Schule macht ihr Spaß. Das zeigt schon der Notendurchschnitt der Zehntklässlerin. Von 2,5 in Flensburg hat sie sich auf 1,6 verbessert. Vor allem der Sport hat es in sich. Da steht sie als einziges Mädchen im Kreis der HSV-Nachwuchshandballer ihren Mann. „Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst.“ Aber die hat ihr Sportlehrer und Ex-Nationalspieler Adrian Wagner schnell genommen. „Er hat sich sehr um mich bemüht“, sagt Milena Natusch. „Ich habe zwar Respekt vor ihm, aber er ist auch ein Kumpeltyp.“ Von den Jungs sei sie toll aufgenommen worden. Sie müsse zwar bei den Kraftübungen ein paar Klimmzüge weniger machen, aber die Jungs würden sie motivieren, noch ein paar Gewichte mehr zu schaffen. Schon nach einem halben Jahr sagt sie: „Meine Klassenkameraden im Sport passen gut auf mich auf. Sie sind wie große Brüder.“

Der Handball hat Milena Natusch geformt. Egal, ob sie früher im Auto auf den Fahrten zum Spiel noch Hausaufgaben machen musste oder sich im Auto bereits umgezogen hat, um rechtzeitig in der Halle zu stehen – sie hat schon viel erlebt und noch viel vor. Ihre Ziele: Jugend-Nationalteam, Bundesliga-Spielerin und Handball-Profi. Bei ihrem Willen und mit dem Sportler-Gen scheint das alles möglich zu sein.

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