WOHIN geht die Entwicklung beim “Flens-Cup“ ? : Futsal wieder in der Diskussion

Futsal vor überschaubarer Kulisse: Timo Carstensen (TSB) gerät im Spiel gegen den FC Wiesharde ins Straucheln.
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Futsal vor überschaubarer Kulisse: Timo Carstensen (TSB) gerät im Spiel gegen den FC Wiesharde ins Straucheln.

Ist die südamerikanische Variante nun die Zukunft – oder doch nur der „unbeliebte kleine Bruder“ des Hallenfußballs ? Nach dem “Flens-Cup“ am vergangenen Freitag gibt es wieder Gesprächsbedarf.

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31. Januar 2018, 11:00 Uhr

„Wir vom KFV sind mit dem Ablauf des Turniers und der Zuschauerresonanz hoch zufrieden. Eine solche Veranstaltung steht und fällt mit den Fans, die ihre Mannschaften großartig unterstützt haben.“ So Holger Sohrweide, damaliges Vorstandsmitglied des Kreisfußballverbandes (KFV) Schleswig-Flensburg.

Das Zitat stammt aus dem Jahr 2015 und bezieht sich auf den „Flens-Cup“, die damals noch inoffiziellen Hallen-Kreismeisterschaften im Fußball. Damals wurde Hallenfußball gespielt, Regionalligist ETSV Weiche gewann das Finale 2:1 gegen Schleswig 06, und 1600 Zuschauer sorgten für prima Stimmung.

Drei Jahre später. Der SC Weiche Flensburg 08 schickt die dritte Mannschaft, Schleswig 06 hat gar nicht erst gemeldet. Ungefähr 500 Zuschauer – immerhin mehr als im Vorjahr – sind gekommen, große Fangruppen sind nicht auszumachen. Ein Blick in die Gesichter der Verantwortlichen des KFV reichte, um zu erkennen: Glücklich sind sie nicht mit „ihrem“ Flens-Cup.

Woran liegt es? Daran, dass die Zuschauerzahl bei Fußballspielen allgemein rückläufig ist? Oder daran, dass Spieler, Trainer und auch Fans mit der Hallenfußball-Variante Futsal nach wie vor fremdeln? André Hagge, Torhüter beim Turniersieger TSB Flensburg, sagt: „Ich mag Futsal nicht, weil es auf kleine Tore gespielt wird. Vielleicht bin ich aber auch schon zu alt dafür, weil ich mit anderem Hallenfußball groß geworden bin.“ Sein Trainer Jan Hellström befindet: „Die Futsal-Regeln finde ich eigentlich ganz okay, aber dass auf kleine Tore gespielt wird, ist nicht gut. Zudem würde das Spiel mit Bande schneller sein.“

Es gab am vergangenen Freitag nur wenige attraktive Partien. Ausnahme: Das Vorrundenspiel um den Gruppensieg zwischen dem TSB und Stern Flensburg, das die „Sterne“ 4:3 gewannen. Gegenbeispiel Halbfinale: In zwei Partien (24 Minuten Gesamt-Spielzeit) fiel nicht ein einziges Tor aus dem Spiel heraus. Die Trainer Lars Meyer (Stern) und Henning Natusch (SC Weiche 08 III) kündigten bereits an, für 2019 nicht mehr melden zu wollen. Meyer dazu: „Futsal ist okay – dann müssen aber auch die Schiedsrichter geschult werden. Da gab es große Probleme.“

Offizielle Hallenmeisterschaft gleich Futsal – so haben es Deutscher Fußball-Bund, Schleswig-Holsteinischer Fußballverband und auch der KFV verfügt. Interessant in diesem Zusammenhang: Beim Hallen-Masters des SHFV, seit Jahren der Zuschauer-Magnet im Norden, ist keine Rede von Futsal – in Kiel wird auf Kunstrasen Hallenfußball gespielt. Henning Stüber, Trainer des Kreisligisten Grün-Weiß Tolk, und früher mit dem FC Angeln 02 oftmals beim „Flens-Cup“ dabei, fordert: „Den Flens-Cup wiederbeleben. Wenn der SHFV will, dass es eine Futsal-Kreismeisterschaft gibt, soll man eine anbieten – aber vorher stampft der SHFV bitte sein Hallenmasters in der jetzigen Form ein und steigt auf Futsal um. Da sitzen da jedoch statt 8000 nur noch 800 Zuschauer.“

Es gibt entschiedene Gegner, aber auch engagierte Befürworter der südamerikanischen Variante des Hallenfußballs. Das ergab eine Facebook-Umfrage unserer Redaktion. Viele regen eine Kombination an – das Spiel mit der Bande und Fünf-Meter-Tore vom „alten“ Hallenfußball, dazu die Vier-Sekunden-Regel, die kumulierten (angesammelten) vier Fouls und der Ball vom Futsal. Wenn es so weitergeht wie bisher, könnte die Vision von Henning Henningsen, Trainer des FC Sörup-Sterup, bald Realität werden: „In der jetzigen Form wird’s bald direkt die Endrunde geben, weil nicht genügend Mannschaften teilnehmen.“

Stimmen:

„Viele Vereine bleiben beim Fußball, aber mit dem Futsal-Ball. Folge: Weniger Agressivität, weniger Gebolze. In meinen Augen ist dies der interessantere Mittelweg.“

(Torben Schulz, Trainer Eintracht Eggebek)

„Ich denke, der Fußball bietet genug Platz für beide Formen. Beide haben für Spieler und Fans Vor-und Nachteile. Es wäre ein Fehler, zu sagen: Es gibt nur noch das.“

(Julian Dalkowski)

„ Unbedingt Futsal! Ich trainiere seit zwölf Jahren A-Jugendliche und habe miterlebt, wie die Jugendlichen mit Futsal „groß werden“. Das ist der richtige Weg und sollte im Seniorenfußball fortgeführt werden.“

(Jörg Kasischke, Trainer A-Junioren FSG Mittelangeln)

„Die Attraktivität des Spiels hat definitiv unter der flächendeckenden Einführung des Futsals gelitten. Eine Kombination aus beiden Varianten, wie bei einigen Einladungsturnieren praktiziert, bietet den größten Reiz.“

Henning Henningsen (Trainer FC Sörup-Sterup)

„Gerade im Seniorenbereich stehen oft keine Hallenzeiten zur Verfügung, um Futsal intensiv zu trainieren. Das Regelwerk vom Masters in Kiel wäre wohl für Trainer, Spieler und auch Zuschauer ein toller Kompromiss, mit dem alle perfekt leben könnten.“

Mario Petersen

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