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Integration und Hilfe für Asylbewerber : Flüchtlingshilfe in SH: Der Sport packt an

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie machen keine großen Worte, sondern packen an: Auch die Sportler und Sportlerinnen aus dem Norden engagieren sich für Flüchtlinge – mit Kursangeboten, Training, Spendenaktionen und vielem mehr.

Flensburg/Satrup/Schleswig/Ohrstedt | In ganz Schleswig-Holstein starten in diesen Tagen Kursangebote, Trainings oder Spendenaktionen für Flüchtlinge. Eine Auswahl:

Flensburg: Schwimmkurse für Flüchtlinge

Schwimmkurs für Flüchtlinge im Flensburger Campusbad.
Schwimmkurs für Flüchtlinge im Flensburger Campusbad. Foto: Dewanger
 

Petra Obermark hat glücklicherweise vorgesorgt. Die Trainerin hat zum ersten Schwimmen mit Flüchtlingskindern Badeanzüge, Schwimmbrillen und Handtücher mitgebracht. „Alles in unserer Abteilung gesammelt“, sagt sie. Neun Flüchtlingskinder sind bei der Premiere dabei. Monika Düben, ebenfalls Schwimm-Trainerin, hat sie von der Comenius-Schule abgeholt und zum Campusbad gefahren.

Beim TSB Flensburg, mit über 4000 Mitgliedern und 22 Sparten der größte Verein der Stadt Flensburg, spielt das Thema Flüchtlinge zunehmend eine Rolle. „Wir haben in den Abteilungen gerade einen Aufruf gestartet, wie viele Flüchtlingskinder sie aufnehmen können“, berichtet Obermark. Denn die Zahl der Zuflucht Suchenden ist in den vergangenen Wochen in der Fördestadt sprunghaft angestiegen. Der TSB will helfen und kooperiert mit dem Verein „Flüchtlingshilfe e.V.“. Im Verein sind alle Gruppen offen für Flüchtlinge. „Nur so lernen sie schnell die deutsche Sprache und werden auch schnell integriert“, sagt Petra Obermark. Allerdings gibt es schon jetzt Probleme bei der Beförderung zu den Sportstätten. „Wir haben nur zwei Vereinsbusse, und die sind schon im Dauereinsatz.“ Auch weil dem Verein Sporthallen, die zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert wurden (Gemeinschaftsschule West), plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehen. Obermark: „Da sind wir auf Freiwillige oder Sponsoren angewiesen. Auch wir stoßen an unsere Grenzen.“

Die Flüchtlingskinder haben beim Schwimmen ihren Spaß, tummeln sich im Wasser und lassen sich von Kay Landrock, ihrem Sportlehrer aus der Comenius-Schule (Foto), anleiten. „Wir hoffen, dass sie ab jetzt regelmäßig kommen“, sagt Landrock. „Denn wenn man am Wasser lebt, sollte man auch schwimmen können.“ Das können die meisten Flüchtlingskinder aber noch nicht.


Satrup: Flüchtlingshilfe auf und neben dem Platz

Kicken gemeinsam: die Satruper Altliga (weiße Trikots) und das “United Soccer Team Satrup“.
Kicken gemeinsam: die Satruper Altliga (weiße Trikots) und das “United Soccer Team Satrup“. Foto: sh:z
 

Anfang des Jahres waren es nur drei Kosovo-Albaner, im Juni stießen sieben Syrer hinzu – heute sind etwa 60 Flüchtlinge aus sechs Nationen ins Vereinsleben des TSV Nordmark Satrup integriert. Ziel sei es, den Flüchtlingen aus Afghanistan, Eritrea, Syrien, dem Kosovo, Somalia und aus dem Irak einen Fixpunkt im Alltag zu geben, sagt Florian Dechow, Fußball-Obmann des TSV Nordmark Satrup. Die Trainingseinheiten dienten auch dazu, den Asylbewerbern die deutsche Sprache näher zu bringen.

