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Zuschauer feiern Keeper Thore Jöhnck aus dem Junior-Team : Im Rausch der Geschwindigkeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das war ein Handball-Abend ganz nach dem Geschmack der 6300 Zuschauer in der ausverkauften Flens-Arena. Sie feierten ihre SG Flensburg-Handewitt nach dem 35:23 (16:12) über die HSG Wetzlar Minuten lang mit stehenden Ovationen.

Und Nachwuchskeeper Thore Jöhnck aus dem Junior-Team, der kurzfristig für den erkrankten Stammkeeper Mattias Andersson ins Aufgebot gerutscht war, kam nach etlichen „Ehrenrunden“ und anerkennenden Schulterklopfern erst eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff zum Duschen in die Kabine.

Der Tabellensechste aus Mittelhessen mit den EM-Helden Andreas Wolff im Tor und Kreisläufer Jannik Kohlbacher war an diesem Abend chancenlos gegen eine Flensburger Mannschaft, die sich in einen wahren Temporausch spielte. „Der Sieg ist auch in der Höhe verdient“, befand Gäste-Trainer Kai Wandschneider. „Wir haben uns 60 Minuten lang bemüht. Doch wir haben es nicht geschafft, den Tempohandball der SG zu unterbinden.“ „Wir haben Lust auf Konter- und Gegenstoß-Handball. Das haben wir heute insgesamt sehr gut gemacht“, frohlockte SG-Trainer Ljubomir Vranjes nach einer mehr als gelungenen Generalprobe für das Achtelfinalhinspiel in der Champions League bei Montpellier AHB (Sbd., 17.30 Uhr).

Der Matchplan des Schweden war in fast allen Belangen aufgegangen. Dabei war er ebenso einfach wie erfolgreich. Egal ob bei einem Gegentor oder bei einer Balleroberung – anschließend so schnell wie möglich nach vorn spielen, damit die Gäste ihre Abwehrspezialisten Prieto und Klesniks möglichst gar nicht erst einwechseln konnten. Diese Vorgaben setzten die SG-Spieler perfekt um. „Wir waren in der Abwehr fast immer in Unterzahl, weil ein Spieler noch vorne war. Das hat Flensburg großartig gemacht“, lobte Wandschneider.

Dieses Kompliment nahm Vranjes mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis, wandte aber ein: „In der ersten Halbzeit waren wir noch nicht effektiv genug“. In der Tat hatte die SG neun Minuten bis zur ersten Führung (7:6) und 24 Minuten bis zum ersten klaren Vorsprung (14:9) gebraucht, „weil wir erst die richtige Höhe für unsere Abwehr finden mussten“, meinte Torhüter Kevin Möller. Der Däne hatte sich nach unglücklichem Beginn gesteigert und am Ende das Duell mit dem neuen deutschen Star-Keeper Andreas Wolff mit 15:12 Paraden für sich entschieden. „Echt?“, fragte Möller nach, meinte dann aber selbstkritisch: „In der ersten Hälfte hätte ich ein paar Bälle mehr halten müssen.“

Als die SG auf 33:22 enteilt war und die HSG nach 56:07 Minuten einen Siebenmeter bekam, erhielt der von den Fans der Stehtribüne schon Minuten zuvor geforderte Thore Jöhnck seine Chance. Der 20-jährige Nachwuchskeeper aus dem Junior-Team kam aufs Feld. „Maxi“ Holst, mit 163 Treffern auf Platz zwei der Bundesliga-Torschützenliste, trat an – und warf vorbei. Die Halle tobte. Und als Christian Bliznac kurz darauf aus dem Rückraum an Jöhnck scheiterte, feierten die SG-Fans den jungen Keeper mit stehenden Ovationen.

Jöhnck hätte bei diesem Spiel eigentlich nur als Zuschauer auf der Tribüne sitzen sollen. Doch nachdem sich Mattias Andersson krank gemeldet hatte, stand er nach einem Anruf von Co-Trainer Maik Machulla morgens um 11 Uhr plötzlich im Kader. „Ein Traum“, meinte der 20-Jährige, der nicht damit gerechnet hatte, auch zum Einsatz zu kommen. Seine Hauptsorge war, „beim Einlaufen nicht auszurutschen“, gestand er. Das passierte nicht, und so wurde es für ihn ein „perfekter Abend“. „Das war ziemlich cool“, strahlte Jöhnck, wusste aber seinen Einsatz realistisch einzuordnen. „Ich habe es einfach nur genossen, denn vielleicht war das heute mein einziger Bundesliga-Einsatz. Schließlich ist die SG eine europäische Topmannschaft.“

Am Sonnabend geht es für ihn mit dem Junior-Team in Liga 3 nach Großburgwedel. Es sei denn, Mattias Andersson ist bis dahin nicht wieder gesund. Dann könnte der Name Thore Jöhnck sogar auf einem Spielbericht in der Champions League auftauchen – im Achtelfinalhinspiel bei Montpellier AHB.

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erstellt am 18.Mär.2016 | 06:30 Uhr

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