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SG Flensburg-Handewitt : Ljubomir Vranjes: Stehen die Zeichen auf Abschied?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zukunft von Ljubomir Vranjes bei der SG Flensburg-Handewitt scheint nach einem Angebot aus Veszprem ungewiss.

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2016 | 11:10 Uhr

Flensburg | Vor dem Jahreswechsel brennt es bei der SG Flensburg-Handewitt lichterloh. Dass der Club nach dem 24:24 (11:12) bei der MT Melsungen als alleiniger Spitzenreiter der Handball-Bundesliga in die WM-Pause geht, verkommt zur Randnotiz. Vereinsvorstand, Fans und Umfeld fragen sich vielmehr, ob Ljubomir Vranjes am 8. Februar im ersten Liga-Spiel nach den Titelkämpfen in Frankreich gegen den THW Kiel noch auf der Trainerbank der SG sitzen wird? Dem 43-jährigen Schweden liegt ein reizvolles Angebot aus Ungarn vor. Laut dem Magazin „Handball inside“ soll Vranjes möglichst schnell den spanischen Coach von Telekom Veszprem, Xavier Sabate, beerben. Und beim Internet-Portal „handball-planet.com“ ist sogar von einer Doppelfunktion als Vereinscoach beim Abonnementsmeister und als ungarischer Nationaltrainer die Rede – vielleicht schon zur WM in zwei Wochen.

Eine klare Aussage von Vranjes dazu gab es bislang nicht. Gestern war der SG-Trainer nicht erreichbar. Und die SG blockt alle Nachfragen ab. „Es besteht Interesse von Veszprem, aber Ljubomir Vranjes hat bei uns einen Vertrag bis 2020“, betonte Geschäftsführer Dierk Schmäschke fast schon gebetsmühlenartig und ergänzte: „Wir werden alles in den nächsten Tagen in Ruhe besprechen. Wenn es zu gegebener Zeit etwas zu sagen gibt, werden wir uns äußern.“

Doch offensichtlich stehen die Zeichen auf Abschied. Viel anders sind die Aussagen von Vranjes gegenüber „Sport  1“ nach dem 24:24 in Melsungen kaum zu deuten. „Ich habe einen Vertrag bis 2020 bei der SG – ohne Klauseln. Das haben wir auch extra so gemacht. Aber wenn das passiert, soll Flensburg auch eine Erstattung kriegen. Ich bin teuer“, sagte der Schwede mit einem Lächeln. Angeblich soll eine Ablösesumme von einer Million Euro im Raum stehen, um den Schweden aus seinem Kontrakt heraus zu kaufen.

Seit dem Champions League-Titel 2014 ist Vranjes einer der meist umworbenen Trainer in Europa. Spitzenclubs wie Paris St. Germain buhlten schon um den Schweden, auch bei nationalen Verbänden wie Serbien, Island, Schweden und dem Deutschen Handball-Bund, zuletzt vor einem Monat, stand der ehemalige Welt- und Europameister auf der Wunschliste. Doch bislang hatte Vranjes allen Verlockungen widerstanden und stets ein klares Bekenntnis zur SG Flensburg-Handewitt abgegeben: „Ich habe hier noch viel vor.“ Jetzt also Veszprem. Doch ein Dementi klingt anders. „Wir wissen alle, wie es in der Bundesliga ist. Besonders für Trainer wie Alfred Gislason, Nikolaj Jacobsen und mich, das ist eine Riesenbelastung. Ich bin müde“, gestand Vranjes im Hinblick auf die Terminhatz mit bis zu maximal 60 Saisonspielen in der Liga, der Champions League und im DHB-Pokal.

Fast jeden dritten Tag ein Spiel, dazu Video-Studium, Training und Reisen – das hat Vranjes, der als akribischer Arbeiter bekannt ist und oft von morgens um 7 bis abends um 22 Uhr den Handball lebt, in der jüngsten Vergangenheit offenbar aufgerieben. „Ich habe keine Energie mehr. Wenn du morgens vor dem Spiegel stehst, siehst du die blauen Ringe unter den Augen. Und dann musst du die Mannschaft jeden Tag motivieren. Das ist hart. Wenn wir so weitermachen, sind wir bald halbtot.“

Aber heißt das, Vranjes will die Bundesliga wirklich verlassen? Oder bedeutet das nur, dass er nach dem harten Jahr 2016 einfach platt ist? Denn die Belastung in Ungarn wäre kaum geringer. Veszprem hat in der Liga 26 Pflichtspiele zu absolvieren, hinzu kommen zehn Begegnungen in der Meisterrunde. Darüber hinaus spielt der Club in der SEHA-Liga (18 Begegnungen) und der Champions League (bis zu 20 Spiele) – macht maximal 74. Allenfalls die mentale Belastung ist in Ungarn geringer, da der Verein in der Liga praktisch nur gegen den ewigen Konkurrenten Pick Szeged richtig gefordert wird. Das würde jedoch alles ad absurdum geführt, wenn Vranjes auch noch den Posten des ungarischen Nationaltrainers übernehmen sollte. Dann kämen Länderspiele, EM- und WM-Qualifikation sowie jedes Jahr ein großes internationales Turnier hinzu. Käme Vranjes da nicht vom Regen in die Traufe?

Und dann ist da auch noch seine Familie. Es gibt viel abzuwägen für Ljubomir Vranjes, der bei „Sport  1“ einmal mehr betonte: „Ich bin jetzt elf Jahre im Verein. Ich liebe die SG und werde sie nicht so einfach verlassen.“ Jetzt warten alle – Verein und Fans – auf ein deutliches Statement von ihm.

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