Handball : „Elch“ schwärmt von alten Zeiten

Knut-Arne Iversen (links) und SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke im Jahr 2015. Beim Champions League-Spiel gegen Skjern HB am 4. November gibt’s ein Wiedersehen.
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Knut-Arne Iversen (links) und SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke im Jahr 2015. Beim Champions League-Spiel gegen Skjern HB am 4. November gibt’s ein Wiedersehen.

Knut-Arne Iversen spielte von 1990 bis 1992 für die SG Flensburg-Handewitt und hat noch heute gute Kontakte.

shz.de von
25. Oktober 2018, 10:00 Uhr

Norwegisch gehört zum guten Ton bei der SG Flensburg-Handewitt. Rund ein Dutzend Nordmänner spielten bislang für den zweimaligen deutschen Handball-Meister. Heute zählen Magnus Röd, Magnus Jöndal, Torbjörn Bergerud und Göran Johannessen zum Kader. Johnny Jensen, Christian Berge oder Glenn Solberg besitzen auch Jahre nach ihrem Karriereende einen klangvollen Namen. Der „Ahne“ aller SG-Norweger heißt Knut-Arne Iversen. Der inzwischen 52-Jährige trug zwischen 1990 und 1992 immerhin 70 Mal das SG-Trikot und erzielte 345 Treffer.

Knut-Arne Iversen hatte sein Auskommen – aber keines, was große Sprünge zuließ. „Mir ging es nicht um das Geld“, erzählt er rückblickend. „Ich war 24 Jahre alt, suchte das Abenteuer und wollte ein neues Land kennen lernen.“ Die Ausgaben des SG-Programmheftes „Konter“ aus seiner Zeit hat er bei sich zu Hause in Hammerfest, hoch im Norden Norwegens, aufbewahrt. Die Kontakte zu den Weggefährten sind spärlicher geworden. Dierk Schmäschke hat der Norweger mitgeteilt, dass er nach drei Jahren mal wieder Flensburg besuchen wird. Zur Heimpartie Anfang November gegen Skjern geht es zusammen mit seinem Neffen Andreas in die Flens-Arena. „Das war mein Geschenk zur Konfirmation“, verrät Knut-Arne Iversen. „Andreas spielt Handball in Trondheim und hatte den Traum, einmal so ein Spiel zu sehen.“

Der Onkel wuchs in Hammerfest auf, spielte dort bis zu seinem 18. Lebensjahr. Der Linkshänder reifte zum Nationalspieler (21 A-Länderspiele). Nach der B-WM 1989 klingelte das Telefon: Ein Agent fragte, ob Interesse an einem Engagement in Deutschland bestehen würde. Der Norweger war neugierig, absolvierte zwei Probe-Trainings. Zunächst bei Bayer Dormagen, dann bei der SG.

„Bei meiner zweiten Station stimmte sofort die Chemie, da wurde ich gut aufgenommen“, erinnert er sich. Der „Elch“ kam in ein völlig neues Umfeld. Bis auf „Auto“ und „Bonbon“, aufgeschnappt in Kindertagen, konnte er kein Deutsch. „Zunächst lernte ich die Handball-Vokabeln, dann einige schmutzige Wörter und dann richtig Deutsch“, schmunzelt er. Die Rückennummer 14 avancierte nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Leistungsträger und Publikumsliebling.

Gänsehaut hatte Iversen, wenn er in die Handewitter Wikinghalle, die frühere „Hölle Nord“, einlief. In angenehmer Erinnerung ist ihm auch die kleine Kneipe, in der man nach den Spielen mit den Zuschauern plauderte und ein Bier trank.

Dramatisch wurde es in der zweiten Saison. Zunächst marschierte die SG ohne Miese durch die Zweitliga-Staffel, dann folgte eine harte Aufstiegsrunde. In der vorentscheidenden Partie beim VfL Bad Schwartau schloss Knut-Arne Iversen kurz vor Schluss einen Kempa-Trick zum 21:21 ab. Am Ende hatte die SG mit einem Tor gewonnen. Dem Aufstieg folgte die Pokal-Kür und einem Siebenmeterwerfen in der Essener Grugahalle. Der letzte Flensburger Wurf flog vorbei.

Da hatte Knut-Arne Iversen bereits beschlossen, seine Zelte in Flensburg abzubrechen. „Damals konnte ich noch nicht abschätzen, welche Entwicklung der Handball einmal nehmen würde und wollte zu Hause eine berufliche Ausbildung absolvieren“, erzählt er. „Rückblickend habe ich diese Entscheidung etwas bereut, ich hätte noch ein paar Jahre in Flensburg bleiben sollen.“

Im Frühjahr 2002 tauchte Iversen, inzwischen 36 Jahre alt, wieder in Deutschland auf. Er hatte beim Mettmanner SC einen Drei-Monats-Vertrag erhalten – für die Oberliga. Der dortige Trainer kam aus Hamburg und hatte einen losen Draht zum damals neu gegründeten HSV Handball. Der Norweger wechselte an die Elbe, agierte beim SV Henstedt-Ulzburg als Spielertrainer und arbeitete in der HSV-Geschäftsstelle. Beim Bundesligisten regierte allerdings das „totale Chaos“. Sehr schnell kehrte er nach Mettmann zurück, blieb dort bis 2007 und knöpfte neue Freundschaften.

Seitdem lebt Knut-Arne Iversen wieder in Hammerfest, nördlich des Polarkreises. Schon im Oktober sind die Berge mit Schnee bedeckt, bewegt sich die Tagestemperatur nur noch im einstelligen Bereich. Und ab Mitte November scheint die Nacht gar nicht mehr enden zu wollen, sie wird nur noch von einer drei- bis vierstündigen Dämmerung unterbrochen. „Ich bin mit der langen, dunklen Jahreszeit aufgewachsen, ich mag sie“, verrät der 52-Jährige.

Neun Jahre lang war er Chef der Tourismusagentur von Hammerfest, nun ist er Berater für Tourismus-Firmen und Kommunen. Zum Ball greift er nur noch einmal im Jahr: bei einem Altherren-Turnier in Trondheim. „Da werde ich mich aber auch mehr auf der Bank als auf dem Spielfeld aufhalten – damit ja nichts passiert“, schmunzelt der sympathische Norweger.

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