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Fussball : Im Angriff zu zahm

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

ETSV Weiche und die U23 des FC St. Pauli trennen sich 1:1. Abwehrspieler Micha Dehner erzielt den Ausgleich für die Flensburger.

Mit dem Ergebnis konnten beide Seiten gut leben. 1:1 (0:1) trennten sich der ETSV Weiche und der FC St. Pauli II in einem ansehnlichen Spiel der Fußball-Regionalliga. Für die Flensburger war es das dritte Unentschieden in Folge. Aber anders als vor einer Woche beim 0:0 in Neumünster war Daniel Jurgeleit diesmal mit seinem Team zufrieden. „Alle waren gegen einen starken Gegner sehr engagiert“, meinte der ETSV-Trainer. Liga-Chef Harald Uhr lobte die Hamburger, die zu den stärksten Teams der Rückrunde zählen: „Das waren Welten zwischen dem Hinspiel und heute. St. Paulis U23 hat eine super Entwicklung genommen.“

Das Kompliment freute Ex-Profi Thomas Meggle natürlich. Allerdings sprach der 39-jährige Coach des Zweitliga-Nachwuchses von einem der schwächeren Spiele seines Teams in der Rückrunde. Aber lehrreich sei das Spiel für seine Youngster allemal gewesen. „Wir mussten hier gegen eine richtige Herrentruppe antreten, die ordentlich zur Sache gegangen ist. Solche Spiele sind gut für uns als Ausbildungsmannschaft.“

Für Weiche läuft der Countdown. In knapp drei Wochen steigt das Spiel des Jahres. Trainer Jurgeleit hat alle Planungen auf das Pokalfinale am 16. Mai beim Drittligisten Holstein Kiel ausgerichtet. Gegen St. Pauli überraschte er die Zuschauer und vielleicht auch die Holstein-Späher im Manfred-Werner-Stadion mit seiner Personal-Rotation. Da spielte Abwehrchef Matthias Hummel auf der Sechser-Position vor der Viererkette, und Florian Meyer trat als linker Verteidiger an. „Ich sehe Matthias in Kiel nicht als Sechser, und Florian ist wertvoller woanders“, erklärte Jurgeleit. Trotzdem begründete er seine Aufstellung: Hummel wollte er einmal im Mittelfeld arbeiten sehen. „Manchmal braucht ein Spieler das“, sagte der Trainer und bescheinigte ihm eine sehr gute Leistung. Meyers Versetzung begründete er damit, dass ihm die Verteidiger ausgehen und Kapitän Marc Böhnke erst langsam wieder herangeführt werden soll.

St. Pauli erwischte den besseren Start. Vielleicht, weil die Flensburger sich in der neuen Formation erst einmal finden mussten oder die vier freien Tage nach Ostern verdauen mussten. Die Hamburger kombinierten schnell und sicher, allerdings auch nur bis zum Strafraum. Chancen hatten sie im ersten Durchgang überhaupt nicht. So war es ein direkt verwandelter Freistoß aus 20 Metern von Fabian Graudenz, der die Gäste mit 1:0 (10.) in Führung brachte. Ausgerechnet der ehemalige St. Paulianer Florian Kirschke in den Reihen der Flensburger patzte beim Schlenzer in die Torwart-Ecke. „Das war ein ganz klarer Torwart-Fehler“, meinte Jurgeleit. „Aber den Treffer haben wir gut weggesteckt.“

Nach 20 Minuten hatte Weiche sich die Hoheit auf dem Rasen erkämpft. Matthias Hummel leitete die Wende mit einem eigentlich unnötigen Gelb-Foul an der Mittellinie ein. „Damit wollte ich schon ein Zeichen setzen“, meinte er und traf kurz darauf mit einem Flatterball aus 25 Metern die Latte (31.). „Da setzt keiner nach“, monierte der Trainer. „Wenn man da schneller reagiert, kann man den Abpraller nutzen.“

Nach dem Wechsel erhöhte Weiche noch einmal den Druck. Und hatte jetzt mehr Glück. Nach einem Freistoß von Elmedin Kasumovic und Kopfverlängerung von Tim Wulff war Micha Dehner im zweiten Versuch zur Stelle. Mit seinem ersten Schuss scheiterte er am starken Hamburger Keeper Alkan Tunca, aber im Nachsetzen drosch er den Ball zum 1:1 (53.) über die Linie. Patrick Thomsen (57., 60) und Wulff (64.) nach Flanke von Karl-Christian Melfsen verpassten anschließend die ETSV-Führung. Als dann der eingewechselte Böhnke allein auf das Tor zulief, stoppte ihn Laurens Rogowski (73.) an der Strafraumgrenze unfair – Notbremse. Schiedsrichter Stefan Brauer zeigte Rot. Kasumovic schnappte sich den Ball und wollte ihn auf den Elfmeterpunkt legen. Doch der Schiri verlegte den Tatort kurz vor die Linie. „Der war zwei Meter innerhalb“, regte sich Harald Uhr mächtig auf. „Klar vor der Linie“, konterte Thomas Meggle. Kasumovics Freistoß parierte Tunca klasse. Auch der vom Publikum vehement geforderte Ilidio konnte bei seinem ersten Kurzeinsatz nach seiner Knochenhautentzündung am Schienbein nichts mehr ausrichten. Es blieb trotz der Überzahl beim 1:1.

Wo vor dem Kiel-Spiel noch gearbeitet werden muss, ist offensichtlich: Im Angriff. „Da brauchen wir mehr Durchschlagskraft“, erklärte Hummel.

ETSV Weiche Flensburg: Kirschke - F. Meyer, Jürgensen, Dehner, Melfsen - Hummel - Strömer (60. Böhnke), Kasumovic, Thomsen, Walter (83. T. Carstensen) - Wulff (83. Ilidio).

FC St. Pauli U23: Tunca - Startsev, Rogowski, Rahn, Schlüter - Zazai (66. Wriedt), Kurt, Deichmann, Graudenz - Bahn (85. Drinkuth), Pini (75. Ambrosius).

Tore: 0:1 Graudenz (10.), 1:1 Dehner (53.).

Schiedsrichter: Stefan Brauer (SV BW Neuhof).

Rote Karte: Rogowski (73., Notbremse).
Zuschauer: 739. – Beste Spieler: Jürgensen, Hummel, Walter / Graudenz, Tunca.

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