Bangen um die sportliche Heimat

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Britta Jänicke freut sich über neue Medaillen, überreicht von Wolfgang Tenhagen, Vorsitzender des Behindertensportverbandes SH. (mat)

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18. November 2009, 04:59 Uhr

Flensburg | Wie geht es weiter, oder geht es überhaupt weiter? Der Spielgemeinschaft zwischen dem TSV Munkbrarup und den Handballfreunden Flensburg, kurz HFF Munkbrarup, droht schon ein Jahr nach der Gründung das Aus. "Ich bin jetzt seit 35 Jahren im Sport aktiv, aber so einen großen Felsbrocken habe ich noch nicht aus dem Weg räumen müssen", sagt Britta Jänicke, Trainerin und Jugendwartin des Vereins. Nachdem die Trägerschaft der Kurt-Tucholsky-Schule (KTS) vom Kreis an die Stadt Flensburg übergeben worden ist, befürchten die HFF Munkbrarup, dass die Nutzungsgebühren in ihrer Heimsporthalle im nächsten Jahr nicht nicht mehr bezahlbar sind. Möglicherweise verlieren sie sogar ihre Trainingszeiten an Flensburger Clubs.

"Man kann doch nicht 250 Kinder und Jugendliche auf die Straße setzen!" Britta Jänicke ist fassungslos. Sie ist seit 2001 beim TSV Munkbrarup Trainerin und hat die Handballsparte mit aufgebaut. "Damals sind wir mit acht Mannschaften angetreten, heute haben wir 24, davon 21 Jugendteams." Und die Erfolge in der Jugendarbeit können sich sehen lassen. In der vergangenen Saison feierten neun Handballteams der HFF die Meisterschaft. "Wir leben Handball und sind mit Herzblut dabei", spricht die ehemalige Bundesligaspielerin für sich und ihre Trainerkollegen. Die männliche C- und A-Jugend spielen inzwischen in der Oberliga, der Verein hat vier aktuelle Jugend-Landesauswahlspieler, ein Handballer war sogar schon zur DHB-Sichtung. "Der Verein ist mit Leben gefüllt", sagt Jänicke und ergänzt: "Wir haben großen Zulauf, weil wir gute Arbeit leisten." Zurzeit gehören 252 Kinder, 64 Erwachsene, 29 Trainer und 21 Schiedsrichter den HFF an.

Als abzusehen war, dass die KTS städtisch wird, gründete der Kreisverein TSV Munkbrarup, zehn Kilometer vor den Toren Flensburgs, 2008 die HFF Munkbrarup. Das Ziel sei gewesen, "unseren Kindern in Flensburg eine Perspektive zu bieten", so die Jugendwartin. "Wir wollten die Kinder in ihrem Umfeld belassen." 70 Prozent der jugendlichen Mitglieder kommen aus dem Flensburger Umfeld der KTS. Zum Einzugsbereich gehören Engelsby, Tarup, Karlslund, Adelby, Adelbylund und Sünderup. "Da können die Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Training kommen." Zudem bietet der Verein Handball-AGs in Flensburgs Schulen (Engelsby und Adelby) an.

In dieser Saison läuft der Vertrag des TSV Munkbrarup in der KTS aus. "Unser größter Wunsch ist, dass wir die Hallenzeiten an die HFF überschrieben bekommen", erklärt Jänicke. Der Antrag ist gestellt. Die Krux dabei: Bislang zahlt der TSV Munkbrarup 13 Euro pro Stunde. Für Kreisvereine steigt die Gebühr der Stadt im kommenden Jahr aber auf 22 Euro. Hochgerechnet: Statt 25 000 Euro pro Jahr werden 45 000 Euro fällig. "Das kann ein kleiner Verein wie Munkbrarup nicht bezahlen."

Bei der Stadt ist der Fall ein heißes Eisen. "Wir versuchen, eine vernünftige Lösung für den Verein hinzubekommen", sagt Thomas Hansen. Der Pressesprecher der Stadt erklärt, dass für den TSV Munkbrarup die sportliche Heimat in der KTS bis zu den Sommerferien 2010 gesichert sei. Bei der Finanzierung könne er sich vorstellen, dass "die Stadt einlenkt und man sich bei den Gebühren irgendwo trifft". Hansen bringt noch eine andere Alternative ins Spiel. So überlege die Stadt, die Schule in einem Zweckverband mit Glücksburg und dem Amt Langballig (dazu gehört Munkbrarup) zu betreiben. Aber das ist alles Zukunftsmusik. Fakt ist: Für den Verein spreche, dass er schon jahrelang in der KTS trainiere und nichts dafür könne, "dass wir jetzt Schulträger sind", sagt Hansen.

Andererseits: Die Spielgemeinschaft mit den Handballfreunden Flensburg könnte sich als Bumerang erweisen. Die Hallenzeiten in Flensburg sind begehrt. Die Warteliste der Stadtvereine, die in die KTS drängen, ist lang. Und die HFF müssten sich hinten einreihen, wenn sie sich als Stadtverein bewerben. Hansen bestätigt: "Die Vereine stehen Schlange."

Für ihre sportliche Heimat wollen die rund 350 Handballer der HFF Munkbrarup kämpfen. "Wir haben in einer Aktion schon 250 Unterschriften gesammelt", erklärt Britta Jänicke. Es geht um viel - um insgesamt 40 Trainingsstunden pro Woche und das komplette Wochenende von morgens bis abends in der KTS.

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