Handball und die Zuschauerzahlen : Großes Angebot für kleines Publikum

Klein – aber fein: Bei den Oberliga-Heimspielen erleben die Handballer des TSV Hürup lautstarke Unterstützung.
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Klein – aber fein: Bei den Oberliga-Heimspielen erleben die Handballer des TSV Hürup lautstarke Unterstützung.

Die Zuschauerzahlen in Flensburgs Fußballstadien lassen zu wünschen übrig – sind die Handball-Hallen der Umgebung dafür voller? Wir haben uns bei den Drittliga- und Oberliga-Clubs umgehört.

shz.de von
27. Januar 2017, 13:00 Uhr

Im Oktober 2016 begaben wir uns auf die Suche nach Gründen, warum die Heimspiele vom ETSV Weiche Flensburg, Flensburg 08 und TSB Flensburg – trotz der sportlichen Erfolge – zumeist vor mäßig gefüllten Zuschauerrängen stattfinden. „Flensburg ist eben eine Handball-Stadt“, war ein häufig genannter Erklärungsversuch unserer Leserinnen und Leser. Doch geht es den Handballerinnen und Handballern der Region wirklich besser? Mit den Männern der SG Flensburg-Handewitt II und des DHK Flensburg sowie den Frauen vom TSV Nord Harrislee und der HSG Jörl-Doppeleiche Viöl tummeln sich immerhin vier Teams aus der Region in der dritthöchsten deutschen Spielklasse, dazu kommt mit dem TSV Hürup ein Oberligist – sportlicher Erfolg ist also gegeben.

Gespräche mit den Verantwortlichen haben gezeigt: Wenngleich der Schatten der Bundesliga-Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt groß ist, ruft die Zuschauerresonanz bei den Handballern im Großen und Ganzen weniger Sorgenfalten hervor als bei den Fußballern. Dennoch sind auch die Ballwerfer nicht vollends zufrieden. Woran das liegt? Dieser Frage sind wir mit den Verantwortlichen auf den Grund gegangen.

DHK Flensburg

Verglichen mit anderen Teams aus der Region hat der DHK Flensburg, derzeit Zehnter in der 3. Liga Nord, kein Zuschauer-Problem. Bisher kamen 5024 Zuschauer zu den neun Heimspielen, im Schnitt füllten also 558 Menschen die Tribüne in der Idraetshalle – ein Wert, mit dem die Mannschaft von Matthias Hahn in der oberen Hälfte der Zuschauertabelle rangiert. Allerdings begünstigten die Spitzenspiele gegen den HSV Hamburg (1120 Zuschauer) und das Junior-Team der SG (1100) den Schnitt erheblich. Zieht man diese Partien ab, besuchten im Schnitt 400 Leute die weiteren Heimspiele. Ganz zufrieden ist Geschäftsführer Peter Stotz damit nicht. „Es geht immer noch mehr. Wir setzen uns regelmäßig zusammen und denken uns was Neues aus, um noch mehr Leute in die Halle zu kriegen“, erklärt Stotz.

Schon jetzt bietet der DHK seinen Zuschauern einiges: Einlaufshow samt Einlaufkindern, Tanzeinlagen in der Halbzeit, Pressekonferenz nach dem Spiel und sogar ein eigens gebrautes DHK-Bier – das kreative Team um Stotz und Heimspiel-Organisatorin Karin Hörster-Juchum investiert viel Zeit und Mühe, um für ein Handball-Event zu sorgen. Peter Stotz: „Was wir da auf die Beine stellen, kommt in der Region gut an. Mit dem Rahmenprogramm locken wir viele Leute an.“ Dennoch gibt es Ausreißer nach unten. Zur Partie gegen den VfL Fredenbeck kamen nur 276 Handballfreunde.

Dass die „große“ SG die anderen Mannschaften aus der Region erdrückt, glaubt Stotz nicht. „Wenn man seine Sache gut macht, kann man auch in einer gesättigten Stadt bestehen. Jeder muss seine Rolle finden“, meint Stotz, der schon die nächsten Ideen im Kopf hat. „Wir träumen von einer Videowand in der Idraetshalle und denken über eine Live-Übertragung unserer Spiele im Internet auf sportdeutschland.tv nach.“

