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Fussball : Ein Sieg zum Genießen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Regionalliga: Weiche gelingt Befreiungsschlag beim 7:1-Heimsieg über Aufsteiger Braunschweig. Der Mäzen als Glücksbringer.

Das hatte niemand erwartet: Ein Fußballspiel zum Zurücklehnen und Genießen für die Fans des ETSV Weiche. Beim 7:1 (4:1)-Heimerfolg gegen Aufsteiger FT Braunschweig gelang den Flensburgern ein Befreiungsschlag im Abstiegskampf der Regionalliga. Nach nur sechs Toren in den ersten zehn Spielen schoss sich die Mannschaft von Trainer Daniel Jurgeleit den Frust von der Seele. „Das war ein absolut positiver Tag, das tut gut“, meinte der Coach. „Diesmal wurde der hohe Aufwand, den wir betrieben haben, belohnt.“ Gäste-Trainer Uwe Walther, der den Aufstieg seines Teams als „kleinen Betriebsunfall“ bezeichnete, war nach zuletzt starken Auftritten restlos bedient. „Die Flensburger waren fitter und uns in allen Belangen überlegen. Heute haben wir viel gelernt.“ Nach den 90 einseitigen Minuten schickte Walther hinterher: „So wie Weiche gespielt hat, verstehe ich den schlechten Tabellenplatz nicht.“

Was spukte Spielern, Trainern und Offiziellen nicht alles im Kopf herum. Nach der Talfahrt auf einen Abstiegsplatz war der Druck für die Flensburger vor dem Kellerduell immens. Liga-Geschäftsführer Harald Uhr schloss aber vor dem Anpfiff ein Eingreifen von außen aus. Neues Personal würde es frühestens in der Winterpause geben. „Da müssen wir vielleicht ein, zwei Stürmer holen, wenn wir unten drin stehen.“ Aber jetzt dürfe man nicht überreagieren. „Die Jungs müssen sich da selbst herausziehen“, meinte der Mäzen und ergänzte: „Wenn wir nicht gegen Braunschweig gewinnen, gegen wen wollen wir dann gewinnen?“ Um seine Solidarität zu zeigen, nahm Harald Uhr erstmals in dieser Saison neben Spielern und Trainern auf der Auswechselbank Platz. Sozusagen als Glücksbringer, denn in der vergangenen Serie hatten die Flensburger immer gewonnen, wenn er dort saß.

Eine gute Entscheidung. Der Mäzen sah, wie seine Mannschaft von Beginn an ein Feuerwerk zündete. Den Anfang machte der starke Len Aike Strömer, der den Vorzug vor Tim Wulff und Marcel Cornils erhalten hatte. Nach einer schnellen Drehung stand er plötzlich frei und zog aus 18 Metern ab. Der Ball wurde noch leicht abgefälscht und landete zum 1:0 (13.) im Netz. Nur drei Minuten später legte Christian Jürgensen das 2:0 nach. Einen 25-Meter-Freistoß von Jonas Walter ließ FT-Keeper Daniel Reck (Sohn vom früheren Bremer Oliver Reck) nach vorn abklatschen und der Flensburger Innenverteidiger staubte ab. Es folgten zwei große Auftritte des grippegeschwächten Florian Meyer, der seit zwei Wochen nicht richtig trainiert hat. Erst spielte er an der Strafraumgrenze Marvin Fricke schwindlig und schlenzte den Ball ins lange Eck zum 3:0 (24.). Dann nahm Meyer genau Maß bei einem Freistoß aus 25 Metern und traf in den Winkel - es stand 4:0 nach nicht einmal einer halben Stunde. Danach ließen es die Flensburger etwas ruhiger angehen und wurden nachlässig in der Defensive. Zunächst ließ Adrian Morton (42.) die Chance zum Anschlusstreffer aus, dann erzielte Rick Kaupert völlig freistehend mit einer Direktabnahme das 1:4 (44.). Ein überflüssiges Tor. „Aber in so einem Spiel kann man das einfach abhaken“, meinte Jürgensen.

Ausruhen war nach dem Wechsel verboten. „Jeder von uns hat gute Aktionen gebraucht“, sagte Marc Böhnke. Der Kapitän gehörte zu den auffälligsten Spielern, wechselte ständig mit Strömer und Meyer die Positionen. „Das hatte der Trainer vorher gefordert“, so Böhnke, der ab und an sogar in der Mittelstürmer-Position auftauchte. Das Spiel war gerade erst wieder drei Minuten alt, da lief Strömer erneut Fricke davon. Der Braunschweiger wusste sich nur durch ein Foul zu helfen – Elfmeter. Walter trat an und verwandelte seinen dritten Strafstoß in dieser Saison souverän zum 5:1 (50.). Dann war der Kapitän selbst an der Reihe. Mit rechts zog Böhnke aus 18 Metern ab und traf zum 6:1 (65.). Beim 7:1 (80.) war er erneut beteiligt. Seine Vorarbeit verwertete der eingewechselte Lukas Linhardt (80.) zum Endstand. Damit waren die Braunschweiger gut bedient. Ilidio (52.) und der quirlige Linhardt (85., 88.) ließen weitere gute Chancen aus.

„Da hat man gesehen, was für ein Potenzial in der Mannschaft steckt“, meinte Christian Jürgensen nach der Flensburger Fußball-Gala. „Das war der Brustlöser, den wir gebraucht haben.“ Vor der schweren Woche mit den Spielen gegen VfL Wolfsburg II am Mittwoch (16 Uhr) und im Pokal gegen Holstein Kiel am Sonntag (14 Uhr) stellt Marc Böhnke allerdings fest: „Wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen.“ Das Pokalspiel gegen den Drittligisten ist bislang kein Thema gewesen. Nach dem schwachen Saisonstart haben für Trainer und Spieler die Punktspiele Vorrang, sie sind kein Fußball-Alltag. Jetzt zähle es, die Besonderheit Regionalliga in Flensburg zu sichern, erklärt Daniel Jurgeleit. Für die Spieler gilt nach dem höchsten Sieg seit Viertliga-Zugehörigkeit: Genießen ja, zurücklehnen nein.

ETSV Weiche: Kirschke - Paetow, Hummel, Jürgensen - Carstensen, Walter, Thomsen, Böhnke - Ilidio (81. J. Ostermann), Meyer (68. Linhardt), Strömer (72. Cornils).

FT Braunschweig: Reck - Neumann, Fricke, Eggers - Fiedler, Samawatie, Gehde (83. Agge), Riedel (56. T. Richter) - Morton (46. Uysal), Kaupert - Stucki.

Schiedsrichter: Axel Martin (Nordholz).

Zuschauer: 356 zahlende. Tore: 1:0 Strömer (13.), 2:0 Jürgensen (16.), 3:0 Meyer (24.), 4:0 Meyer (29.), 4:1 Kaupert (44.), 5:1 Walter (50., Foulelfmeter), 6:1 Böhnke (65.), 7:1 Linhardt (80.).

Beste Spieler: Meyer, Strömer, Böhnke / Kaupert.

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