VfB Nordmark : Das traurige Ende eines Traditionsvereins

Flensburger Club wird aufgelöst. Vorstand prüft Schadensersatzansprüche gegen Heiko Kroll.

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26. Juni 2014, 08:00 Uhr

Die Auflösung des 1921 gegründeten Sportvereins VfB Nordmark Flensburg ist beschlossene Sache. Bei der Mitgliederversammlung am Dienstag Abend war keiner der anwesenden 58 stimmberechtigen Vereinsmitglieder bereit, einen der drei vakanten Vorstandsposten zu übernehmen. Somit erklärte der zum Beginn der Veranstaltung zum Veranstaltungsleiter gewählte VfB-Schriftführer und frühere CDU-Ratsherr Christoph Meißner: „Ich werde beim Amtsgericht die Bildung eines Notvorstandes beantragen, mit dem Ziel, den Verein zu liquidieren.“

Die Mitgliederversammlung begann schon mit einem Paukenschlag. Der 1. Vorsitzende Heiko Kroll (Foto) war nicht zur Sitzung erschienen. Er teilte lediglich in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme mit: „Ich trete mit Wirkung vom 24.06.2014 von meinem Amt zurück.“ Seine kurze auszugsweise zitierte Begründung: „Der Jahreshauptversammlung liegt ein Antrag auf Vereinsausschluss meiner Person vor. Bei einem solchen Antrag darf ich die Versammlung nicht mehr leiten.“

Zunächst wurden die allgemeinen Tagesordnungspunkte der Sitzung unter der Leitung von Meißner relativ zügig abgearbeitet. Dabei wurden jedoch schon zahlreiche Versäumnisse der Vergangenheit deutlich. Der Briefkasten wurde nicht geleert, Rechnungen blieben liegen. Schreiben wurden nicht bearbeitet, Protokolle nicht weitergeleitet. Der Verein war praktisch führungslos. Lediglich Thomas Behrens, der als 2. Vorsitzender bereits am 6. Juni zurückgetreten war, hielt mit großem Einsatz das Nötigste am Laufen. Zudem unterstützte er den ehemaligen Kassenwart Jaan Süchting (Rücktritt schon Anfang des Jahres), dem die Versammlung für das Rechnungsjahr 2013 einstimmig Entlastung erteilte.

Es folgten die beiden Negativ-Höhepunkte. Zunächst formulierte Meißner seinen Antrag zur Demissionierung von Kroll: „Ausschluss aus dem VfB wegen vereinsschädigendem Verhaltens, keine Entlastung als Vorsitzender und Prüfung von Schadensersatzansprüchen.“ Die Mitglieder stimmten dem Antrag bei wenigen Enthaltungen zu. Kroll erklärte auf telefonische Nachfrage lediglich: „Gegenwärtig will ich die Angelegenheit nicht kommentieren.“

Vor dem Punkt „Wahlen des Vorstandes“ wurde auf Anregung aus dem Auditorium eine zehnminütige „Denkpause“ für die Mitglieder eingelegt. Schon zu diesem Zeitpunkt war erkennbar, dass keine Bereitschaft der Anwesenden bestand, sich für einen Vorstandsposten zur Verfügung zu stellen. Günter Henning, der in früheren Jahren in verschiedenen führenden Funktionen beim VfB tätig war, gab zu bedenken: „Es sollte sich niemand etwas vormachen. Der Verein ist pleite. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Ergebnis der Vorstandsarbeit des letzten Jahres, sondern war ein schleichender Prozess, der sich schon in den vergangenen drei Jahren angedeutet hat.“

Bei den folgenden Wahlen war kein Mitglied bereit, sich im neuen Vorstand zu engagieren. Mit der Folge, dass nun von Meißner wegen des Fehlens eines geschäftsführenden Vorstandes die Abwicklung des Traditionsvereins übers Amtsgericht eingeleitet wird.

Völlig geschockt über diese Entwicklung waren die jeweils 87-jährigen Fritz Clausen, Niko Jürgensen und Peter Magnussen, die seit 1945 Mitglied von VfB Nordmark sind. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass mein Verein so ein schreckliches Ende erlebt“, meinte das tief erschütterte „VfB-Urgesteins“ Clausen.

Für die Liga-Fußballer des VfB bedeutet dies: „Wir werden unsere Anmeldung für die kommende Saison in der Verbandsliga zurückziehen. Ich werde umgehend den Staffelleiter davon telefonisch in Kenntnis setzen“, erklärt Coach Rüdiger Boysen. Somit wird Kreisligist TV Grundhof in die Verbandsliga aufrücken.

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