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Radsport : Ilse Ommen schneller als alle Männer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger triumphieren beim 24-Stunden-Rennen von Nortorf. TriAs-Fahrer Topias Thomsen und Morten Palau knacken Streckenrekord.

Rund um die Uhr auf dem Rad unterwegs zu sein, um so viele Kilometer wie möglich zu absolvieren – das ist die Herausforderung eines 24-Stunden-Radrennens, die offenbar immer mehr Radrennfahrer fasziniert. Mit den „24 Stunden von Nortorf“ hat sich auch in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren ein Wettkampf dieser Art etabliert und ist auf dem Weg, sich zu einem Klassiker der Radsportszene zu entwickeln. Insgesamt 240 Teilnehmer drehten im Herzen des nördlichsten Bundeslandes unermüdlich ihre Runden. Nach 24 Stunden auf den Straßen rund um Nortorf durften mit Ilse Ommen, Topias Thomsen und Morten Palau gleich drei Flensburger Radcracks jubeln.

Die Ausdauer-Asse von TriAs Flensburg bewiesen mit unerschütterlichem Durchhaltevermögen und schnellem Tempo ihre Klasse und sicherten sich die Siege. Ilse Ommen fuhr als Einzelfahrerin insgesamt 756 Kilometer und war dabei mit einem Kilometerschnitt von 32,3 Stundenkilometern sogar schneller unterwegs als der Männersieger Peter Mauritz aus Lübeck. Thomsen und Palau traten in der Duo-Wertung an und teilten sich das Rennen zu zweit. Mit imposanten 868 Kilometern stellte das Duo sogar einen neuen Veranstaltungsrekord beim Nortorfer 24-Stunden-Rennen auf. 31 Mal schafften die Flensburger die 28-Kilometer-Runde und übertrafen damit alle bisherigen Marken. Ilse Ommen schaffte 27 Runden in 23:25 Stunden. Dass sie in der Frauenwertung nicht zu schlagen sein würde, hatten viele Kenner erwartet. Dass sie aber am Ende sogar den schnellsten Mann hinter sich lassen würde, überraschte die 45-jährige selbst am meisten. Nachdem sie die ersten elf Runden im Windschatten ihrer TriAs-Vereinskameraden sogar in der Spitze mitgehalten hatte, ließ sie die schnellsten Männer nach zehn Stunden davonziehen und schonte ihre Kräfte für die Nachtstunden.

„Bloß nicht überpacen, Kräfte einteilen und essen, immer wieder essen und trinken“, benannte Ommen die wichtigsten Grundregeln für solche Ultrarennen, an die sie sich hielt und so auch in der Nacht trotz Müdigkeit weiter ihre Kilometer abspulte. „Nach 20 Stunden rief mir mein Betreuerteam zu, dass ich ganz vorne liege und ohne Pause durchfahren soll“, berichtete Ommen über den Adrenalinkick, der sie dann für die letzten Stunden in Fahrt hielt. „Die letzten vier Runden waren hart, aber jetzt wollte ich die Führung auch nicht mehr hergeben“, erklärte Ommen über die Kilometer im Morgengrauen des zweiten Tages. „Unglaublich“, staunte Ommen selbst, als sie im Ziel auf ihren Tacho blickte und auch nachrechnete, dass sie in 24 Stunden tatsächlich 756 Kilometer absolviert hatte. „Ich hatte fast immer eine gute Gruppe, um mich herum und konnte viel im Windschatten fahren. Das ist schon eine riesige Kraftersparnis. Allein gegen den Wind hätte ich sicher nicht so viele Runden geschafft“, erklärte Ilse Ommen und verwies auf die verschiedenen Reglements unterschiedlicher 24-Stunden-Rennen. Während bei einigen Klassikern das Windschattenfahren verboten ist, war in Nortorf das Teamwork offiziell erlaubt.

Perfekte Zusammenarbeit demonstrierten auch die Flensburger Morten Palau und Topias Thomsen in der Duo-Wertung, bei der jeweils ein Fahrer pro Team auf der Strecke war. Die Flensburger blieben von Anfang an in der Spitzengruppe und schlugen ein hohes Tempo an. Alle zwei Runden wechselten sich die Flensburger ab. Während nach und nach immer mehr Teamfahrer aus der Spitzengruppe abfielen, hielten die Männer von der Förde ihre Geschwindigkeit hoch, bis schließlich auch das letzte verbleibende Konkurrenz-Duo nicht mehr mithalten konnte. Insbesondere der erst 21-jährige Morten Palau imponierte mit unerschütterlicher Tempohärte. „Das hätten ihm viele nicht zugetraut, aber ich habe nie gezweifelt. Cool gemacht von ihm“, zollte die routinierte Thomsen seinem jüngeren Teamgefährten Respekt. Mit 868 Kilometern (Schnitt 36,4 km/h) fuhren die Flensburger eine Bestmarke, die auf dem Nortorfer Kurs bislang noch nicht einmal ein Viererteam geschafft hatte.

In der Einzelwertung fuhr mit Lars Nacke ein weiterer TriAS-Fahrer im Alleingang mit und schaffte 448 Kilometer (55. Platz).

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