Es gäbe einen „immensen Zulauf“ fußballbegeisterter Jugendlicher. Der Verein habe fast 40 Passanträge für Jugendliche gestellt, so Dechow. Die Zahl ändere sich allerdings von Woche zu Woche. „An manchen Tagen stehen plötzlich ein oder zwei Spieler mehr auf dem Platz“, sagt der TSV-Fußballobmann. Mittlerweile müsse der Verein zwei Mannschaften mehr unterbringen, berichtet Dechow. Dies sorge natürlich für akute Platzprobleme. Man müsse sich arrangieren, aber das ganze Projekt werde „wirklich gut von Spielern und Verein getragen.“

Als Beispiel für gelungene Integration gilt Nagmar Osman, der selbst als Flüchtling in den Verein kam. Heute trainiert er gemeinsam mit Dechow die sechste TSV-Herrenmannschaft, auch als „United Soccer Team Satrup“ bekannt.

Das Flüchtlingsteam absolvierte bereits ein erstes Freundschaftsspiel (4:4 gegen die eigene Altliga). Im Vordergrund stehe aber vor allem die Integration der Flüchtlinge in die bestehenden Mannschaften des Vereins.

Dechow hat zahlreiche tatkräftige Mitstreiter – beispielhaft seien hier Tomas Malz und Christian Kunde sowie die Jugendtrainer der FSG Mittelangeln genannt.


Friedrichsberg: „Die Kinder kommen zu uns“

TSV Friedrichsberg-Busdorf.

TSV Friedrichsberg-Busdorf.

Foto: TSV Friedrichsberg-Busdorf.
 

Etwa 300 Flüchtlinge sind in Kasernen und Privathaushalten in Schleswig und Umgebung untergebracht. Für den TSV Friedrichsberg-Busdorf ist dies keine besondere Herausforderung. Seit mehr als 20 Jahren setzt sich der Verein in gemeinsamen Projekten mit dem Landessportverband (LSV) für die Integration von Migranten ein. Der Verein arbeitet seit Jahren mit der Bugenhagenschule „von nebenan“ zusammen, die auch ein Zentrum für „Deutsch als Muttersprache“ (DaZ) ist.

„Die Kinder kommen nach der Schule direkt zu uns rüber“, sagt die TSV-Vorsitzende Birgit Berwald. Das Ziel sei es, Sprachbarrieren zu überbrücken und Flüchtlingskinder an den Sport heranzuführen.

Nach einer kurzen Orientierungszeit sollen die Asylbewerber offiziell ins Vereinsleben aufgenommen werden. „Sie müssen einen Mitgliedsantrag ausfüllen und zahlen einen Beitrag von einem Euro pro Monat“, erklärt Berwald. Aus Erfahrung weiß der Verein, dass Flüchtlinge ausdrücklich keine Geschenke haben wollen.

Das TSV-Sportangebot wird unter anderem in Kürze auch in arabischer Sprache abgedruckt, um Asylbewerber direkt ansprechen zu können. Hilfreich: Migranten, die bereits seit Jahren in den Verein integriert sind, fungieren als Dolmetscher.


Ohrstedt: Handballer gegen Rassismus

 

Gemeinsam ein Zeichen setzen: Die Handballer der HSG Ohrstedt-Ostenfeld (SZOWW) stellen ihre Landesliga-Heimspiele (Männer und Frauen) in der Ohrstedter Heinrich-Carstensen-Halle am Sonnabend (ab 16 Uhr) unter das Motto „Refugees Welcome“. Die beiden Landesliga-Mannschaften hatten vor Kurzem zu einer Spendenaktion aufgerufen. Mehr als 25 weitere Vereine, Firmen und Privatpersonen beteiligten sich mit Geld- und Sachspenden an der Aktion. Das für die Flüchtlinge eingerichtete Spendenkonto „explodiert“ förmlich: Mittwoch Mittag lag die Spendensumme noch bei knapp 600 Euro, gestern Morgen waren bereits bei mehr als 1500 Euro. „Es ist unglaublich, was sich hier im Moment tut“, sagt Heiko Lohr aus der ersten Herrenmannschaft und lobt den Einsatz der Region.

Spenden an Förderverein Liga-Handball:

IBAN: DE 90 2175000000000111 14
Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe
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erstellt am 18.Sep.2015 | 06:00 Uhr

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