Runder Geburtstag : Mann der ersten Stunde bei der SG

Günter Ahlers
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Günter Ahlers

Günter Ahlers feiert am Sonnabend seinen 80. Geburtstag und war über sechs Jahrzehnte im Sport als Aktiver und Funktionär tätig

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13. Juni 2014, 06:00 Uhr

Seinen 80. Geburtstag wird Günter Ahlers am Sonnabend eher im kleinen Rahmen feiern. Eine andere Veranstaltung wirft aber bereits ihre Schatten voraus. Zusammen mit einigen Mitstreitern hat Ahlers einem Empfang auf die Beine gestellt, der „40 Jahre SG-Handball“ mit Beteiligung des Handewitter SV (HSV) würdigen soll. „Die Leute der ersten Stunde werden dann die Stars sein“, verrät Günter Ahlers. Er selbst kann auf über sechs Dekaden Sport als Aktiver und Funktionär zurückblicken. Besonders dem Handball galt und gilt seine Vorliebe.

Als junger Erwachsener hatte es ihn an die dänische Grenze verschlagen. 1962 stieß er zum „kleinen HSV“ – als Fußball-Jugendwart, Trainer und Schriftführer. Eine Ballwerfer-Zunft gab es damals nicht – da musste der Jubilar selbst die Initiative ergreifen. Frühling 1966: Die Handewitter Schützen hatten gerade ein Vergleichsschießen mit der Bundeswehr erfolgreich beendet und saßen im Dorfgasthof gemütlich beisammen, als Horst Andresen den Raum betrat. Eigentlich wollte der neue Dorf-Lehrer nur ein paar Zigaretten holen, doch Günter Ahlers, der den aus Lindewitt zugezogenen Neubürger kannte, konfrontierte ihn mit einer überraschenden F„rage: „Hättest du Lust, in Handewitt eine Handball-Abteilung aufzubauen?“ Die Handballsparte gedieh.

1974 übernahm Günter Ahlers den Vorsitz des HSV. Seine 16-jährige Amtszeit prägten viele schillernde Momente: Neben der Gründung der SG Weiche-Handewitt vor nunmehr 40 Jahren sind vor allem der Bau der Wikinghalle (1975) und der Bundesliga-Aufstieg (1984) zu nennen. Da der Handewitter „Chef“ über den Kreishandballverband mit einem Netzwerk operieren konnte, kreuzte 1978 sogar die deutsche Nationalmannschaft zu einem Freundschaftsspiel im Geestort auf. Gleichzeitig wuchs der HSV enorm in die Breite; Neue Sparten wie Tennis, Volleyball oder Reha-Sport bereicherten das Vereinsleben. „Es war eine tolle Zusammenarbeit“, schwärmt Günter Ahlers noch heute. „Der HSV hätte eigentlich Harmonie Handewitt heißen müssen.“

Eine besondere Leidenschaft entwickelte er für Jugendfahrten. „Ich habe nur das wieder gegeben, was mir einst gegeben wurde“, erklärt der 80-Jährige. Bei Holstein Kiel erlebte er viele Reisen für die gesamte Vereinsjugend. Ein Modell, das zum Nachmachen anregte. Kopenhagen, Wien, bayrischer Walchensee oder Oslo – die jungen HSV-Mitglieder waren oft unterwegs. Am liebsten würde Günter Ahlers wieder einen Bus chartern. Doch er weiß, dass das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist.

Geblieben sind die von ihm selbst gepflegten Partnerschaften zu Clubs wie Racing Club de Paris, HC Berchem oder Brandenburg 03. Als die SG am 1. Juni die Champions League gewann, riefen Gratulanten aus Frankreich, Luxemburg und Berlin bei Günter Ahlers an. „Ich bin für die Mannschaft doch gar nicht mehr verantwortlich“, schmunzelt er. 1990, kurz nachdem er die Gründung der SG Flensburg-Handewitt mit in die Wege geleitet hatte, war der pensionierte Finanzbeamte mit der Auszeichnung „Ehrenvorsitzender“ abgetreten. Die Gesundheit spielte nicht mehr mit. Zwei Herz-Operationen sollten folgen.

Heute tingelt Günter Ahlers, der sich mit Gymnastik und Gartenarbeit fit hält, nicht mehr jedes Wochenende durch die Sporthallen. Das Interesse ist aber ungebrochen. „Es freut mich, dass es im HSV läuft“, sagt er. „Und zur Bundesliga habe ich es in der letzten Zeit jedes Mal geschafft.“ Nostalgisch wird er, wenn er die Einlauf-Zeremonie verfolgt. Dann erinnert er sich, wie er 1984 – inspiriert von der nordamerikanischen Eishockey-Liga – ein Schallplatte aus dem Schrank kramte: die Oper „Carmen". Zusammen mit dem damaligen Sportwart Horst-Peter Wilstermann wurde unter primitiven technischen Bedingungen die erste Version der SG-Hymne gemixt: „Auf in den Kampf.“

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