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Handball : Die SG stößt an ihre Grenzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die SG Flensburg-Handewitt ärgert sich nach der 25:32-Niederlage gegen die Rhein-Neckar-Löwen über die Schiedsrichter und über sich selbst. Extrembelastung fordert nach 14 Siegen in Folge ihren Tribut.

Im 27. Pflichtspiel der Saison lief der SG Flensburg-Handewitt alles aus dem Ruder. Das Gipfeltreffen der Handball-Bundesliga wurde für den Tabellenzweiten zum Desaster, das unterschiedliche Emotionen auslöste. Ärger über äußere Umstände mischte sich mit Enttäuschung über die eigene Leistung bei der 25:32 (10:17)-Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen. Allzu leicht machte es der Pokalsieger den Mannheimern, die nun schon zum dritten Mal in Folge in der Flens-Arena gewonnen haben und unbeirrt ihrer ersten Meisterschaft entgegenstreben.

Die SG indes stieß am Mittwoch an mentale und teils auch physische Grenzen. Eine Halbzeit lang standen die Flensburger weitgehend ratlos vor der Abwehr der Löwen, die ihrerseits nicht einmal besonders angestrengt wirkte. Nach der Pause setzten die Gastgeber dem Spitzenreiter mehr zu, kamen bis auf drei Tore heran, doch die Hypothek aus der ersten Hälfte mit zeitweise neun Toren Rückstand wog zu schwer.

RNL-Trainer Nikolaj Jacobsen frohlockte über seinen Schachzug: „Wir haben zum ersten Mal in dieser Saison mit einer 5:1-Deckung gespielt. Es war Wahnsinn, wie gut das in der ersten Hälfte klappte.“ SG-Coach Ljubomir Vranjes musste einräumen, dass „wir mit der 5:1 echte Probleme“ hatten. Linksaußen Anders Eggert fand: „Wir hätten die Löwen besser in Bewegung bringen müssen. Im Angriff haben wir zu viele Fehler gemacht und zu viele Bälle weggeworfen.“

Vranjes nahm aber auch die Schiedsrichter Fabian Baumgart und Sascha Wild scharf ins Visier: „Es war nicht in Ordnung, was die gepfiffen haben. Ich sage es zum ersten Mal in meinem Leben offiziell und es ist mir scheißegal, ob ich eine Strafe kriege: Wenn man so ein Spiel wie heute hat, muss man die besten Schiedsrichter haben. Das waren nicht die besten.“ Es ist müßig darüber zu grübeln, welche Rolle die teilweise eklatanten Fehlpfiffe des Gespanns aus Altenheim und Elgersweier in Baden-Württemberg gespielt haben. Wirklich entscheidend waren sie wohl nicht. Und so hätte es auch souveräner gewirkt, hätte Vranjes seinen Frust geschluckt und es bei der Gratulation an die Löwen zum verdienten Sieg belassen.

Andere Faktoren fielen stärker ins Gewicht. Löwen-Spielmacher Andy Schmid hatte als Torwart in der Not mehr gehalten als Mattias Andersson, der nach 19 Minuten für Kevin Möller Platz machte. Auch Thomas Mogensen war in diesem Spiel weit von der vor wenigen Wochen noch gesehenen überragenden Form entfernt. Der Spielmacher ging nach 18 Minuten, in denen er nichts bewegen konnte und kam nicht wieder. „Er ist nicht zu 100 Prozent fit“, begründete Vranjes den Verzicht auf den 32 Jahre alten Dänen. „Mogensen hat keine akute Verletzung, er spürt seinen Körper“, sagte Teamarzt Dr. Torsten Ahnsel. Der irrsinnige Handball-Marathon der Spitzenteams fordert von den älteren Spielern seinen Tribut.

Auch an Holger Glandorf – wegen der Verletzung von Johan Jakobsson derzeit alternativlos – geht das nicht spurlos vorbei: „Natürlich merke ich es, dass ich 60 Minuten spielen muss. Wäre ja merkwürdig, wenn es anders wäre. Da fehlen dann hinten raus ein paar Körner.“ Der Linkshänder immerhin befreite sich aus seinem Tief und fand nach der Pause zu einer guten Leistung wie schon in Göppingen. Das an seiner Wurfausbeute gemäkelt wird, trägt er mit Fassung. „Es ist okay, wenn man mich an Spielen misst, in denen ich alles treffe. Ich gucke nicht auf die Quote, darüber mache ich mir keinen Kopf. Ich hatte ein wirklich schlechtes Spiel gegen Hannover, die anderen waren normal. Einer muss ja aus der Distanz werfen.“

Man müsse sich an die eigene Nase fassen, meinte Glandorf, allerdings hatte auch er den Eindruck, dass die Schiedsrichter in diesem Topspiel überfordert waren und er fand es „auffällig, dass die Löwen am Wochenende frei hatten“, während die SG eine lange Tour nach Göppingen in den Knochen hatte. Mehr Zeit zur Vorbereitung sei ein Vorteil für die Gäste gewesen. Aufgeben wollen die Flensburger aber auch bei nun fünf Punkten Rückstand auf die Löwen nicht. Glandorf blieb kämpferisch: „Nach der EM werden die Karten neu gemischt.“

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erstellt am 03.Dez.2015 | 18:20 Uhr

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