Testspiel : Der (fast) perfekte Fußball-Nachmittag

Der Abpfiff war der Startschuss für die Autogrammjäger: HSV-Star Rafael van der Vaart spendierte einem Fan sein Trikot.
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Der Abpfiff war der Startschuss für die Autogrammjäger: HSV-Star Rafael van der Vaart spendierte einem Fan sein Trikot.

HSV-Trainer Mirko Slomka ärgern die Gegentreffer beim 3:2 gegen Weiche. Flensburger Florian Meyer wird ein Tor „geklaut“.

shz.de von
30. Juni 2014, 08:00 Uhr

Ein Tor hatte sich Daniel Jurgeleit gewünscht. Dass es zwei wurden, freute ihn um so mehr. „Schon gegen den VfL Wolfsburg und Hannover 96 haben wir in den Vorjahren recht ordentlich gespielt, aber keine Treffer erzielt“, meinte der Trainer des Regionalligisten ETSV Weiche Flensburg nach dem achtbaren 2:3 (1:2) im Testspiel gegen den Fußball-Bundesligisten Hamburger SV. Der 50-Jährige hatte mit seinem Team erst zwei dosierte Trainingseinheiten und ein Spiel gegen einen Kreisligisten absolviert. Mehr wäre weniger gewesen, „weil die Spieler dann in einem müden Zustand aufgelaufen wären“. Davon war nichts zu sehen, so dass der Viertligist einen großen Teil dazu beisteuerte, dass die 2824 zahlenden Zuschauer (Rekord für das Manfred-Werner-Stadion) nach 90 Minuten beide Teams mit viel Beifall verabschiedeten. Dann wurden die Stadiontore geöffnet und der Run auf die Autogramme der Profis begann.

Jurgeleit war sicher, dass der HSV nach dem kraftraubenden Trainingslager auch nicht so leichtfüßig auftreten würde. „Wir wussten, dass wir den Profis auch mal weh tun konnten.“ Er behielt Recht, und HSV-Coach Mirko Slomka sprach es aus: „Ich ärgere mich über die zwei Gegentreffer nach Standards. Das sollte nicht passieren bei unseren großen Spielern.“ Aber unzufrieden war Slomka nicht mit der ersten Saison-Vorbereitungsphase im Trainingslager in Flensburg und Glücksburg. „Heute hat man gemerkt, dass wir eine harte Woche hinter uns haben. Es wäre ja aber auch schlimm, wenn es nicht so wäre.“

Für die Flensburger startete der erste Saison-Höhepunkt perfekt. Schon in der 4. Minute war das Ziel gegen die Profis erreicht: Florian Meyer trat einen Freistoß aus dem linken Halbfeld auf den zweiten Pfosten. Da die HSV-Recken noch unsortiert waren, kam ETSV-Neuzugang Kevin Schulz frei zum Schuss, traf aber nur den Pfosten. Torjäger Tim Wulff schaltete am schnellsten und drückte das Leder zum 1:0 über die Linie. Marcell Jansen drehte die Partie dann mit einem Doppelpack (11., 34.) nach zweimaliger Vorarbeit von Ivo Ilicevic.

Für zwei Weiche-Spieler verlief die Partie nicht ganz nach Wunsch. Beim zweiten Flensburger Treffer zum 2:2 (59.) verkündete der Stadionsprecher „Malla“ Kasumovic als Schützen. Selbst auf der HSV-Homepage oder in Hamburger Medien wurde dem Bosnier das Tor zuerkannt. Es ging so schnell, dass viele es nicht mitbekamen: Bei einem Freistoß standen Kasumovic und Meyer am Ball. Während HSV-Keeper Alexander Brunst in aller Ruhe seine Mauer am rechten Pfosten noch justierte, zog Meyer ohne Anlauf ab und traf. „Ich will Florian den Treffer nicht klauen“, meinte Kasumovic nach dem Verwirrspiel um den Torschützen. „Es macht mir nichts aus, wenn er das Tor haben will“, entgegnete Meyer mit breitem Grinsen im Gesicht und schilderte die Aktion noch einmal: „Ich hatte den Schiedsrichter gefragt, ob der Ball frei ist. Als er es bejaht hat, habe ich sofort geschossen.“ Der Treffer rief den sonst eher ruhigen Mirko Slomka auf den Plan. Er verließ seine Coachingzone und ging zum rund 30 Meter entfernt stehenden Linienrichter Timo Winkel (TSV Flintbek), um ihm seinen Unmut mitzuteilen. Der kurze Disput endete mit den Worten des HSV-Trainers: „Pass mal auf, mit wem Du da redest.“ Aber spätestens nach dem 3:2 (65.) von Artjoms Rudnevs war der Zorn verflogen.

Nicht ganz so glücklich wie alle anderen nach dem tollen Fußball-Nachmittag fühlte sich Christian Jürgensen. Der Hamburger Ivo Ilicevic rannte den Flensburger Innenverteidiger in der 28. Minute unnötig um. Jürgensen musste mit Nasenbluten raus und wurde länger behandelt, bis die Blutung gestillt wurde. Er kam wieder rein, hielt die 90 Minuten durch, aber nach dem Spiel stand für ihn fest: „Die Nase ist durch.“

Doch die guten Erinnerungen bleiben. Slomka, schon im Vorjahr mit Hannover 96 an der Förde, sprach von einem griffigen Gegner, einem schönen Trainingslager und davon, dass er am Morgen nach einem Rundgang durch die Marineschule noch einige Ideen für künftige Trainingseinheiten gesehen hätte. Das hört sich an, als wenn er wiederkommen möchte. Harald Uhr wäre begeistert: „Ich bin ein großer HSV-Fan. Hier seid Ihr immer bei Freunden.“ Der ETSV-Mäzen und Liga-Geschäftsführer ergänzte: „Wir haben alles möglich gemacht, um dem HSV hier eine gute Atmosphäre zu bieten.“ Dafür bedankte sich Slomka, der von dem prall gefüllten, kleinen Manfred-Werner-Stadion mit der neuen Tribüne, der neuen Anzeigetafel und dem gepflegten Rasen begeistert war.

Das tolle Drumherum griff auch Jürgen Muhl auf. Der stellvertretende Chefredakteur des sh:z und Initiator des Fußballsommers im Norden sprach Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber an, dass er sich im Stadion zum letzten Saison-Test des HSV gegen Lazio Rom am 8. August solche perfekten Bedingungen wünsche. Der OB, natürlich mit ETSV-Käppi erschienen, versprach: „Ich klingel’ da mal durch.“

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