Fussball-Regionalliga : Flensburger Höhenflug gestoppt

Einen schweren Stand hatte Weiches Torjäger Tim Wulff (Mitte), der hier vom Rehdener Marius Winkelmann gestoppt wird.
Einen schweren Stand hatte Weiches Torjäger Tim Wulff (Mitte), der hier vom Rehdener Marius Winkelmann gestoppt wird.

ETSV Weiche verliert Heimspiel gegen Rehden mit 0:2. Trainer Daniel Jurgeleit: „Absolut ärgerlich“

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18. November 2013, 08:00 Uhr

Rückschlag auf dem Weg nach oben. „Absolut ärgerlich“, nannte Daniel Jurgeleit die 0:2 (0:0)-Heimniederlage gegen den BSV SW Rehden. Der Trainer des ETSV Weiche sieht sein Team noch nicht als Spitzenmannschaft. „Dann müssen wir solche engen Spiele gewinnen.“ Während die Flensburger in der Tabelle der Fußball-Regionalliga vom dritten auf den vierten Platz abrutschten, feierten die abwehrstarken Niedersachsen nach sechs Unentschieden und einer Niederlage den ersten Sieg auf des Gegner Platz.

Schon vor dem Anpfiff gab es die erste Hiobsbotschaft. Nach drei Siegen in Folge wollte Jurgeleit die Elf aufbieten, die zuletzt in Norderstedt 2:1 gewonnen hatte. Aber Christian Jürgensen, bereits auf dem Spielbericht eingetragen, verrenkte sich beim Umziehen. „Der Rücken war total blockiert“, erzählte der Trainer und musste umdisponieren: Micha Dehner rückte in die Innenverteidigung.

Einen Schönheitspreis gab es auf dem unebenen Boden nicht zu gewinnen. „Wir sind unzufrieden mit dem Zustand des Rasens“, schickte Ligamanager Henning Natusch Kritik Richtung Firma, die mit der Platzpflege beauftragt ist. Aber es entwickelte sich ein intensives Spiel, bei dem die Vorteile zunächst klar bei den Gästen lagen. Mit Pressing setzten sie die Flensburger unter Druck. So kam Weiche in der ersten Hälfte kaum zu einem geordneten Spielaufbau. „Wir haben in den ersten 45 Minuten mehr Leidenschaft gezeigt“, meinte Gästetrainer Björn Wnuck, der mit seinem Team bereits einen Tag vor dem Spiel angereist war.

Aber klare Chancen ließ die Abwehr des ETSV Weiche nicht zu. Auch zwei Fehler von Dehner, der in der Anfangsphase unsicher wirkte, nutzten die Gäste nicht. Die beste Möglichkeit im ersten Durchgang hatten die Flensburger. Jonas Walter (35.) setzte einen Freistoß aus fast 30 Metern an die Latte. Rehdens Torhüter Milos Mandic hatte mit einer Flanke gerechnet und stand viel zu weit vor seinem Kasten. Trotzdem dominierten die Gäste im Mittelfeld klar. Und als Alexander Neumann (38.) sich im Fünf-Meter-Raum um Christian Dammann drehte, aber am schnell reagierenden Weicher Torhüter Florian Kirschke scheiterte, sah sich Jurgeleit zum Handeln gezwungen. Er holte schon nach 39 Minuten Marcel Cornils, den Doppeltorschützen vom letzten Heimspiel, vom Platz und brachte für den Stürmer mit Nedim Hasanbegovic einen kampfstarken Mittelfeldspieler. „Wir hatten im Umschaltspiel Probleme. Ich musste auf die Präsenz des Gegners reagieren.“

Der Wechsel zeigte Wirkung. Nach der Pause attackierten die Flensburger früher und setzten Rehden damit unter Druck. „Da kann das Spiel kippen“, meinte Wnuck, der jetzt immer unruhiger an der Linie auf und ab lief. Jetzt war Weiche drauf und dran, die zweitbeste Abwehr der Liga zu knacken. Nach einem Konter spielte Florian Meyer in die Mitte, wo Jonas Walter (51.) acht Meter vor dem Tor völlig frei stand. Aber ein Platzfehler ließ den Ball springen und Walter ein Luftloch schlagen. „Normalerweise haut er aus der Entfernung den Torwart mit ins Netz“, meinte Kapitän Marc Böhnke. Zehn Minuten später narrte Patrick Thomsen im Mittelfeld zwei Gegenspieler und bediente Tim Wulff, der allein auf Mandic zulief. Doch anstatt den Ball vielleicht selbst am Torhüter vorbei zu schieben, passte er in die Mitte, wo Florian Meyer mitgelaufen war. Aber der Rehdener Marius Winkelmann klärte in höchster Not. „Zwei Mann laufen allein auf den Torwart zu, dabei muss einfach mehr herauskommen“, ärgerte sich Jurgeleit. „Wenn der Ball drin ist, geht das Spiel anders aus.“

Für Marc Böhnke war es eigentlich ein typisches 0:0-Spiel. Für ihn stand fest: „Wer hier das erste Tor macht, geht als Sieger vom Platz.“ So war es. Mitten in die Weicher Dominanz fiel die Gäste-Führung. Ein Standard entschied die Partie zweier Teams, die bei der Effektivität nach ruhenden Bällen zur Spitze in der 4. Liga zählen. Nach einer scharf getretenen Ecke von Florian Stütz stand Abwehr-Hüne Michael Wessel am ersten Pfosten goldrichtig und wuchte den Ball mit dem Kopf unhaltbar zum 0:1 (77.) ins Netz. Das Flensburger Aufbäumen brachte nichts mehr ein. Vielmehr spielten die Gäste einen Konter gegen die entblößte ETSV-Defensive schön zu Ende. Winkelmanns Pass vollendete der auffällige Danny Arend zum 0:2 (87.). Zwei wichtige Erkenntnisse zog Jurgeleit aus der Niederlage. Erstens: „Wir fangen uns in letzter Zeit zu viele Gegentore aus Standards ein.“ Zweitens: „Wir müssen unsere Chancen noch besser nutzen.“

Trotzdem: Der Flensburger Höhenflug hat sich in der Fußball- Szene herumgesprochen. Spielbeobachter von Union Berlin, Red Bull Leipzig und FC Jena waren schon da. Am Sonnabend reiste Ex-Nationalspieler Herbert Zimmermann, Scout des 1. FC Köln, nach Flensburg. Wen er sich anschaute? Henning Natusch konnte nur spekulieren: „Vielleicht Florian Meyer, Patrick Thomsen, Florian Kirschke oder Jannick Ostermann – wir wissen es nicht genau.“

ETSV Weiche: Kirschke - Dammann, Hummel, Dehner (83. T. Carstensen), Böhnke - Thomsen - Walter (73. Ilidio), J. Ostermann, F. Meyer - Wulff, Cornils (39. Hasanbegovic).
BSV SW Rehden: Mandic - Pekrul, Wessel, Krogemann, Stütz - Gunkel - Makangu (86. Tomic), Artmann (70. Hirooka), Winkelmann, Arend - Neumann (83. Koweschnikow).
Tore: 0:1 Wessel (77.), 0:2 Arend (88.).
Schiedsrichter: Johann Pfeifer (HSC/BW Tündern). – Zuschauer: 504 zahlende.
Beste Spieler: J. Ostermann, Thomsen / Arend, Wessel, Krogemann.

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