SG Flensburg-Handewitt II

In der Tabelle der 3. Liga Nord trennt nur ein Platz das Junior-Team vom DHK. Die Differenz beim Zuschauerzuspruch ist deutlich größer. Im Schnitt verfolgen gerade einmal 203 Zuschauer die Heimspiele der Mannschaft von Till Wiechers in der Handewitter Wikinghalle, obwohl der SG-Nachwuchs seit Jahren attraktiven Handball zeigt. „Das ist schon immer so gewesen. Wir können es nicht ändern, obwohl wir schon alles versucht haben“, hat sich Team-Manager Rainer Cordes mit der Situation abgefunden und kennt gleich mehrere Gründe für das geringe Zuschauer-Interesse. „Ob in Lemgo, Hannover, Magdeburg oder Berlin – halbleere Hallen sind bei Bundesliga-Reserven normal. Zweite Mannschaften ziehen einfach nicht, das ist kein Geheimnis. Dazu kommt, dass es in der Region nicht nur durch die SG eine riesige Konkurrenz gibt“, erklärt Cordes. Auch der Wikinghallen-Standort in Handewitt trage seinen Teil zum Problem bei, glaubt der Team-Manager der SG-Youngster. „Dass Kurzentschlossene da erst noch hinfahren müssen, ist nicht ideal. Zudem ist der Schulsporthallencharakter nicht mehr ganz zeitgemäß.“ Hier sei der DHK mit der zentral gelegenen Idraetshalle klar im Vorteil.

TSV Nord Harrislee

Auch die Drittliga-Frauen des TSV Nord Harrislee zeigen mit großer Konstanz hochklassigen Handballsport und stehen derzeit mit Platz drei überaus gut da. Die Anerkennung fällt aber eher bescheiden aus, nur 190 Zuschauer finden durchschnittlich den Weg in die Holmberghalle. „Im Prinzip sind wir damit zufrieden. Wenn man aber sieht, dass wir neben Jörl-Viöl die höchstklassige Frauenmannschaft im Norden sind, müssten es schon 40 bis 50 mehr sein“, meint Ligamanager Wulf Müller-Hülsenitz. Er vermutet, dass Frauenhandball generell als weniger attraktiv erachtet werde. Die Tatsache, dass Nord trotz der mäßigen Besucherzahlen auf dem dritten Platz der Drittliga-Zuschauertabelle rangiert, belegt diese Vermutung. An den Eintrittspreisen wird es nicht liegen, das teuerste Ticket kostet in Harrislee nur fünf Euro. Da in der Vergangenheit auch Maßnahmen wie zusätzliches Rahmenprogramm oder freier Eintritt nicht gefruchtet haben, macht sich bei Nord allmählich Ratlosigkeit breit. „Im Moment weiß keiner, wie wir das hinkriegen. Wahrscheinlich gibt es in der Region einfach ein zu großes und gutes Handball-Angebot“, glaubt Müller-Hülsenitz.

HSG Jörl-Doppeleiche Viöl

Die Frauen der HSG Jörl-Doppeleiche Viöl stehen in der 3. Liga Nord ebenfalls gut da und bekleiden als Aufsteiger derzeit einen starken fünften Platz. Trotzdem kamen zu den bisher sechs Heimspielen insgesamt nur 763 Zuschauer in der Viöler Erich-Wobser-Halle. Die Ursache liegt für HSG-Leiter Carsten Martensen auf der Hand. „Es gibt in der Viöler Sporthalle keine Tribüne und somit für die Zuschauer schlichtweg keinen Komfort. In Anbetracht dessen sind wir mit den Zahlen ganz zufrieden“, erklärt Martensen. Er stellt klar: „Wir sind gefordert und müssen, was die Tribüne angeht, mit der Gemeinde reden.“ Zudem stehe auch die Mannschaft in der Pflicht und müsse weiterhin mit sportlicher Konstanz auf sich aufmerksam machen. „Nur so können wir den Nerv der Leute treffen und sie für Live-Sport begeistern“, glaubt Martensen. Als großes Plus des Vereins sieht der HSG-Leiter den Standort Viöl. „Dass wir durch unsere Nähe zu Husum nicht unmittelbar der großen Konkurrenz in und um Flensburg ausgesetzt sind, ist für uns durchaus positiv. So können wir unser eigenes Publikum finden“, erklärt Martensen.


TSV Hürup

Keine Sorgen um ihre Zuschauer machen sich die Oberliga-Männer vom TSV Hürup. Die enge Paul-Jensen-Halle ist mit etwa 150 Fans stets gut gefüllt und damit – aufgrund ihrer Größe – ausgelastet. „Wir haben das Glück, einen großen vereinsinternen Support zu haben“, freut sich Team-Manager Björn Schlapkohl. Im Vergleich zu anderen Oberligisten sieht er den Tabellensiebten gut aufgestellt. „Bei uns ist es fast immer voll, während die Hallen woanders deutlich leerer sind“, meint Schlapkohl. Die vereinsinterne Unterstützung fördert Hürup unter anderem mit festen Heimspielterminen. So spielt die „Zweite“ in der Regel sonnabends um 14 Uhr, bevor um 17 Uhr die erste Mannschaft zum Ball greift.

Gähnend leere Hallen? Oder gibt es das „gallische Dorf“, in dem die Zuschauer „ihren“ Handballern die Bude einrennen? Was kann man tun, um die Zahlen in die Höhe zu treiben? Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion.sport@shz.de

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