Handball-Bundesliga : Kreisläufer Anders Zachariassen tritt in die Fußstapfen seines Idols

Ein Trikot haben sie ihm schon zerrissen, wie die unterschiedlichen Nummern auf Anders Zachariassens (l.) Dress zeigen. So leicht ist das dänische Kreisläufer-Talent nicht zu stoppen.
Ein Trikot haben sie ihm schon zerrissen, wie die unterschiedlichen Nummern auf Anders Zachariassens (l.) Dress zeigen. So leicht ist das dänische Kreisläufer-Talent nicht zu stoppen.

Der 22 Jahre alte Däne von SonderjyskE wird bei der SG Flensburg-Handewitt Nachfolger seines berühmten Landsmannes Michael Knudsen

shz.de von
18. März 2014, 12:10 Uhr

Das Team von SonderjyskE erlebt eine stürmische Anfangsphase im Heimspiel gegen Skanderborg. Immer wieder sucht der Rückraum den Kreis. Dort fängt Anders Zachariassen den Ball. Wie ein Berseker tobt der Kreisläufer durch die Abwehr, wackelt Gegner aus, die zwar sein Trikot einreißen, ihn aber nicht stoppen können: 2000 Fans in der Sonderburger Arena bejubeln das 5:2. Der Sitznachbar auf der Tribüne wirft derweil einen Wermutstropfen ein: „Sein Abgang ist ein herber Verlust für uns.“ Bekanntlich hat Anders Zachariassen einen ab Sommer beginnenden Drei-Jahres-Vertrag bei der SG Flensburg-Handewitt unterschrieben. Er wird dort der Nachfolger von Michael Knudsen, der zu Bjerringbro-Silkeborg wechselt.

Dann wird der 22-jährige Kreisläufer Neuland betreten. Die dänische Liga ist stark, die Handball-Bundesliga aber noch besser. SG-Trainer Ljubomir Vranjes hat Zachariassen über einen längeren Zeitraum beobachtet und „Kampfstärke, Beweglichkeit, Explosivität“ gesehen. Viele Treffer erzielt Zachariassen über den Tempogegenstoß. Körperlich wird das Talent allerdings zulegen müssen. „Ich arbeite daran“, sagt der 92 Kilogramm schwere Ballwerfer. Zum Vergleich: Michael Knudsen bringt es bei der exakt gleichen Größe auf 99 Kilogramm.

Der berühmte Positionskollege dient durchaus als Vorbild. „Michael Knudsen ist ein Kreisläufer, der viel über die Bewegung und nicht so sehr über die Kraft kommt“, findet Anders Zachariassen. Beobachter fühlen sich bei seiner Spielweise durchaus an die des Idols erinnert. Nicht umsonst hat sich der Youngster bereits in die Top 10 der dänischen Kreisläufer vorgekämpft und errang 2011 mit der dänischen Junioren-Auswahl bei der Weltmeisterschaft in Griechenland Silber.

Anders Zachariassen ist ein Kind der Region, stammt von der Insel Alsen und lernte im Sonderborger Vorort-Klub Ulkeböl das Handball-ABC. 2010 wechselte er zu SonderjyskE, damals noch zweitklassig. Dort spielt bereits der Bruder Casper, ein Linksaußen. Die Brüder verlängerten 2012 gemeinsam bei den Blau-Weißen, im Sommer werden sich die Wege trennen. „Für einen Kindheits-Traum“, wie Anders, der Jüngere, verrät.

Er lernt über das Internet bereits kräftig Deutsch, doch wegen der vielen Partien in der dänischen Liga hat es Anders Zachariassen erst zwei Mal in dieser Serie in die Flens-Arena geschafft. Seine neue Wahlheimat ist ihm gut vertraut. „Ich lebe in der Nähe der Grenze, daher war ich schon oft in Deutschland“, sagt er. „Dennoch kann ich in Flensburg noch viele Ecken kennenlernen.“

Dieses Vorhaben wird Anders Zachariassen aber erst ab Juni in Angriff nehmen können. SonderjyskE hat sich als Fünfter für die dänischen Playoffs qualifiziert. „Damit haben wir den Klassenerhalt definitiv sicher“, sagt der Kreisläufer, der nun aber auf mehr hofft. Die Gegner in einer von zwei Vierer-Gruppen sind mit Kolding-Kopenhagen (mit den ehemaligen SG-Akteuren Lasse Boesen und Joachim Boldsen), Meister Aalborg Handball (mit SG-Neuzugang Johan Jakobsson) und Bjerringbro-Silkeborg (mit dem ehemaligen SG-Trainer Per Carlén und „Popeye“ Kasper Nielsen) aber nicht von Pappe.

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