Fussball : Die Probleme eines Pokalschrecks

<p>Das Manfred-Werner-Stadion in Flensburg-Weiche verfügt über kein Flutlicht.</p>

Das Manfred-Werner-Stadion in Flensburg-Weiche verfügt über kein Flutlicht.

Beim SC Weiche Flensburg 08 fangen die Probleme nach dem Sensationssieg über den VfL Bochum erst an.

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22. August 2018, 16:59 Uhr

Flensburg | So richtig weiß noch niemand, wie es weitergeht. Es geht um die Frage, in welchem Stadion der SC Weiche Flensburg 08 am 30. oder 31. Oktober sein Heimspiel in der 2. DFB-Pokalhauptrunde austragen wird. Und – was passiert überhaupt zu diesem Thema in Flensburg? Darüber und über vieles andere mehr, was den Fußball in der Handballstadt angeht, werden heute Abend rund 120 geladene Multiplikatoren aus der Region diskutieren. Zumeist mit einem Glas Wein in der Hand, findet doch das 3. Netzwerktreffen des größten Fußballvereins im hohen Norden in den Räumen von „Weinpapst“ Roberto Gavin in der Walzenmühle statt. Gastgeber Gavin gehört zu den Sponsoren der tüchtigen Weicher Feierabend-Fußballer, die am vergangenen Sonntag mit einem Sensationssieg über Zweitligist VfL Bochum in die zweite Pokal-Hauptrunde auf Bundesebene eingezogen sind.

Wenn am Sonntagabend im Rahmen der ARD-Sportschau (18 Uhr) die Auslosung für die 2. Runde vorgenommen wird, werden Spieler und Offizielle im Vereinsheim des Manfred-Werner-Stadions voller Spannung auf den Bildschirm blicken. Bayern, Dortmund, Leverkusen, der HSV oder ein anderer Zweitligist? Was auch immer die Auslosung an den Tag bringt, die Probleme bleiben. In der Stadt Flensburg gibt es kein geeignetes Stadion. Nicht einmal über eine Flutlichtanlage verfügt die Anlage im Stadtteil Weiche, auf die nur mit einer Sondergenehmigung ganze 3500 Zuschauer hinein gelassen werden dürfen.

Sollte ein attraktiver Erstligist im Los liegen, muss der Club wohl in eine fremde Stadt ausweichen. Nach Kiel, Lübeck oder Hamburg. Dort vielleicht ans Millerntor, ist doch Hausherr FC St. Pauli bereits in Runde eins ausgeschieden. Ein solcher Ausflug aber wäre mit Kosten von mehr als 100.000 Euro verbunden. Was auch bei einem Ausweichen nach Kiel oder Lübeck der Fall wäre. Und dazu hätte man den im Fußball so wichtigen Heimvorteil verschenkt. In der Weicher Vorstandsetage wird gerade die Leasing-Möglichkeit einer Flutlichtanlage für einen Abend Fußball geprüft. Auch dies würde rund 100.000 Euro kosten.

 

Bleibt die Möglichkeit, auf das Heimrecht zu verzichten und freiwillig die Reise nach Bremen, München, Hannover, Köln, Hoffenheim oder Leipzig anzutreten. Wohin auch immer. Das könnte rund 100.000 Euro - zu zahlen vom Gastgeber, der seine Reisekosten spart – zusätzlich zu den gut 300.000 Euro, die der Deutsche Fußball-Bund für das Erreichen der zweiten Runde überweist. Rein wirtschaftlich wäre dies wohl die beste Lösung, würde da nicht der heimische Fußballfan protestieren, der sich dann betrogen fühlt.

Der Verwaltung der Stadt Flensburg ist dies alles ziemlich schnuppe, wie immer wieder vor Augen geführt wird. Die SC-Oberen Harald Uhr, Edgar Nies, Hans-Ludwig Suhr oder Beiratschef Hans-Peter Carstensen können ein Lied davon singen. Tobias Preuß, Initiator der Aktion „Wir wollen ein Drittliga-taugliches Stadion in Flensburg!“, erzählt von einer brisanten Begegnung: Er habe die Warnung von einem CDU-Stadtpolitiker erhalten, doch diese Initiative einzustellen. Andernfalls, so soll der Mann gesagt haben, werde es gar nichts mit einem neuen Stadion in Flensburg. Es brodelt in der Stadt.

Von den noch 32 im Pokalwettbewerb verbliebenen Mannschaften ist der SC Weiche Flensburg 08 der einzige Club, der über kein entsprechendes Stadion verfügt. Ein Armutszeugnis, das heute Abend im Mittelpunkt der Veranstaltung beim Weinhändler stehen dürfte.

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