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Fussball : Flensburger auf dem Sprung zum Profi

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tayfun Can ist Kapitän der A-Junioren von Holstein Kiel. Nach Schulschluss fährt der 17-Jährige vier Mal pro Woche mit dem Zug zum Training.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 08:00 Uhr

„Ich habe seit langer Zeit mal wieder einen Spieler des jüngeren Jahrgangs zum Kapitän bestimmt, er ist ein außergewöhnlicher Fußballer“, sagt Frank Drews, der Bundesliga-Trainer der A-Junioren von Holstein Kiel. Die Rede ist vom 17-jährigen Flensburger Tayfun Can, der in Kiel die Nummer 10 trägt.

Das Fußballspielen wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt, Vater Yakup war selber viele Jahre als Fußballer in der Region aktiv und ist heute sein größter Förderer. Mit sechs Jahren wagte Tayfun beim TSB Flensburg die ersten Gehversuche im Fußball. Um seinem Ziel „so hochklassig wie möglich zu spielen“, gerecht zu werden, wechselte er mit 14 Jahren zu Flensburg 08. Hier wurde Holsteins Jugendkoordinator Michael Schwennicke auf den technisch starken Fußballer aufmerksam. „Als der Anruf aus dem Nachwuchsleistungszentrum von Holstein Kiel kam, habe ich nicht lange überlegt“, sagt Tayfun Can.

Seitdem fährt er direkt nach Schulschluss mit dem Zug zu den vier Trainingseinheiten pro Woche. „Ich bin glücklich und erstaunt, welchen Einsatz die Jungs bringen. Solche Fahrten können bei jungen Spielern an die Substanz gehen“, macht sein Trainer deutlich. Den einzigen freien Tag nutzt Tayfun Can, „um Freunde zu treffen, Kraft zu tanken und einfach mal abzuschalten“.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft ist neben den sportlichen Ambitionen eine vernünftige schulische Ausbildung. „Es kann jederzeit eine Verletzung eintreten und dann ist es vorbei mit der Karriere“, sagt Vater Yakup und ist froh, dass Holstein Kiel bei seinen Nachwuchsspielern besonderen Wert darauf legt, dass auch die Schule nicht zu kurz kommt. Seit der 10. Klasse besucht Tayfun Can die Kurt-Tucholsky-Schule (KTS) Flensburg-Adelby. „Die KTS hat das von mir favorisierte Sportprofil angeboten, aber vor allem ist die Akzeptanz für Leistungssport deutlich höher“, sagt der Holstein-Kapitän.

Hausaufgaben und Klausurvorbereitungen werden entweder im Zug oder bei den Auswärtsfahrten erledigt. „Ich muss auf vieles verzichten, aber der Spaß am Fußball und die vielen schönen Momente entschädigen für alles“, sagt der 17-Jährige und ist froh, den Wechsel in das Nachwuchsleistungszentrum vollzogen zu haben. Er spielt seit seinem Wechsel 2011 jedes Jahr in den ersten Mannschaften seines Jahrgangs und durchläuft nebenbei das Fördersystem des Deutschen Fußball Bundes (DFB). Bisher erhielt er eine Einladung zu einem DFB-Sichtungslehrgang, weitere sollen folgen. „Mein Ziel ist, mich für die Jugend-Nationalmannschaft zu empfehlen“, sagt der Flensburger.

Besonders die Erinnerungen an die letzte Bundesliga-Saison mit der B-Jugend sind noch nicht verblasst. Als Tabellenletzter nach der Hinrunde stand die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand. „Der Trainer ernannte mich daraufhin erstmals zum Mannschaftskapitän, weil er neue Impulse setzen wollte. Am Ende sicherten wir uns als Team den Klassenerhalt“, erzählt er mit funkelnden Augen. Sehr präsent ist auch noch der DFB-Futsal-Cup. Bei dem „Turnier mit hohem Spaßfaktor“, belegte der technisch versierte Offensivspieler mit Kiel den überraschenden dritten Platz, setzte sich unter anderem gegen Teams wie Schalke 04, VfB Stuttgart und Hertha BSC durch.

Trotz aller Anerkennung weiß Tayfun Can, dass noch viel Arbeit auf ihn wartet. „Die fußballerischen Möglichkeiten sind sehr gut, seine Entwicklung aber noch lange nicht abgeschlossen. Die Grundvoraussetzungen mit stabiler Familie und angestrebtem Abitur sind gegeben“, sagt sein Coach Frank Drews und ergänzt: „Tayfun wird hoffentlich bei Holstein bleiben, und dann von uns behutsam an den Ligakader herangeführt, alles andere wird man dann sehen.“ Aber noch steht nicht fest, ob Kiel für den Flensburger nur Zwischenstation ist. Er wird mit seinem Einsatzwillen alles dafür geben, irgendwann Profifußballer zu werden.

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