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Fussball : Der verflixte 13. Elfmeter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Pokalfinale: Pechvogel Nedim Hasanbegovic entschuldigt sich bei der Mannschaft. Spieler des ETSV Weiche bedanken sich bei den Fans.

Nach dem 26. Elfmeter entlud sich die Spannung unter dem sternenklaren Kieler Nachthimmel. Die Holstein-Spieler stürmten von der Mittellinie los, um ihren Torhüter Daniel Strähle zu feiern. Die Flensburger Fußballer hatten eine Sekunden-Schockstarre zu überwinden, dann eilte der komplette Tross um Trainer und Betreuer auf Nedim Hasanbegovic zu, nahm ihn in die Mitte und tröstete ihn – obwohl eigentlich alle Trost gebraucht hätten, nicht nur der Unglücksrabe, der den verflixten 13. Elfmeter des ETSV Weiche im Landespokal-Finale verschossen hatte. 12:13 war der frustrierende Endstand aus Sicht des Regionalligisten, nachdem es nach regulärer Spielzeit und Verlängerung gegen den Drittligisten Holstein Kiel durch Tore von Tim Danneberg (32.) und Jonas Walter (34.) 1:1 gestanden hatte.

Der 26-jährige Pechvogel aus Bosnien-Herzegowina zeigte sich wenig später bereits recht gefasst und stellte sich der sh:z-Kamera im Holstein-Stadion. Er entschuldigte sich bei seiner Mannschaft, weil der Elfmeter einfach schlecht geschossen war. 1:1-Torschütze Jonas Walter nahm seinen Mitspieler in Schutz und erklärte noch einmal, warum die Flensburger nach der Entscheidung gleich auf Nedim Hasanbegovic zugerannt waren. „Wir haben gesagt, wir gehen da zusammen raus, deswegen müssen wir auch zu ihm stehen. Jeder von uns hätte verschießen können.“

Geübt hatten die Flensburger das Elfmeterschießen nicht. „Wir wussten, dass wir gute Schützen haben“, sagte Trainer Daniel Jurgeleit mit belegter Stimme. Schon im Achtelfinale hatten die Flensburger den SV Todesfelde in einem ähnlichen Strafstoß-Krimi mit 15:14 ausgeschaltet. Der Coach gab die ersten fünf Schützen erst nach den 120 Minuten bekannt. „Wenn die Spieler Elfmeter üben würden und wissen, sie sollen schießen, verkrampfen sie eher im Spiel“, lautet seine Philosophie. Nur die Torhüter hatten ein paar Elfmeter-Einheiten bekommen. „Aber wir Trainer schießen nicht so gut.“

Die Holstein-Elfmeter flogen Florian Kirschke nur so um die Ohren. Nicht bei einem hatte der Weiche-Keeper auch nur den Hauch einer Chance. „Ich bin tief enttäuscht. Die Mannschaft hätte es verdient gehabt“, erklärte er und ergänzte: „Ich hätte gerne einen gehalten, um dem Verein etwas zurückzugeben. Mir blutet das Herz.“ Auch Kapitän Marc Böhnke musste eingestehen: „Es tut weh, den Gegner so jubeln zu sehen. Aber irgendwann werden auch wir noch mal in den DFB-Pokal einziehen.“ Schon vor zwei Jahren waren die Flensburger fast genauso unglücklich nach Verlängerung beim VfB Lübeck (2:4) gescheitert. „Da hatten wir auch schon so viel Pech“, so Böhnke. „Aber wer weiß, wozu das gut ist.“ Trotzdem war dem Spielführer klar, dass „heute Nacht im Bett noch die eine oder andere Träne vergossen wird“.

Der Gefühlszustand war allen Weicher Beteiligten im Gesicht abzulesen. Dennoch liefen viele mit breiter Brust durch das Station. „Wir können stolz sein auf unsere Leistung“, erklärte Patrick Thomsen, der sich mit der gesamten Mannschaft noch bei den „phantastischen Fans“ bedankte. Rund 1000 Flensburger waren unter den 6000 Zuschauern im Holstein-Stadion und sorgten für eine tolle Stimmung. Vor dem Weicher Fan-Block, in dem auch Mäzen Harald Uhr stand, entrollten die Spieler ein riesiges Plakat: „Ohne euch Fans und Sponsoren wäre das nie möglich gewesen“. Für Uhr stand schon vorher fest: „Die Mannschaft braucht mich nicht. Die weiß, was sie zu tun hat. Außerdem fühle ich mich bei den Fans sehr wohl.“

Kurz vor Mitternacht trafen sich die Flensburger noch einmal in der Mitte des Spielfeldes. Wieder wurde ein Kreis gebildet. Diesmal stand Torjäger Tim Wulff in der Mitte und verbreitete die Botschaft, dass sich die Mannschaft davon nicht unterkriegen lassen werde: „Wir machen weiter.“ Abwehrchef Matthias Hummel ist sich sicher: „Wir gehen gestärkt da raus.“ Und er verspricht: „Auch wir gewinnen den Pokal noch mal.“

Völlig fertig war Florian Meyer. In der ersten Hälfte war der Flensburger der stärkste Spieler auf dem Platz. „Aber ich war leider nicht effektiv genug. Eine von meinen riesigen Chancen muss ich rein machen, dann läuft das Spiel ganz anders“, haderte er mit sich selbst. Nach 75 Minuten musste er dann mehr vom Platz getragen werden, als dass er gehen konnte. Er hatte sich vor dem Spiel leicht verletzt, und in der zweiten Halbzeit „hat der Muskel zugemacht“. Ihm habe das Spiel gegen seinen alten Verein aber auch viel Spaß gemacht, „weil wir ebenbürtig waren“. Kaum hatte er das gesagt, kam Fabian Wetter und nahm ihn in den Arm. Der Kieler Sieger hatte einen Sonderwunsch an den Verlierer. Er wollte mit Florian Meyer das Trikot tauschen. Aber der Flensburger schüttelte den Kopf: „Das geht nicht, das brauche ich am Sonntag im Punktspiel gegen Rehden noch.“

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