Trainingslager : HSV-Profi Beister: Schuften für das Comeback

Das Knie hält: Maximilian Beister beim Aufbeitraining in der Marineschule Mürwik.
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Das Knie hält: Maximilian Beister beim Aufbeitraining in der Marineschule Mürwik.

HSV-Profi Maximilian Beister befindet sich nach seinem Kreuzbandriss im Aufbautraining. Das Thema Nationalmannschaft ist noch nicht abgehakt.

shz.de von
25. Juni 2014, 06:30 Uhr

Immer wieder fasst er sich an das operierte Knie. Die Angst, dass es nicht hält, ist anscheinend immer noch da. „30 Minuten im Stück kann ich schon wieder laufen“, erzählt Maximilian Beister, der sich mit dem Hamburger SV im Trainingslager in Flensburg und Glücksburg auf die Bundesliga-Saison vorbereitet. Allerdings arbeitet der 23-jährige Fußball-Profi noch nicht mit der Mannschaft, er befindet sich noch im Aufbautraining.

Fünf Monate ist es jetzt her, dass Maximilian Beister einen ersten echten Tiefpunkt in seiner Karriere erlebte: Kreuzbandriss im Winter-Trainingslager. Von einem Vergleich mit Nationalspieler Sami Khedira, der nach sechs Monaten wieder spielte, will der Hamburger nichts wissen. Bei Khedira sei nur das Kreuzband gerissen gewesen. „Bei mir war alles im Knie kaputt – das Kreuzband, Innen- und Außenmeniskus sowie der Knorpel.“

Inzwischen sieht sich Beister auf gutem Weg. Er plant sein Comeback im August. „Aber wenn es dann doch der September wird, wäre das auch kein Weltuntergang. Ich will kein Risiko eingehen, freue mich aber natürlich, wenn es so früh wie möglich klappt.“ Für seinen Wiedereinstieg hat er hart geschuftet. Auf Eigeninitiative reiste er drei Wochen in die USA und absolvierte eine Reha bei Mark Verstegen, der 2006 Fitness-Trainer der Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann war. Beister hatte sich vorher mit einigen Leidensgenossen unterhalten, viele hatten ihm den Trainer-Guru empfohlen. Das Muskelaufbautraining „hat mir sehr geholfen und mich weiter vorangebracht“.

Nach seinem Kreuzbandriss hatte der 23-jährige Hoffnungsträger des HSV viel Zeit zum Nachdenken. Er habe während seiner Verletzung gelernt, dass Geld nichts bedeute, wenn man nicht das machen könne, was einen glücklich mache. Und er hat angefangen, sich ein zweites Standbein aufzubauen für die Zeit nach dem Fußball. „Ich hätte in eine Disco investieren können“, sagt er. „Doch der soziale Aspekt war mir wichtig.“ So kam er auf die Idee, die Nachhilfeschule „Immerschlau“ zu gründen. „Ich hatte damals selbst große Probleme, Schule und Fußball unter einen Hut zu bekommen“, erzählt der ehemalige Junioren-Nationalspieler. Die Schulen in Hamburg und Aachen sind gut angelaufen. Maximilian Beister schaut häufig vorbei und redet mit den Schülern. „Dann ist es einfach schön zu sehen, wenn die anschließend mit einem Strahlen in den Augen von der Nachhilfe nach Hause gehen.“

Die Schule ist nicht sein einziges neues Projekt. Zusammen mit seinem Vater, Freunden und ehemaligen Mitspielern gründete er in der Stadt, in der er aufgewachsen ist, den SC Lüneburg. Das erste Turnier hat das Team hinter sich – und natürlich gewonnen. Beister ist im Vorstand und will so häufig wie möglich vorbeischauen. Er möchte etwas an die Leute zurückgeben, „die mir die ersten Schritte ermöglicht haben“.

Mit seinem Trainer Mirko Slomka hat Beister bislang noch nicht viel geredet, auch nicht im Trainingslager. „Aber das ist okay, er hat genug mit der Mannschaft zu tun“, sagt der Angreifer. So beschränken sich die Gespräche auf die Nachfrage, wie weit die Genesung fortgeschritten ist. Wie hart das Vorbereitungstraining unter Slomka ist, kann der Rechtsaußen noch nicht sagen. Aber aus der Mannschaft habe er gehört, dass es sehr schlaucht. „Wir können im Training keine Geschenke erwarten“, meint er nach der Zittersaison. Die soll es nicht noch einmal geben. „Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben“, erklärt er. Beister ist guter Dinge, dass es klappt und Sturm-Partner Pierre-Michel Lasogga bleibt.

Die WM verfolgt der HSV-Profi mit großem Interesse. Er habe schon erwartet, dass die Südamerikaner eine große Rolle spielen. „Sie sind da zu Hause und kennen das Klima.“ Die 18-Uhr-Spiele sind perfekt, die werden in Glücksburg beim Abendessen geschaut. Aber die Spätspiele müssen ausfallen. Schließlich ist um 8.30 Uhr Frühstück.

Seine eigene Nationalmannschafts-Karriere hat Maximilian Beister noch nicht abgeschrieben. „Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich mich nach der starken Hinrunde nicht verletzt hätte?“ Jetzt kämpft der 23-jährige Fußball-Profi jeden Tag für sein Comeback. Hauptsache, das Knie hält. Die Trainingseinheit in der Marineschule Mürwik lief bestens: „Das Knie wird überhaupt nicht mehr dick.“

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