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Der Jung-Star weiß, was er will

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SG-Neuzugang Jim Gottfridsson steht seit drei Jahren mit Trainer Ljubomir Vranjes in Kontakt

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Flensburg | Am Donnerstag ein Anruf, am Freitagabend die Vertragsunterschrift und am Sonntag die Anreise - der Wechsel von Drasko Nenadic zur SG Flensburg-Handewitt war ein echter Blitz-Transfer, den selbst Ljubomir Vranjes als "Zufall" bezeichnet. Diese Vorgehensweise passt allerdings gar nicht zum langfristigen Scouting-System, das der SG-Trainer entwickelt hat. Für dieses ist ein anderer Neuzugang das Parade-Beispiel: Jim Gottfridsson. Den 20-jährigen Landsmann hatte der Schwede schon vor vier Jahren im Fokus. "Bei dir sehe ich Talent", sagte Ljubomir Vranjes, damals noch in der Funktion des Team-Managers, zum SG-Kandidaten. "Du musst dich Stufe um Stufe weiterentwickeln, dann kann ich dich nach Flensburg holen."

Ein Traum, der sich für Jim Gottfridsson schrittweise erfüllte. Als er 2007 das Champions-League-Finale zwischen der SG und dem THW Kiel im Fernsehen verfolgte, erwachten seine Sympathien für die Flensburger. "Da möchte ich einmal spielen", dachte sich der Teenager. Und er war stolz, als sich die Kontakte zum Bundesligisten intensivierten. Vor rund drei Jahren hatte Jim Gottfridsson eine Einladung nach Flensburg, um sich die potenzielle Wirkungsstätte einmal anzusehen. Vor zwei Jahren mischte er zeitweise beim Trainingslager in Schweden mit, und vor über einem Jahr trocknete bereits die Tinte auf einem in diesem Sommer beginnenden Zwei-Jahres-Vertrag. Jim Gottfridsson: "Ich hoffe, nein ich weiß, das ist der richtige Weg, um ein noch besserer Handballer zu werden."

Hinter dem erreichten Etappenziel steckt viel Fleiß, aber auch ein gewisser Automatismus. In der südschwedischen Kleinstadt Ystad, deren Kulisse als Vorlage für die berühmten Wallander-Krimis dient, ist es das Naheliegendste, wenn Kinder mit dem Handball beginnen. "Dieser Sport hat bei uns eine große Bedeutung und wird auch in den Schulen ganz groß gefahren", erzählt der 1,90 Meter große Rechtshänder. Große Namen wie Mattias Andersson, Kim Andersson, Oscar Carlén oder Robert Hedin sind hier zu Profis gereift. Die Existenz von zwei guten Vereinen entfacht eine konstruktive Konkurrenz.

Jim Gottfridsson rannte bereits als Fünfjähriger im IFK-Dress durch die örtliche Österporthallen. Das Talent reifte. Der Kontakt zur SG Flensburg-Handewitt bestand bereits, als der Jung-Star 2011 international erstmals für Furore sorgte. Bei der U19-Weltmeisterschaft wurde Schweden Dritter, der Spielmacher des Drei-Kronen-Teams mit 58 Treffern Torschützenkönig.

Da feilte er bereits mit Kalkül an seiner Karriere: Er wechselte von seinem Stammklub IFK, der vor einigen Jahren in die Zweitklassigkeit abgerutscht war, zum besser positionierten Konkurrenten Ystads IF. Lokalrivalitäten waren ihm egal. "Ich wollte in die Elitserien", erklärt Jim Gottfridsson. "Warum sollte ich in eine andere Stadt gehen, wenn für mich Erstliga-Handball auch vor der Haustür möglich ist?" Der Lohn folgte im November 2012: Das erste Männer-Länderspiel - und das erste Tor in der Ukraine.

Der junge Rückraumspieler scheint vor unpopulären Schritten nicht zurückzuschrecken, wenn er sie für seine Entwicklung als notwendig betrachtet. So sagte er die jetzt im Juli stattfindende U21-Weltmeisterschaft ab, um das Trainingslager mit der SG in Schweden nicht zu verpassen und die komplette Vorbereitung mit dem neuen Klub zu absolvieren. Schwedische Medien mutmaßten sofort, dass Ljubomir Vranjes ihn beeinflusst haben könnte. Doch Jim Gottfridsson stellt klar: "Das war allein meine Entscheidung. Vor zwei Jahren war der Vereinswechsel innerhalb der Stadt mit neuen Mitspielern und neuem Trainer bereits eine Umstellung für mich. Nun sind die Veränderungen noch gravierender. Ich muss eine neue Sprache lernen und mich in einem anderen Land einleben."

Gefreut hat es ihn, dass seine Freundin Magdalena mit nach Flensburg gekommen ist. Bis das junge Paar im September eine Doppelhaushälfte in Handewitt beziehen wird, hat es sich im Glücksburger "Strandhotel" einquartiert. Spaziergänge an der Ostsee könnten zum Ausgleich für eine heiße Saison werden. Erste Vorschuss-Lorbeeren hat Jim Gottfridsson bereits geerntet. "Er hat Talent auf zwei Rückraumpositionen", erklärt SG-Trainer Ljubomir Vranjes. "Ich bin mir sicher, dass er seine Entwicklung machen wird."

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