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Regionalliga : Fußball gerät zur Nebensache

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Riesen-Aufregung um die Anstoßzeit in Weiche. Flensburger schlagen SV Wilhelmshaven mit 3:0 und stoppen ihre Negativserie.

Zurück in der Erfolgsspur: Mit einem 3:0 (1:0)-Heimerfolg gegen den SV Wilhelmshaven hat der ETSV Weiche wieder Anschluss an die oberen Tabellenplätze in der Fußball-Regionalliga hergestellt. Der Sieg gegen die Niedersachsen, die zuvor sieben Spiele nicht verloren hatten, war allerdings knapper, als es das Ergebnis aussagt. „Wir haben nicht gut gespielt“, gab Christian Jürgensen zu. „Man hat gesehen, dass die fünf sieglosen Spiele nicht spurlos an uns vorbeigegangen sind.“ Der Innenverteidiger zählte aber zu den Flensburger Sieggaranten. Zusammen mit Matthias Hummel organisierte er die Abwehr der Heimmannschaft hervorragend, so dass Wilhelmshaven über 90 Minuten nicht eine echte Möglichkeit besaß. Die Weicher spielten dagegen sehr effektiv: Sie machten aus vier Chancen drei Tore.

Das Fußballspiel geriet nach dem Abpfiff schnell in den Hintergrund. Auf der Pressekonferenz kochten die Emotionen hoch. „Riesenlob an Eintracht Braunschweig“, begann SVW-Coach Farat Zoku sein Statement in Flensburg. Dieser Verein hätte seinem Team nach verspäteter Ankunft 40 Minuten Zeit zur Vorbereitung eingeräumt. „Hier waren es erst gar keine, dann zehn Minuten. Auf das Rückspiel freuen wir uns schon sehr.“ Die Wilhelmshavener waren um 5.45 Uhr gestartet, steckten auf Grund des Ferienbeginns und der Probleme am Nord-Ostsee-Kanal aber lange im Stau und fuhren nach über 360 Kilometern erst 30 Minuten vor dem regulären Spielbeginn auf dem Parkplatz in Weiche vor. SVW-Manager Peter Schöne hakte nach: „Das ist kein Fairplay.“ Einen Schuldigen hatten die Niedersachsen schnell gefunden: Weiches Trainer Daniel Jurgeleit.

Der gerade erst vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband mit dem Fairplay-Preis ausgezeichnete Flensburger Coach (er hatte im Landesduell gegen Neumünster kurz vor dem Anpfiff darüber informiert, dass ein Spieler gesperrt sei) wollte diese Angriffe nicht unkommentiert lassen. „Wir leben hier in Weiche seit Jahren das Fairplay vor und haben die Fairplay-Wertung in den letzten drei Jahren gewonnen.“ Er erklärte, dass Schiedsrichter Daniel Riehl trotz der Wilhelmshavener Verspätung pünktlich anpfeifen wollte. Daraufhin hätte er sein Team zum Warmmachen rausgeschickt. Nach Wilhelmshavener Beschwerden hätte der Unparteiische ihn noch einmal zu sich gerufen. „Da habe ich gesagt, dass es okay ist, wenn wir zehn Minuten später anfangen“, erklärte der sonst eher besonnene 49-Jährige. Nicht er, sondern der Schiri habe die Anstoßzeit festgelegt, wie vor einigen Wochen, als die Partie gegen den VfB Oldenburg mit 84 Minuten Verspätung begann.

Die aufgeheizte Stimmung war auch schon auf dem Spielfeld spürbar. In der 45. Minute gerieten SVW-Torhüter Aron Siegl und Christian Jürgensen aneinander. Beide standen sich Kopf an Kopf gegenüber. Es kam zur Rudelbildung. „Er hat mich beleidigt“, erzählte der Flensburger hinterher. „Aber ich lasse mich nicht provozieren.“ Kein Halten gab es aber für Dario Fossi, der ohne Grund auf das Spielfeld stürmte. Der aufgebrachte Co-Trainer der Wilhelmshavener ging auf Jürgensen los und wurde erst im letzten Augenblick gebremst. Auch ETSV-Torjäger Tim Wulff versuchte zu schlichten, erhielt aber dafür seine fünfte Gelbe Karte und muss nun ein Spiel pausieren. Fossi sah Rot. Schiedsrichter Riehl tat das einzig Richtige, pfiff gar nicht wieder an und schickte die Hitzköpfe in die Kabine. Nach der Pause tat Fossi, als wäre nichts gewesen und nahm wieder auf der Bank Platz. Erst nach erneutem Einschreiten von Riehl ging er auf die Tribüne.

Fußball wurde natürlich auch gespielt. In den ersten 20 Minuten tat sich Weiche sehr schwer. Immer wieder ging der Ball in der Vorwärtsbewegung verloren, weil die Wilhelmshavener gut gestaffelt standen. „Die Passgenauigkeit und die Bewegung im Angriff fehlten“, meinte Jurgeleit. Erst mit einem schönen Flügelwechsel von Christian Melfsen wurde der SVW-Abwehrriegel geknackt. Florian Meyer flankte auf Tim Wulff, der die erste Flensburger Chance per Kopf zum 1:0 (38.) eiskalt nutzte.

Nach dem Wechsel hatte Weiche mehr Platz. Nach einer Kopfballverlängerung von Wulff lief Jannick Ostermann allein auf Siedl zu und schob den Ball am SVW-Keeper vorbei zum 2:0 (56.) ins Netz. Nach einer weiteren guten Chance für Jürgensen (82.) und einem Abseitstor von Wulff (85.) gab es noch einen sportlichen Höhepunkt. Der zum ersten Mal nach seiner Reamateurisierung zu Hause eingewechselte Ilidio Pastor Santos nahm Aljoscha-Lartey Hyde den Ball ab, flankte auf Jonas Walter, der mit seiner ersten Ballberührung das 3:0 (89.) besorgte. Das gefiel Jurgeleit. „Wenn zwei eingewechselte Spieler ein Tor machen, hat der Trainer alles richtig gemacht.“

Aber ein freundschaftlicher Abschied nach der Partie fiel aus. Schon 45 Minuten nach dem Abpfiff war der Wilhelmshavener Bus verschwunden. Derweil analysierte Jurgeleit noch einmal das Spiel. „Wir haben keine Sicherheit gehabt. Aber das ist normal, wenn man fünf Spiele nicht gewonnen hat. Da ist es einfacher gegen Bremen oder Wolfsburg“, meinte der Flensburger Coach. „Aber wir haben uns reingekniet, keine Torchance zugelassen und verdient gewonnen.“ Diesmal nahm Jurgeleit sogar die sechs Gelben Karten (so viele wie noch nie) in Kauf. „Heute waren die drei Punkte wichtiger.“

ETSV Weiche: Kirschke - Melfsen (67. Santos), Hummel, Jürgensen, Böhnke - Thomsen, Hasanbegovic - J. Ostermann, F. Meyer - Wulff (86. Walter), M. Meyer (88. Cornils).

SV Wilhelmshaven: Siegl - Braun, Plendiskis, Eleftheriadis, A. Hyde - Tietz - Ficara, Alfieri, Scheffler (60. Gödde), Buduar (60. Kawachi) - Loheider (70. Abou Khalil).

Schiedsrichter: Daniel Riehl (Schwachhausen).

Tore: 1:0 Wulff (38.), 2:0 J. Ostermann (56.), 3:0 Walter (89.).

Zuschauer: 418 zahlende.

Beste Spieler: Hummel, Jürgensen, Wulff / Ficara, Alfieri.

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erstellt am 07.Okt.2013 | 08:00 Uhr

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