Hallenfussball : Das verkorkste Neunmeterschießen

Der Torhüter macht es vor: Florian Kirschke verwandelt seinen Neunmeter gegen den VfB Lübeck.
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Der Torhüter macht es vor: Florian Kirschke verwandelt seinen Neunmeter gegen den VfB Lübeck.

17. Hallen-Masters in Kiel: Titelverteidiger ETSV Weiche scheidet im Halbfinale gegen Lübeck aus. Co-Trainer Marc Peetz: „Minimalziel erreicht.“

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12. Januar 2015, 08:00 Uhr

Die Mission Titelverteidigung ist gescheitert. Der ETSV Weiche verlor beim 17. Lotto Masters in der Kieler Sparkassen-Arena im Halbfinale gegen den Regionalliga-Konkurrenten VfB Lübeck nach Neunmeterschießen mit 4:5 (1:1) und musste sich zusammen mit den Drittliga-Fußballern von Holstein Kiel Platz drei teilen. Immerhin gab es für die Flensburger noch 1000 Euro Prämie und einen weiteren Preis für Florian Meyer, der mit fünf Toren bester Torschütze war. „Wir sind nicht unzufrieden, wir haben uns wieder hervorragend präsentiert“, resümierte Daniel Jurgeleit. Aber der ETSV-Trainer schränkte diesen Satz gleich darauf ein wenig ein: „Ein bisschen ärgern können wir uns schon.“

Es war das verkorkste Neunmeterschießen, das allen Flensburgern bitter aufstieß. „Wenn man so schlecht schießt, kann man auch nicht ins Finale kommen“, grantelte Jurgeleit. Acht Versuche vom Punkt hatten die Flensburger, aber nur Florian Meyer (2 Tore) und Torhüter Florian Kirschke trafen. Geburtstagskind Hendrik Ostermann (26) und Kevin Schulz scheiterten je zweimal, Ilidio traf die Latte.

Eigentlich sollten ganz andere Spieler schießen. Aber sie durften nicht, weil sie beim Abpfiff nicht auf dem Feld standen. Jurgeleit hatte zwar mehrfach kurz vor Schluss signalisiert und hereingerufen, dass er Timo Carstensen und Len-Aike Strömer einwechseln wollte. „Wir hätten den Ball einfach ins Aus schießen müssen.“ Dann war es zu spät, die letzen Sekunden hatte Lübeck Ballbesitz. „Ich hätte gerne geschossen“, meinte Timo Carstensen, der beim Flensburger Sparda-Bank Hallen-Cup am Dienstag seinen Neunmeter eiskalt verwandelt hatte.

Doch das war noch nicht das ganze Drama des Neunmeterschießens. Nachdem Ilidio als vierter Feldspieler nicht getroffen und der Ex-Weicher Marcello Meyer zum 2:1 für Lübeck verwandelt hatte, glaubten Schiedsrichter, Akteure und Zuschauer schon an die Entscheidung. Die VfB-Spieler jubelten, die Flensburger gratulierten. Drittligist Holstein Kiel kam bereits auf das Feld, um sich für das zweite Halbfinale gegen den späteren Überraschungssieger TuS Hartenholm warm zu machen. Jurgeleit stürmte auf den Kunstrasen und informierte den Schiedsrichter über das falsch ausgelegte Regelwerk. Nicht nur die Feldspieler, auch die Torhüter mussten schießen. So ging es noch einmal von vorne los. Kirschke verwandelte, VfB-Keeper Briant Alberti scheiterte – es stand nach jeweils fünf Schützen 2:2. In der Verlängerung des Neunmeterschießens behielt aber nur Florian Meyer die Nerven. Nachdem Schulz und Ostermann schwach schossen, machte Nils Lange für Lübeck mit dem 4:3 alle klar – Weiche war draußen. „Das ist ein bisschen unglücklich gelaufen“, befand Timo Carstensen, der den Schützen aber keinen Vorwurf machen wollte.

Zuvor verlief der Flensburger Auftritt fast perfekt, obwohl Weiche „mit den letzten zehn einsatzfähigen Spielern“ (Co-Trainer Marc Peetz) angetreten war. Jonas Walter und Tim Wulff mussten kurzfristig passen. Auch Liga-Chef Harald Uhr fehlte. Er war nur zur Abfahrt zum Weiche-Clubhaus gekommen und hatte der Mannschaft viel Glück gewünscht. Aber da seine Ehefrau Waltraut Geburtstag feierte, hatte er abgesagt. Trotzdem war Uhr über Telefonkontakt mit dem Fanbeauftragten Daniel Hoffmann ständig informiert.

Und es gab viel Gutes zu berichten. Im Eröffnungsspiel nutzte der Titelverteidiger die erste Verunsicherung des Neulings Hartenholm in der mit 8600 Zuschauern ausverkauften Halle. Carstensen traf nach 46 Sekunden zum 1:0. Mit dem Abpfiff erhöhte Meyer auf 2:0. Mit 2:0 lag Weiche nach Toren von Marcel Cornils und Meyer auch gegen VfR Neumünster vorn. Doch dann gaben die Flensburger das Spiel aus der Hand. Am Ende rettete Torhüter Andre Hagge ein 2:2. „Nach der kleinen Schwächephase haben wir gegen Eutin 08 sehr gut reagiert“, befand Florian Meyer. Der auffälligste Weiche-Spieler traf beim 6:0-Sieg neben Ostermann („Ich bin ja nicht gerade der Torjäger, das war mein Geburtstagstor“), Ilidio und Strömer gleich drei Mal. Meyer: „Da haben die Kollegen sehr gut aufgelegt, die musste ich einfach reinmachen.“

Nach dem souveränen Gruppensieg war das „Minimalziel“ (O-Ton Peetz) erreicht. Im Halbfinale schien wieder alles nach Plan zu laufen. Schon nach 46 Sekunden schoss Torge Paetow die Flensburger mit einem rotzfrechen Banden-Tor in Führung. Aber Hayri Akcasu glich für Lübeck aus. Der Rest ist bekannt.

Nachwirken wird nicht nur das Neunmeterschießen – auch die super Atmosphäre, zu der auch die rund 250 Flensburger Fans beitrugen. „So wie hier ist die Stimmung nirgendwo“, meinte Peetz. Und Youngster Paetow, von mehreren Profiteams umworben, ergänzte: „Das ist noch einen Tick besser als in Flensburg.“ Nervös sei er allerdings bei seinem ersten Masters-Auftritt nicht gewesen, erklärte der 19-Jährige. „Vielleicht etwas angespannt, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.“

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