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Fussball : Gewinn für alle: Polizei-Sportverein nimmt 18 iranische Fußballer auf

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

18 iranische Kicker sollen beim Polizei SV Flensburg eine neue Heimat finden und in die erste und zweite Männermannschaft integriert werden. Initiiert wurde das Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutsch-Iranischen Kulturverein.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2015 | 18:14 Uhr

Auf dem Fußballplatz an der Westerallee laufen 24 Spieler einem Ball hinterher. Abpfiff: Die Fußballer klatschen einander ab. „Dankeschön, das war sehr gut“, sagt Hassan Shabahati zu den Trainern Uwe Wittenbecher und Wolfgang Boy. Er ist einer von 18 Iranern, die in den kommenden Monaten in die erste und zweite Herrenmannschaft des Polizei-Sportvereins Flensburg (PSV) integriert werden sollen.

Bereits seit einem Jahr existiert eine Mannschaft aus Spielern verschiedener Nationalitäten, geleitet von Trainer Esmail Haddadian. „Wir haben einen Sportverein gegründet und registrieren lassen“, erzählt Jafar Safiz, Vorsitzender des Deutsch-Iranischen Kulturvereins. „Doch es gab keine Sportplätze, auf denen wir spielen konnten.“ Also wandte sich Saviz an Peter Rohrhuber, den Integrationsbeauftragten der Stadt Flensburg. Rohrhuber vermittelte Svaviz an den PSV.

„Zunächst wollten sie als eigenständiger Verein auf unserer Anlage spielen“, sagt Holger Söderberg. „Das ist allerdings schwierig. Also haben wir vorgeschlagen, nicht beim, sondern mit dem PSV Fußball zu spielen“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter. Die Idee sei es, die Spieler in die bestehenden Mannschaften zu integrieren.

Der Polizei-Sportverein erhofft sich von dem Projekt Zuwachs für seine Seniorenmannschaften. Bereits Mitte Oktober hatte der PSV im Anzeigenblatt „Wochenschau“ mit einer Anzeige um Neuzugänge geworben – gerne auch Flüchtlinge.

In der vergangenen Woche setzten sich Verantwortliche des PSV und des Deutsch-Iranischen Kulturvereins zusammen. „Es war ein sehr konstruktives und effizientes Gespräch“, sagt Saviz. Beide Seiten waren sich einig, dass so schnell wie möglich begonnen werden müsse – noch vor der Winterpause. So fand am Dienstag ein erstes Kennenlernen statt. 60 Minuten lang spielten die PSV-Spieler gemeinsam mit den Neulingen zwölf gegen zwölf.

Und wie kommt das Projekt bei den Fußballern an? „Die positive Reaktion zeigt sich allein an der Trainingsbeteiligung“, sagt PSV-Ligamanager Wolfgang Balke. „So viele Spieler sind sonst nie beim Training.“ Die Neulinge sind ebenfalls begeistert und bedanken sich mehrmals.

„Das hat Spaß gemacht“, freut sich der 24-Jährige Hasan Mirzai. Der Afghane kam vor sechs Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Vor vier Jahren fing er an, Fußball zu spielen – auf der Straße. Seit 2012 spielt er beim TSV Nord Harrislee Volleyball.

Und wie geht es jetzt weiter? Die Neulinge müssen Mitglieder im PSV werden. Bei Bedarf natürlich für einen geringeren Beitrag, aber nicht kostenlos. Zum einen sei es eine Sache der Ehre, sagt Saviz. „Außerdem erkennen sie den Wert nicht, wenn etwas umsonst ist.“

PSV-Trainer Uwe Wittenbecher: „Vielleicht gehen wir im Januar nochmal in eine Halle zum Fußball spielen. Ansonsten sehen wir uns Anfang Februar, wenn die Vorbereitung startet.“ Da erste und zweite Mannschaft generell zusammen trainieren, werde auch weiterhin ein gemeinsames Training mit den Kickern aus dem Iran stattfinden. „Dann werden die Neuzugänge leistungsabhängig auf die Mannschaften aufgeteilt“, sagt Wolfgang Boy, Coach der zweiten Mannschaft. Auch der iranische Trainer Esmail Haddadian soll als Co-Trainer in eins der Teams aufgenommen werden.

Und wie ist der erste Eindruck der Trainer? „Zwei Spieler würde ich in die erste Mannschaft nehmen“, sagt Uwe Wittenbecher. „Die anderen sind alle gute Straßenfußballer, aber da fehlt noch etwas.“ Es werde aber keiner nach Hause geschickt, sagt Wolfgang Boy.

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