zur Navigation springen

Grietje Kurtzweg stolz auf gold bei Special Olympics World Games : „Das war einfach riesig“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Freundschaften, überwältigende Eindrücke und eine überraschende Goldmedaille hat Grietje Kurtzweg vom Abenteuer ihres Lebens mitgebracht. „Mein Traum ist wahr geworden. Das war richtig cool“, sagte die 33 Jahre alte Leichtathletin.

In Los Angeles hatte die Flensburgerin an den 14. Special Olympics World Games für Menschen mit geistiger Behinderung teilgenommen. Danach hieß es für die Sportlerin, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde, erst einmal wieder ankommen, den Jetlag überwinden, zur Ruhe finden, in den Alltag zurückkehren.

Gar nicht so einfach, denn auf die Flensburgerin, die sich nun als Olympiasiegerin fühlen darf, warteten Verpflichtungen: Der große Empfang in Fuhlsbüttel durch eine 50-köpfige Delegation aus Familie sowie Kolleginnen und Kollegen aus dem Holländerhof, ein Besuch bei Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar und am 22. September will noch Ministerpräsident Torsten Albig den sechs Sportlerinnen und Sportlern aus Schleswig-Holstein gratulieren.

„Grietje ist an dieser Erfahrung gewachsen. Sie hat eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dazu gewonnen“, stellte Trainerin Angelika Carstesen nach der Rückkehr ihres Schützlings fest. Es war ihre bisher längste und weiteste Reise, es gab Tränen beim Aufbruch und einen Hinflug, der Grietje Kurtzweg „ein bisschen unheimlich“ vor kam. „Es hat ganz schön gewackelt. Ich habe überhaupt nicht geschlafen.“ Den für alle Athleten obligatorischen Test von Gesundheit und mentaler Konstitution bestand die Flensburgerin nach der Ankunft mit Bravour: „Die haben mir gesagt, ich kann durchstarten.“ Die größten Hoffnungen hatte sie in das Kugelstoßen gesetzt, ihre Paradedisziplin. „Das lief aber nicht so gut. Ich war zu aufgeregt“, berichtet Grietie Kurtzweg über ihren ersten Wettkampf im Memorial Colliseum in Los Angeles. 6,06 Meter reichten im Finale nur zu Rang vier hinter den Mitbewerberinnen aus China, Indien und den Niederlanden. In der Qualifikation hatte die Flensburgerin noch 6,25 m erzielt, diese Weite hätte im Endkampf Bronze gebracht.

Dafür endete der Weitsprung mit einem ganz unerwarteten Triumph. Grietje Kurtzweg hatte sich nun an Atmosphäre und ungewohnte Bedingungen gewöhnt. „Wir werden von den Betreuern in das Stadion gebracht, aber beim Wettkampf sind wir allein. Man muss da erstmal ’runterkommen. Ich zähle von zehn bis null, dann werde ich ruhig und gelassen“, schildert sie ihren kleinen Trick. Es lohnte sich, sie gewann den Weitsprung mit 2,30 Metern vor der Hamburgerin Agnes Wessalowski deutlich. „Das habe ich nicht erwartet. Ich habe mich so gefreut“, sagt sie strahlend und ballt bei der Erinnerung noch einmal die Fäuste.

Die beiden starteten noch gemeinsam in der 4x100-m-Staffel. „Ich bin gut gelaufen und auch mein Wechsel zu Sebastian Kröger hat geklappt, aber Agnes hat leider den Stab verloren“, berichtet Grietje Kurtzweg, wie die fast sichere Medaille knapp verpasst wurde. „Ich konnte Agnes gar nicht trösten, ich war selbst so traurig.“ Aber das erzählt sie heute schon wieder mit breitem Grinsen.

Mehr als zwei kleine Enttäuschungen zählten am Ende die Goldmedaille und die Erlebnisse. Wie die beeindruckende Auftaktfeier mit dem Einmarsch der 6500 Athleten aus 168 Ländern. Eröffnet wurden die Spiele von First Lady Michelle Obama, dazu traten die Weltstars Stevie Wonder und Avril Lavigne auf. „Das war einfach riesig“, sagt Grietje Kurtzweg. Und für ein paar Eindrücke von Los Angeles war auch Zeit. Das berühmte Hollywood-Schild in den Hügeln über der Metropole hat sie fotografiert und den Walk of Fame erkundet: „Ich habe die Sterne von Jennifer Lopez, Tom Jones und Lassie entdeckt“, berichtet sie stolz. Gegen das Heimweh halfen Video-Selfies und die Bekanntschaft mit dem Berliner Daniel, in den sich Grietje ein bisschen verguckt hatte, wie sie wehmütig erzählt.

Gern würde sie das Erlebnis wiederholen, doch die Statuten der Special-Olympics-Organisation lassen einen zweiten Start in der selben Sportart nicht zu. Andere Athleten sollen auch eine Chance bekommen, an den World Games teilzunehmen. Grietje Kurtzweg müsste die Disziplin wechseln und sich wieder gegen nationale Konkurrenz durchsetzen. Die ehrgeizige Sportlerin hat schon einen Plan: „Im Brustschwimmen bin ich gut. Das könnte ich probieren.“

zur Startseite

von
erstellt am 02.Sep.2015 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen