FuSSball : Elfmeter sorgt für Weiches K.o.

Bissiger Flensburger:Nedim Hasanbegovic (re.) stoppt  den Wolfsburger Tobias Henneböle.
Bissiger Flensburger:Nedim Hasanbegovic (re.) stoppt den Wolfsburger Tobias Henneböle.

Unglückliche 0:1-Heimniederlage nach einem starken Spiel gegen Spitzenreiter VfL Wolfsburg II. Florian Meyer und Tim Wulff verlängern.

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24. März 2014, 08:00 Uhr

Während die Spieler des VfL Wolfsburg II nach dem Schlusspfiff jubelnd die Hände in die Höhe rissen, schlichen die Fußballer des ETSV Weiche mit gesenkten Köpfen vom Platz. „Die Mannschaft tut mir leid“, meinte Flensburgs Liga-Geschäftsführer Harald Uhr nach der unglücklichen 0:1 (0:0)-Niederlage gegen den Bundesliga-Nachwuchs aus der Volkswagen-Stadt, der damit die Tabellenführung in der Regionalliga verteidigte. Die Mannschaft von Daniel Jurgeleit hatte ein klares Chancenplus und zeigte das wohl beste Heimspiel seit ihrer Viertliga-Zugehörigkeit, hatte den Aufstiegsfavoriten mehrfach am K.o., ehe ein Elfmeter, über den man streiten konnte, die späte Entscheidung zugunsten der Gäste brachte.

Selbst Ex-Profi Valérien Ismaël musste nach den nervenaufreibenden 90 Minuten im Manfred-Werner-Stadion erst einmal verschnaufen. „Es war das erwartet schwere Spiel. Weiche hat uns alles abverlangt“, meinte der VfL-Coach, der seinem Team eine sehr disziplinierte Leistung bescheinigte und Torhüter Patrick Drewes hervor hob: „Wir müssen uns bei ihm bedanken, dass wir kein Gegentor bekommen haben.“ Der 38-jährige Franzose gestand: „Ein 0:0 wäre gerecht gewesen. Es ging hin und her. Beide Mannschaften haben um jeden Meter gekämpft.“

Jurgeleit war mit dem Spiel zufrieden, nicht aber mit dem Ergebnis. „Heute hätten wir punkten können“, erklärte der ETSV-Trainer, der trotzdem positive Erkenntnisse im Hinblick auf das Saison-Highlight – das Landespokal-Finale gegen Holstein Kiel – zog: „Wir haben uns gegen einen starken Gegner sehr gut verkauft und gezeigt, dass wir nicht nur hinten drin stehen müssen.“ Harald Uhr legte nach: „Das war ein sensationelles Spiel. Wir haben alles spielerisch gelöst und waren Wolfsburg überlegen.“

Allerdings begann die Partie, wie es alle erwartet hatten. Die mit vier Lizenzspielern angetretenen Wolfsburger machten Druck, spielten sich zu Beginn in der ETSV-Hälfte fest. Der auffällige Kevin Scheidhauer (3.) prüfte nach einem Fehler von Matthias Hummel erstmals Weiches Keeper Florian Kirschke. Dann traf Spielmacher Bastian Schulz (5.) den Pfosten, wurde aber wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen. Zu diesem Zeitpunkt fragten viele der Zuschauer: Wie lange geht das gut?

Doch dann legten die Flensburger ihren Respekt ab. Sie kamen nach einer Viertelstunde erstmals vor das VfL-Tor. Jonas Walter (16.) prüfte mit einem Flatterball Drewes, der mit Mühe zur Ecke klärte. Das war der Weckruf für Weiche. Von nun an bestimmten die Gastgeber das Geschehen und hatten zwei Riesenchancen. Aber Leif Carstensen (20.) traf den Ball nach Kopfball-Vorlage von Patrick Ostermann nicht, und Elmedin Kasumovic, der sah, dass Drewes zu weit vor seinem Kasten stand, setzte einen gefühlvollen Lupfer aus 25 Metern auf die Latte. Wolfsburg hatte in Durchgang eins nur noch einen Schuss ans Außennetz von Scheidhauer (41.) zu bieten.

Nach der Pause spielte eigentlich nur noch Weiche. Mehrfach lag das 1:0 in der Luft. Leif Carstensen (52.) kam nach Pass von Tim Wulff einen halben Schritt zu spät. Dann zielte Kasumovic (62.) noch genauer, doch Drewes lenkte seinen Schuss mit den Fingerspitzen an die Latte. Nur zwei Minuten später jagte der aufgerückte Hummel den Ball nach einer Ecke aus fünf Metern in den Himmel. Und Marc Böhnke (71.), der bei einem Konter allein auf Drewes zulief, spielte zu überhastet in die Mitte und verfehlte den mitgelaufenen Wulff. Wolfsburg hatte bis dato nur eine Chance, als Hummel einen Kopfball von Justin Eilers (57.) auf der Torlinie klärte.

Dann kam die spielentscheidende Szene: Schulz fiel im ETSV-Strafraum nach einem Zweikampf mit Hummel. Schiedsrichter Henrik Bramlage zögerte, pfiff dann aber doch Elfmeter. „Ich habe ihn berührt“, gestand der Flensburger Abwehrchef. Aber die Weicher Spieler regten sich darüber auf, dass in der Aktion zuvor ein Foul gegen Christian Jürgensen nicht gepfiffen worden war. „Das war eine unglückliche Entscheidung des Schiedsrichters“, meinte Kapitän Marc Böhnke diplomatisch. Torjäger Scheidhauer ließ sich die Chance nicht entgehen und traf eiskalt zum 0:1 (85.). Böhnke war genauso fertig wie seine Mitspieler. „Das tut weh. Da spielen wir so gut mit und stehen am Ende nicht einmal mit einem Punkt da.“ Und an Wolfsburgs Adresse ergänzte er: „Mit so viel Glück steigt man auf.“

Das Spiel war noch nicht zu Ende. Aber der erstmals nach seiner langen Verletzung eingewechselte Florian Meyer (88.) scheiterte mit seinem Schuss erneut am überragenden Drewes. Immerhin hatte Harald Uhr an diesem Pechtag noch zwei gute Nachrichten in petto: Spielmacher Florian Meyer hat um zwei Jahre verlängert, Torjäger Tim Wulff sogar um drei Jahre. „Damit sind wir durch und haben alle wichtigen Spieler längerfristig gehalten.“

ETSV Weiche: Kirschke - Dammann, Hummel, H. Ostermann, Böhnke - Thomsen - Hasanbegovic, Kasumovic (76. F. Meyer), Walter (87. T. Carstensen) - L. Carstensen (62. Jürgensen), Wulff.

VfL Wolfsburg U23: Drewes - Korczowski, Klamt, Henneböle, Poggenberg - Yazgan - Eilers (87. Schlimpert), Schulz, Erkic (73. Sonnenberg) - Tankulic (90. + 1 Chamorro), Scheidhauer.

Schiedsrichter: Henrik Bramlage (Vechta), schien Wolfsburg einen kleinen Bonus zu gewähren.

Tor: 0:1 Scheidhauer (85./Foulelfmeter).

Zuschauer: 812 zahlende.

Beste Spieler: Hummel, Dammann, H. Ostermann, Walter/Drewes, Klamt, Schulz, Scheidhauer.

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