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insolvenzantrag: wie geht’s weiter bei der HSG? : Die Handball-Party in Tarp ist vorbei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Zweitliga-Aufsteiger stellt beim Amtsgericht Flensburg Antrag auf Insolvenz, weil ein sechsstelliger Betrag zur Deckung des Etats fehlt.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 18:38 Uhr

Eine Überraschung war es nicht mehr. Nachdem die Führung der HSG Tarp-Wanderup GmbH & Co. KG bereits im vergangenen November bekannt gegeben hatte, keine neue Lizenz für die 2. Handball-Bundesliga zu beantragen, droht jetzt sogar das vorzeitige Aus. Am Donnerstag stellte Geschäftsführer Florian Korte beim Amtsgericht Flensburg wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Antrag auf Insolvenz. Damit steht die HSG zwei Wochen vor dem Rückrundenstart als erster Absteiger fest, wie die Handball-Bundesliga GmbH (HBL) umgehend mitteilte. Ob am Mittwoch das Nachholspiel gegen den HC Empor Rostock angepfiffen wird, steht in den Sternen. Darüber entscheidet nun der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter Peter-A. Borchardt aus Hamburg.

Mit großer Euphorie waren die „Wölfe“ nach dem Aufstieg im August ins Abenteuer 2. Liga gestartet. Nur fünf Monate später ist das Projekt Zweitliga-Handball an der Treene gescheitert. „Aufgrund der aktuellen Entwicklung hatte ich keine andere Möglichkeit, als zum Amtsgericht zu gehen“, sagte Geschäftsführer Florian Korte gestern. Gemeinsam mit Steuerberater Ronald Daas hatte der Geschäftsführer die finanzielle Situation aufgearbeitet, nachdem Hauptsponsor Jochen Ohm mit seinen Partnern Ende vergangenen Jahres signalisiert hatte, nicht noch weitere Finanzlöcher stopfen zu wollen. Die waren beträchtlich, auch aufgrund von Altlasten durch Kredite und Steuernachzahlungen. Zudem haben in diesem Januar zwei Geldgeber ihre Zusicherungen zurückgezogen und nicht gezahlt. Unter dem Strich fehlt ein sechsstelliger Betrag, „um die Saison sauber abschließen zu können“, so Korte. Damit waren für ihn alle Einspar- und Sanierungsmodelle erledigt, der Gang zum Amtsgericht nicht mehr abzuwenden.

Beim Training am Donnerstag informierte der Geschäftsführer die Mannschaft, die es bislang nicht geschafft hatte, in der neuen Klasse sportlich Fuß zu fassen und mit 2:34 Punkten abgeschlagen am Tabellenende steht. „Für Spieler und Trainer tut es mir leid, denn sie sind die Leidtragenden“, betonte Korte. Für Mannschaftsführer Matthias Hinrichsen hatte sich dieser Weg bereits angedeutet, „dennoch ist die Mannschaft schockiert“, sagte der Rückraumspieler, der zum Saisonbeginn vom VfL Bad Schwartau an die Treene zurückgekehrt war. „Für uns Spieler ist es finanziell ein harter Schlag, einige werden vielleicht sogar vor existenzielle Probleme gestellt.“ Kreisläufer Malte Jessen meinte: „Die ganze Sache ist für die Mannschaft sehr undurchsichtig. Auf jeden Fall wird diese Fehlplanung nun auf dem Rücken der Spieler ausgetragen.“ Und Trainer Christian Voß, der bis vor einer Woche einen solchen Schritt kategorisch ausgeschlossen hatte, erklärte: „Wenn die Entscheidungsträger meinen, dass eine Insolvenz die beste Lösung ist, müssen wir uns dem fügen. Aber die Betroffenen sind die Spieler und ich – und das ist bitter.“

Die Vereinsführung der HSG Tarp-Wanderup reagierte überraschend gelassen auf die drohende Insolvenz der GmbH. „Für uns geht die Welt nicht unter“, sagte Vorsitzender Gerhardt Görrissen. Für ihn sei der Insolvenzantrag nicht überraschend gekommen. „Wenn Jochen Ohm nicht mehr möchte, müssen wir das so hinnehmen“, so Görrissen. Am Montag werde sich der Vorstand zusammen setzen und über die Situation beraten. Dem Vernehmen nach soll nach dem Zwangsabstieg versucht werden, eine schlagkräftige Mannschaft für die 3. Liga zu bilden.

Jochen Ohm zeigte sich enttäuscht über „Schmähungen und üble Nachrede“, die ihm unterstellen, er habe den Verein im Stich gelassen. Er stehe vielmehr für den im Lizenzierungsverfahren bei der HBL gemeldeten Etat gerade. Dieser umfasst rund 350 000 Euro. Ursprünglich hatte Ohm für 200 000 Euro gebürgt, einige Monate später zusätzliche 150 000 Euro bereitgestellt. „Damit habe ich meine Zusagen übererfüllt“, sagte Ohm. Der Unternehmer unterstützt die HSG Tarp-Wanderup seit 15 Jahren, allein in den letzten zwölf Jahren mit „weit mehr als einer Million Euro. Mein Antrieb war es immer, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.“ Er habe jedoch feststellen müssen, dass er so gut wie alleine dastand: „Andere sind nicht angetreten oder haben ihre Aktivitäten eingestellt.“ Die HSG beziehungsweise deren Stammvereine hätten kaum Bewegung gezeigt.

Im Gegenteil. Er wirft der HSG vor, dass mit der Marke „Wölfe“ eingeworbenes Geld anderweitig genutzt wurde. „Da sehen Leute ihr Logo in der Halle und denken, dass sie Sponsor der Wölfe sind. In Wirklichkeit ist es in andere Abteilungen der HSG umgeleitet worden“, sagte Ohm. Beim TSV Nord Harrislee, deren Zweitliga-Handballerinnen er als Sponsor ebenfalls unterstützt, habe er andere Erfahrungen gemacht. „Da macht das Engagement Spaß, die ziehen sich immer wieder selbst raus.“

Dem „Wölfe“-Team macht Ohm keinen Vorwurf. Sein Rückzug als Sponsor des Zweitliga-Projekts habe nichts mit dem Tabellenstand zu tun: „Sie haben auch gute Spiele gegen stärkere Gegner gemacht. Das sind gute Jungs.“

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